Blick auf den Klingelkasten eines Studentenwohnheims (Bild: dpa)

Bundesweite Studie zu Studenten-Mieten - Studenten in Berlin und Brandenburg wohnen günstig

Bei Mieten geht der Trend in den meisten Städten seit Jahren nach oben - auch in der Region Berlin und Brandenburg. Darunter leiden gerade auch Studierende. Sie haben ein schmales Budget und ziehen häufig um. Doch eine bundesweite Studie zeigt: Studenten müssen in der Region vergleichsweise wenig fürs Wohnen bezahlen.

Studenten in Berlin und Brandenburg müssen fürs Wohnen vergleichsweise wenig bezahlen, wobei Brandenburg noch günstiger ist als Berlin. Mit durchschnittlich 11,60 Euro Warmmiete pro Quadratmeter liegt Brandenburg im bundesweiten Vergleich auf dem fünften Platz. Zu diesem Ergebnis kommt die dritte Erhebung der Studienreihe "Fachkraft 2020", die von der Maastricht University im Auftrag des Studenten-Zeitarbeitsvermittlers Studitemps im September 2013 durchgeführt wurde. Bundesweit haben über 19.000 Personen an der Online-Befragung teilgenommen.

Studenten informieten sich an einem schwarzen Brett über Wohnungsangebote. (Quelle: dpa)
Das Schwarze Brett: Die Zimmer- und Wohnungsbörse für Studenten

Noch günstiger als Brandenburg sind die übrigen ostdeutschen Bundesländer mit Sachsen-Anhalt auf Platz eins. Dort kostet der Quadratmeter die Studierenden 10,10 Euro. Berlin liegt mit durchschnittlich 12,10 Euro auf Platz sieben. Das teuerste Bundesland ist aus dieser Sicht Hamburg mit 15,20 Euro.

  Bundesland
Warmmiete / qm
1.
Sachsen-Anhalt 10,1 €
2. Sachsen 10,3 €
3. Mecklenburg-Vorpommern 10,8 €
4. Thüringen 11,5 €
5. Brandenburg 11,6 €
6. Schleswig-Holstein 12,1 €
7. Berlin 12,1 €
8. Saarland 12,1 €
9. Niedersachsen 12,2 €
10. Bremen 12,4 €
11. Nordrhein-Westfalen (NRW)
12,4 €
12. Rheinland-Pfalz 13,1 €
13. Hessen 13,5 €
14. Bayern 14,3 €
15. Baden-Württemberg 14,4 €
16. Hamburg 15,2 €

Quelle: Studitemps GmbH / Maastricht University

Potsdam teurer als Berlin

Im Ranking der durchschnittlichen Monatsmiete in 25 Städten liegt Potsdam mit 12,29 Euro pro Quadratmeter auf dem 16. Platz. Berlin ist 20 Cent günstiger. Teuerste Stadt ist mit über 18 Euro München, und am günstigsten wohnen Studenten mit unter 10 Euro in Leipzig.

  Stadt
Bundesland monatliche Warmmiete / qm
1.
München   18,20 €
2. Stuttgart   16,28 €
3. Hamburg   15,23 €
4. Frankfurt   14,96 €
5. Darmstadt   14,79 €
...      
10. Karlsruhe   13,53 €
...      
15. Bremen   12,40 €
16. Potsdam   12,29 €
17. Aachen   12,25 €
18. Kiel   12,12, €
19. Berlin   12,09 €
20. Jena   11,89 €
21. Bochum   11,47€
22. Dresden   10,64 €
23. Dortmund   10,47 €
24. Magdeburg   10,33 €
25. Leipzig   9,54 €

Auszug aus Tabelle; Quelle: Studitemps GmbH / Maastricht University

Wohnhäuser des Studentenwerks am 22.04.2013 in Berlin. (Quelle: dpa)
Studentenwohnheim in Berlin.

Berliner Studenten haben am meisten Platz

Grob gesagt gilt die Faustformel: Je höher der Quadratmeterpreis, desto kleiner die Wohnung – und umgekehrt. Mit der Wohnungsgröße regulieren Studenten ihre Mietkosten. Dementsprechend haben Hochschüler in Berlin und Brandenburg vergleichsweise viel Platz zur Verfügung: Bundesweit an der Spitze liegt hier Berlin mit im Schnitt knapp 32 Quadratmetern. In Brandenburg sind es rund 29 Quadratmeter – Platz drei im Vergleich. Am kleinsten sind die Studentenbuden mit 27 Quadratmetern in Hamburg und 26 Quadratmetern in Baden-Württemberg.

  Bundesland
Wohnfläche in qm
1.
Berlin
31,8
2. NRW 29,8
3. Brandenburg 29,3
4. Sachsen-Anhalt 29,2
5. Saarland 29,1
6. Sachsen 29,1
7. Mecklenburg-Vorpommern 29,0
8. Niedersachsen  
...    
14. Thüringen 27,0
15. Hamburg 27,0
16. Baden-Württemberg 26,0

Auszug aus Tabelle; Quelle: Studitemps GmbH / Maastricht University

Berliner Studenten müssen kürzer arbeiten als Brandenburger

Die Studie hat auch herausgefunden, wie lange Studenten arbeiten müssen, um monatlich einen Quadratmeter Wohnfläche zu finanzieren. Das Ergebnis: In der Region müssen sie dafür vergleichsweise wenig Zeit investieren – in Berlin noch weniger als in Brandenburg: Bei einem zugrunde gelegten Stundenlohn von 9,47 Euro sind es in der Bundeshauptstadt exakt 1,28 Stunden. In Brandenburg ist es ein wenig länger: 1,3 Stunden bei einem Stundenlohn von 8,91 Euro. Mit 1,22 Stunden müssen sächsische Hochschüler am kürzesten schuften. Am ungünstigsten ist das Verhältnis mit 1,56 Stunden in Hamburg – 20 Prozent mehr als in Brandenburg.

  Bundesland
Stundenlohn Anzahl Arbeitsstunden
1.
Hamburg
9,78 € 1,56
2. Baden-Württembeg 9,51 € 1,52
3. Bayern 9,54 € 1,50
4.
Rheinland-Pfalz 9,12 € 1,43
...      
7. Thüringen 8,44 € 1,36
...      
10. Brandenburg 8,91 € 1,3
11. Schleswig-Holstein 9,27 € 1,3
12. Berlin 9,47 € 1,28
13. Mecklenburg-Vorpommern 8,51 € 1,27
14. Saarland 9,58 € 1,27
15. Sachsen-Anhalt 8,02 € 1,26
16. Sachsen 8,39 € 1,22

Auszug aus Tabelle; Quelle: Studitemps GmbH / Maastricht University

Audimax FU Berlin [Foto: dpa]
Voll besetztes Audimax an der FU Berlin.

Zahl der Studenten stark gewachsen

Bundesweit sind Studenten stark vom bereits seit Jahren anhaltenden Trend steigender Mieten betroffen. "Wir haben gerade ganz akut das Problem, dass unheimlich viele Studenten auf den Wohnungsmarkt drängen", sagt Philipp Seegers. Der Volkswirtschaftler arbeitet im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Studie mit. Gründe seien die ausgesetzte Wehrpflicht und das Abitur nach zwölf Jahren, so Seegers gegenüber dem rbb. Die Zahl der Studenten in Deutschland sei in den vergangenen Jahren um rund 500.000 auf zweieinhalb Millionen gewachsen. "Und die treiben natürlich die Preise nach oben." Noch nicht klar sei, "ob das eine Momentaufnahme ist oder ob das ein langer Trend bleibt". Die Studie "Fachkraft 2020" soll dazu weitere Daten liefern: Sie erhebt weiterhin alle sechs Monate Daten zu den studentischen Mietkosten.

Mit Informationen von Sabine Tzitschke

Mehr zum Thema

Ein junger Mann neben einem Camping-Zelt an der HU Berlin hält ein Schild "Mein Haus, meine Uni, mein erstes Semester" hoch. (Bild: dpa)

Wohnungsnot in Berlin - Studierende demonstrieren für mehr bezahlbaren Wohnraum

Bezahlbarer Wohnraum in Berlin ist knapp. Rund 1.500 Studierende warten derzeit auf einen Wohnheimplatz, während die Mieten für WG-Zimmer weiter steigen. Am Freitag setzten Studierende ihren Protest gegen diesen Missstand vor dem Roten Rathaus fort. Am Vortag hatte Bildungssenatorin Scheeres (SPD) in Reaktion auf eine Demonstration mitgeteilt, man habe dem Studentenwerk Grundstücke angeboten.

Studenten im neuen Containterdorf für Studenten im Plänterwald (Bild: D. Lenz, rbb-Inforadio)

Studenten wohnen im Container

In Plänterwald entsteht ein Container-Dorf für Studenten. Die Liste der Interessierten ist lang. Die ersten Studenten stehen kurz vor dem Einzug und Dominik Lenz hat sich umgeschaut.
Historische Altbaufassade vor dem Wohngebäude Pallasseum in der Pallasstrasse in Berlin-Schöneberg. (Quelle: dpa)

Brandenburg deutlich unterm Bundesdurchschnitt - Mieten besonders in Berlin gestiegen

Dass die Zeiten des Niedrigmietenparadieses Berlin vorbei ist, bekommt man in der Hauptstadt schon eine Weile deutlich zu spüren. Diesen Trend untermauern jetzt die Zahlen, die das Statistische Bundesamt für das vergangene Jahr veröffentlicht hat: In keinem anderen Bundesland ist das Wohnen so viel teurer geworden. In Brandenburg sieht es dagegen deutlich entspannter aus.