Prozessauftakt gegen Mann, der seine Ehefrau angezündet haben soll (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg Aktuell | 04.02.2014 | Juliane Kerber

Geständnis: Frau angezündet - "Wie viele Demütigungen sollte ich noch ertragen?"

Ein 51-Jähriger aus Blankenfelde soll seine Ehefrau mit Benzin übergossen und angezündet haben. Die Frau überlebte schwer verletzt - durch einen rettenden Sprung in den benachbarten Pool. Vor Gericht hat der Mann jetzt gestanden, seine Frau angezündet zu haben und von enttäuschter Liebe gesprochen.

Vor dem Potsdamer Landgericht muss sich seit Dienstag ein 51 Jahre alter Mann wegen versuchten Mordes verantworten. Im vergangenen Juni soll er in Blankenfelde im Landkreis Teltow-Fläming seine Ehefrau mit Benzin übergossen und angezündet haben.

Die Frau konnte sich nur durch einen Sprung ins Schwimmbecken der Nachbarn retten. Sie soll zudem ihren siebenjährigen Sohn aus dem Gebäude gerettet haben, das in Brand geraten war.

Der Angeklagte beschrieb seine Frau als notorisch untreu. Die 14 Jahre jüngere Frau war für ihn eine Liebe auf den ersten Blick, sagt er. Ihr zuliebe sei er von Rostock nach Blankenfelde gezogen. Kurz nach der Heirat jedoch habe sie jegliches Interesse an ihm verloren, habe ihn hintergangen und schließlich zum Auszug aufgefordert.

Am 26. Juni 2013, dem Tag der Tat, habe sie ihm von zwei Nebenbuhlern erzählt, von denen er bis dahin nichts gewusst hatte. "Zehn Minuten später hatte sie Benzin im Gesicht", so der Angeklagte weiter. "Ich bin explodiert. Es hat gereicht. Wie viele Demütigungen sollte ich denn noch ertragen?" Das Paar hatte sich erst ein knappes Jahr zuvor kennengelernt und war rund sechs Monate verheiratet.

Die von ihrem Ehemann schwer verletzte Frau ist im Landgericht in Potsdam mit ihrem Vater als Zeugin erschienen, links ihre Anwältin Michaela Mumm von Oldenburg (Quelle:dpa)
Die schwer verletzte Frau des Angeklagten kam mit ihrer Anwältin und ihrem Vater zum Prozessauftakt.

Hälfte der Hautoberfläche verbrannt

Die Frau, die schwere Verbrennungen davontrug, wies seine Anschuldigungen vor Gericht zurück. Sie sagte, ihr Mann habe seit dem Umzug grundlos Vorwürfe gegen sie erhoben. Außerdem habe er Gerüchte über sie verbreitet und ihr gedroht.

Die inzwischen 37-jährige Ehefrau wird über sieben Monate nach der Tat noch immer im Krankenhaus behandelt. Über die Hälfte ihrer Hautoberfläche war verbrannt, auch Stellen im Gesicht. Sie musste 13 Operationen über sich ergehen lassen, berichtet die Anwältin der Nebenklägerin, Michaela Mumm-von Oldenburg. Drei weitere Eingriffe stünden mindestens noch an. "Das Ganze ist schon sehr dramatisch", so die Anwältin.

Versuchter Mord statt Tat im Affekt

Die Staatsanwaltschaft geht indes nicht von einer Affekt-Tat aus. Die 1. Große Strafkammer verhandelt wegen versuchten Mordes. Bei einem Schuldspruch wäre demnach sogar eine lebenslange Strafe möglich. "Die Kammer hat die Mordmerkmale Grausamkeit, Heimtücke und sonstige niedere Beweggründe gesehen. Hintergrund ist eine enttäuschte Liebesbeziehung und große Eifersucht", so der Präsident des Landgerichts, Dirk Ehlert.

Vor Gericht räumte der Angeklagte ein, dass er Benzin in Flaschen abgefüllt im Haus gelagert hatte - was gegen eine spontane Tat im Affekt spricht. Das Benzin hortete der Mann nach eigenen Angaben, um das Gebäude zu einem späteren Zeitpunkt in Brand setzen zu können und es nicht möglichen Nebenbuhlern überlassen zu müssen. Nach der Tat war der Mann mit seinem Wagen geflüchtet. Tags darauf hatte er sich der Polizei gestellt. "Mein Mandant bereut die Tat", sagte sein Verteidiger Matthias Schöneburg dem rbb, "er war sichtlich erschüttert, als er die Ausmaße seines Handelns erfahren hat."

In zwei Wochen soll der Prozess fortgesetzt werden, dann sollen auch die Eltern des Opfers ihre Aussagen machen. Ein Urteil ist für April zu erwarten.

Mit Informationen von Lisa Steger und Juliane Kerber