Fußballfans auf der Berliner Fanmeile (Quelle: dpa)

Grenze für Lärmschutz soll zur WM sinken - Tor-Jubel bis tief in die Nacht

Berliner und Brandenburger Fußball-Fans dürfen bei der WM in Brasilien voraussichtlich auch mitten in der Nacht jubeln ohne Ärger erwarten zu müssen. Das Bundesumweltministerium bestätigte dem rbb, dass es eine eigene Public-Viewing-Verordnung für die Weltmeisterschaft plant. Bis wann die Tor-Schreie jedoch toleriert werden, ist im Detail noch nicht geklärt. Von Friederike Steinberg

Auch auf Betreiben des Landes Berlin hin will der Bund zur Fußball-WM eigens eine Public-Viewing-Verordnung erlassen. Das Papier soll es den Behörden einfacher machen, für laute Fußball-Events Ausnahmegenehmigungen zu erteilen. Ohne die Verordnung seien die Möglichkeiten der Städte und Länder dazu "ziemlich begrenzt", sagte Ministeriumssprecher Nikolai Fichtner im Gespräch mit rbb online.

Hintergrund ist, dass durch die Zeitverschiebung einige Spiele der Weltmeisterschaft in Brasilien erst um 22.00 Uhr, um Mitternacht oder sogar erst um 3.00 Uhr deutscher Zeit angepfiffen werden. Öffentliche Veranstaltungen in Wohngebieten dürfen aber normalerweise ab 22.00 Uhr nur noch wenig Lärm verursachen.

Ähnliche Verordnungen gab es bereits

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums gibt die Verordnung den Behörden größeren Spielraum, für die vierwöchige WM auch Public Viewing nach 22.00 Uhr zu erlauben. Städte und Kommunen bekämen so mehr Rechtssicherheit, erklärte Fichtner. Ähnliche Regelungen habe es bereits 2006, 2008 und 2010 gegeben.

Das Ministerium will den Behörden aber auch in der Verordnung Richtlinien an die Hand geben, wie trotz des zusätzlichen Lärms Streit mit Bürgern vermieden werden kann. Denkbar sei eine Empfehlung, dass nach zwei lauten Nächten wieder eine Pause eingelegt werden solle, erläuterte Fichtner.

Berlin steht hinter der Initiative

Noch ist die Verordnung nicht unter Dach und Fach. Neben dem Bundeskabinett muss auch der Bundesrat zustimmen. Dies dürfte aber unproblematisch sein, da die Länder die Verordnung nach Angaben des Sprechers gewünscht hatten, hieß es. Ministeriumssprecher Fichtner zufolge war Hamburg die treibende Kraft zu der Verordnung, Berlin habe sie aber auch unterstützt.

Petra Roland, Sprecherin der Berliner Senatverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, bestätigte dies gegenüber rbb online: "Wir begrüßen es grundsätzlich, dass der Bund Mantelrichtlinien freigibt." Die geplante Lärmverordnung des Bundes setze dann das Landesgesetz außer Kraft - bis zu einem in der Verordnung genannten Zeitpunkt. Laut Roland ist derzeit 1 Uhr nachts im Gespräch.

Für den Rest der Nacht gelte das Landesgesetz wieder, hier könne es aber zusätzlich Ausnahmeregelungen geben. Dies sei für die Fanmeile auf der Straße des 17. Juni angedacht. Auf der anderen Seite könnte an spielfreien Tagen der Lärmschutz auch wieder auf 22.00 Uhr gesenkt werden, so Roland.

Gastwirte müssen Erlaubnis beim Bezirk einholen

Trotz der geplanten Änderungen bei Lärmschutz müssen die Bürger in der Region aber vermutlich nicht mit Ooohs und Aaahs bis tief in die Nacht rechnen, denn die Bundesverordnung öffnet nicht Tür und Tor für jeden Wirt, der eine Leinwand im Garten seiner Gaststätte aufbaut. Hier sei jeweils eine eigene Genehmigung beim Bezirk einzuholen, betonte Roland.

Die deutsche Mannschaft spielt zudem in der Gruppenphase nur einmal zu einer Uhrzeit, bei der Siegesjubel hinter der kritischen 22.00-Uhr-Grenze ertönen würde: Am 21. Juni ist Anstoß gegen Ghana um 21.00 Uhr MESZ. Die anderen beiden Vorrundenspiele gegen Portugal und gegen die USA beginnen bereits um 18.00 Uhr MESZ.

Ab dem Achtelfinale wird entweder um 18.00 oder um 22.00 Uhr MESZ angepfiffen, das Finale am 13. Juli in Rio de Janeiro ist für 21.00 Uhr MESZ angesetzt.

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