
Ein Rad pro Unfallopfer - Neun neue Geisterräder in Berlin
Beim Vorbeifahren wecken sie ein mulmiges Gefühl, vor allem bei Radfahrern: Die weiß lackierten, an Laternen und Pfeilern festgeketteten "Geisterräder" des ADFC. Für jeden tödlich verunglückten Radfahrer stellt der Berliner Fahrradclub ein solches Rad auf, seit sechs Jahren. Seit Donnerstag sind es neun Räder mehr.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Berlin (ADFC) hat neun "Geisterräder" an verschiedenen Kreuzungen in Berlin aufgestellt. Die weiß lackierten Fahrräder erinnern noch bis zum Totensonntag an die neun Radfahrer, die im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen sind.
Bernd Zanke, Vorstandsmitglied für Verkehrssicherheit beim ADFC Berlin, schloss am Donnerstagvormittag das erste "Geisterrad" gegenüber dem Bundeskanzleramt an einer Laterne an. An dieser Straßenkreuzung war am 20. April 2013 als erster tödlich verunglückter Radler des Jahres ein 45-jähriger Mann von einem Lastwagen überfahren worden. An dem weißen Rad hängt ein Schild mit einem Kreuz, dem Alter des Opfers und seinem Todesdatum.
Die ersten "Ghost Bikes" wurden 2002 im US-amerikanischen St. Louis aufgestellt. In Berlin gibt es diese Praxis seit sechs Jahren, die meisten "Geisterräder" musste der ADFC in diesen Jahren 2012 aufstellen. In dem Jahr hatten 15 Radfahrer im Berliner Verkehr ihr Leben gelassen. Insgesamt hatten Verkehrsunfälle in den vergangenen sechs Jahren 60 Berliner Radfahrer das Leben gekostet.
Bernd Zanke sagte gegenüber rbb online, die "Geisterräder" würden immer von März bis Ende November aufgestellt, um an die Unfallopfer zu erinnern. Die Räder seien Spenden an den ADFC, meist nicht mehr gebrauchsfähige Räder, die für die "Geisterrad"-Aktion aufbereitet würden.
Mahn-Räder auch in anderen Städten
Auch andere deutsche Städte haben die Mahn-Tradition übernommen. Der ADFC Köln hat sich vor vier Jahren angeschlossen. In Magdeburg hat der lokale ADFC vor einem Jahr erstmals drei weiße Räder an Auffahrten zum Stadtring geparkt.
Das erste "Geisterrad" in Hamburg steht seit dem 31. Januar an der Stelle eines Unfalls, der eine 18-Jährige das Leben gekostet hatte. Wie im April 2013 an der Kreuzung vor dem Kanzleramt in Berlin, hatte in Hamburg ein abbiegender LKW-Fahrer das Opfer übersehen.
Diese Art von Unfällen führten am häufigsten zu schweren Verletzungen und Todesfällen bei Fahrradfahrern, erzählte Bernd Zanke. Er appellierte an alle Verkehrsteilnehmer, vorsichtiger zu sein. Mit den "Geisterrädern" wolle der ADFC "erinnern, mahnen und warnen", um den Straßenverkehr für alle sicherer zu machen, sagte Zanke.

