Ein Polizist einer Motorradstreife begutachtet den Schaden nach einem Autoeinbruch (Quelle: imago)
Video: Abendschau | 24.02.2014 | Norbert Siegmund

Berliner Kriminalitätsstatistik 2013 - Mehr Straftaten, geringere Aufklärungsquote

2013 hat die Berliner Polizei mehr Straftaten registriert als im Vorjahr. Die detaillierten Zahlen werden erst im Frühjahr veröffentlicht, doch schon jetzt zeichnen sich zwei Trends ab: Während Gewalttaten weiter zurückgehen, steigt die Zahl der Diebstähle deutlich.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hat am Montag die Kriminalitätsstatistik 2013 in Kurzform vorgestellt.

Die Bilanz: Deutlich weniger Mord und Totschlag gab es im vergangenen Jahr, auch der Rückgang bei Raub und Körperverletzung setzt sich wie schon seit Jahren fort. Innensenator Henkel kann zu Recht behaupten: Berlin ist sicherer geworden.

"Da, wo wir Schwerpunkte setzen, haben wir Erfolg", sagte der CDU-Politiker. "Wir haben viel Kraft investiert im Kampf gegen Einbrecher und sind belohnt worden."

Allerdings verhagelt ihm der Anstieg beim Taschen- und Autodiebstahl die Statistik. Um mehr als 15 Prozent stiegen die Zahlen allein bei den Diebstählen. Weil das knapp die Hälfte aller Straftaten ausmacht, ist auch die Gesamtzahl wieder leicht gestiegen.

Laut Polizeipräsident Klaus Kandt haben reisende Diebe aus dem Ausland einen hohen Anteil an der Eigentumskriminalität. Unter den tatverdächtigen "Autoknackern" etwa hätten 63,2 Prozent keinen deutschen Pass. Nach Polizeiangaben setzen "Autoknacker" in letzter Zeit vermehrt Störsender ein. Diese Sender verhindern unbemerkt vom Fahrer, dass ein Auto per Funkfernbedienung abgeschlossen werden kann. Anschließend räumen die Diebe das Auto aus.

Ein besonderes Problem der Polizei ist die schlechte Aufklärungsquote - Taschendiebe und Autoknacker kommen fast immer davon. Gerade mal vier der Prozent Fälle konnten aufgeklärt werden.

Gewerkschaft kritisiert Sparpolitik

Der GdP-Landesvorsitzende Michael Purper machte eine verfehlte Sparpolitik für den Kriminalitätsanstieg verantwortlich. "Wer mehr Sicherheit will, muss mehr Polizei auf die Straße schicken", forderte Purper. Zudem müsse die Polizeibehörde so aufgestellt werden, dass sie wieder mehr Präventionsveranstaltungen anbieten könne.

Dies will Polizeipräsident Klaus Kandt auch tun. Nach seinen Worten soll mehr Bereitschaftspolizei auf die Straßen kommen, soweit es die Lage erlaube. Es gehe darum, "freie Spitzen" planmäßiger zu nutzen. Henkel erinnerte daran, dass bei der Polizei bereits 350 neue Stellen geschaffen wurden. Die neuen Beamten würden nach ihrer Ausbildung nach und nach bei den Dienststellen einrücken.

Im Jahr 2012 hatte die Polizei rund 495.000 Straftaten registriert. Darunter waren 147 Fälle von ausgeführtem oder versuchtem Mord oder Totschlag, 4.175 Fälle schwerer und gefährlicher Körperverletzung, 6.419 Raubdelikte und 18.000 Taschendiebstähle.

Zahl der politischen Straftaten gestiegen

Im Bereich der sogenannten "Politisch motivierten Kriminalität" wurden im vergangenen Jahr 3.091 Fälle gemeldet – zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei handelte es sich in 441 Fällen um Gewaltdelikte, ein Anstieg gegenüber 2012 um 26 Prozent.

Während die Zahl der Delikte im rechten Bereich gleichblieb, nahmen die Fälle im links-politischen Bereich um 18 Prozent zu. Hier traten vermehrt Körperverletzungen und Landfriedensbrüche auf.

Sieben Prozent der politischen Straftaten wurden von Ausländern verübt. Hierzu zählen auch terroristische Taten, wovon im Jahr 2013 16 Fälle gezählt wurden. Die meisten davon galten der Vorbereitung einer schweren Straftat. Dazu kann auch die Teilnahme an sogenannten Ausbildungscamps gehören.

Ausführliche Zahlen kommen im Frühjahr

Henkel präsentierte zusammen mit Polizeipräsident Klaus Kandt zum ersten Mal eine frühe Kurzfassung der statistischen Auswertung aller registrierten Verbrechen des vergangenen Jahres. Die üblichen, sehr ausführlichen Langfassungen der beiden Jahresberichte werden im Frühjahr veröffentlicht. Damit wolle Berlin sein Vorgehen bei der Veröffentlichung der Statistik an die Mehrheit der anderen Bundesländer anpassen, hieß es.

Ausgewählte Straftaten in Zahlen

Straftat

Fälle 2013

Fälle    2012

Differenz Prozent

Differenz absolut

Aufklärungsquote

Betrug

79.714

80.544

- 1,0 %

- 830

54,3 %

Taschendiebstahl

20.794

17.978

+ 15,7 %

+ 2.816

3,6 %

Körperverletzung

41.795

42.483

-1,6 %

- 688

81,3 %

Internetkriminalität

19.336

20.970

- 7,8 %

- 1.634

50,1 %

Häusliche Gewalt

15.971

15.797

+1,1 %

+ 174

98,5 %

Einbruchdiebstahl

11.566

12.291

-5,9 %

- 725

7,3 %

Schwarzfahren

7.038

8.914

- 21,0 %

- 1.876

96,2 %

Autodiebstahl

6.659

5.760

+15,6 %

+ 899

9,7 %

Raub

6.222

6.419

-3,1 %

- 197

34,7 %

Sexuelle Straftaten

2.628

2.813

- 6,6 %

- 185

62,7 %

Mord und Totschlag

106

147

- 27,9 %

- 41

89,6 %

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