Nach den tödlichen Schüssen auf einen Mann in einem Sportwetten Laden in der Residenzstrasse 122 ist der Laden weiterhin geschlossen (Quelle: imago)

Panne bei Rocker-Ermittlungen - Berliner Polizei gesteht gravierenden Fehler ein

Acht Verdächtige sind nach dem Mord in einem Berliner Wettbüro gefasst worden. Ein Erfolg für die Polizei, wie sie selber betonte. Doch nun hat sie auch einen gravierenden Fehler eingestanden. Offenbar wussten die Ermittler von der Bedrohung - aber nicht, wie sie das spätere Opfer warnen konnten.

Knapp vier Wochen nach einem Mord in einem Wettbüro in Berlin-Reinickendorf hat die Polizei einen gravierenden Fehler eingestanden. Obwohl die Bedrohung bekannt war, sei das spätere Opfer nicht gewarnt worden, teilte sie der Nachrichtenagentur dpa mit. Ein Hinweis auf den Aufenthaltsort des 26-jährigen Tahir Ö. in Berlin sei nicht richtig ausgewertet worden. Die Polizei bestätigte damit teilweise einen entsprechenden Bericht von Spiegel-TV (Sonntag).

Laut dem TV-Magazin wusste die Polizei schon Wochen vor dem Mord, dass der getötete Tahir Ö. gefährdet war. Sie kannte demnach auch seinen Aufenthaltsort.

Tahir Ö. wusste offenbar von seiner Gefährdung

Wie die Polizei nun mitteilte, zeigte der Hinweis, dass sich das spätere Opfer nicht wie angenommen und im Januar mitgeteilt im Ausland, sondern in Berlin aufgehalten habe. "Diesen Hinweis hat die zuständige Fachdienststelle aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen nicht in ihre Gefährdungsbewertung einbezogen. Daher ist mit Tahir Ö. kein Sensibilisierungsgespräch geführt worden", hieß es. Mit diesen Gesprächen warnt die Polizei mögliche Opfer vor einer Bedrohung.

Zudem sei wegen der fehlenden Informationen ein abgehörtes Telefongespräch des Rockerchefs und mutmaßlichen Auftraggebers kurz vor der Tat mit Hinweisen auf das spätere Opfer nicht live, sondern erst später analysiert worden, so die Polizei. Aus diesem Telefonat habe sich ergeben, "dass Tahir Ö. von seiner Gefährdung wusste, sich mit Schutzweste und Schusswaffe ausgerüstet hatte und sich provozierend in der Szene bewegte".

Tahir Ö. wusste offenbar, dass er im Visier der Rocker stand.

Bislang acht Verdächtige festgenommen

Innensenator Frank Henkel (CDU) räumte inzwischen ein: "Dieser Fehler wirft einen Schatten auf einen bedeutenden Ermittlungserfolg gegen eine hochkriminelle Bande." Der Senator betonte aber, er werde sich in an der Spekulation beteiligen, ob der Mord durch eine andere Vorgehensweise der Polizei hätte verhindert werden können.

Tahir Ö. war am 10. Januar in einem Wettspielladen in Reinickendorf erschossen worden. Überwachungskameras filmten, wie 13 Männer in den Laden marschierten und einer von ihnen mehrfach auf das Opfer schoss. Die Tat wurde von Überwachungskameras gefilmt.

Hintergrund der tödlichen Schüsse war offenbar eine Messerstecherei am 23. Oktober 2013, bei derTahir Ö. einen Türsteher mit einem Messer verletzte. Der Türsteher des "Traffic" am Berliner Alexanderplatz musste verletzt ins Krankenhaus, er wird der Rockerszene zugerechnet. Daraufhin soll der Anführer des inzwischen verbotenen Rockerclubs "Hells Angels MC Berlin City", Kadir P., den Mord an Tahir Ö. in Auftrag gegeben haben. Kadir P. hat sich mittlerweile gestellt und ist in Haft. Die Polizei hat zudem sieben weitere Verdächtige festgenommen.

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Im Wettbüro erschossen - Hätte die Polizei den Mord an Tahir Ö. verhindern können?

Der Mord an Tahir Ö. in einem Berliner Wettbüro gibt weiter Rätsel auf. Zwar wurden bisher acht Männer festgenommen, die daran beteiligt gewesen sein sollen. Allerdings stellt sich mittlerweile die Frage, ob die Polizei den Mord hätte verhindern können. Die Grünen fordern dringend Auklärung über die Frage, ob alles getan wurde, um die Tat zu verhindern.