
Ärztemangel auf dem Land - Brandenburg sucht händeringend nach niedergelassenen Ärzten
Wenn sich junge Ärzte entscheiden, in besonders unterversorgten Gebieten Brandenburgs eine eigene Praxis zu eröffnen, können sie mit bis zu 50.000 Euro gefördert werden. Doch trotz finanzieller Anreize mangelt es in vielen Regionen an Medizinern - zum Leidwesen der Brandenburger.
Brandenburg sucht händeringend nach niedergelassenen Ärzten. Seit längerer Zeit sind 70 von insgesamt 3.800 Arztsitzen unbesetzt. "Unser Bedarf ist sehr groß", sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung, Ralf Herre, am Samstag.
Da die Arztdichte im Land im deutschlandweiten Vergleich sehr niedrig sei, würden die 70 unbesetzen Plätze stark ins Gewicht fallen. So gebe es in Finsterwalde und Elsterwerda keinen Augenarzt, die Prignitz benötige dringend einen Hautarzt und in Forst wird ein Kinderarzt gesucht. Im Schnitt kommen auf einen Mediziner zwischen Elbe und Oder nach Herres Angaben bis zu 25 Prozent mehr Patienten als in anderen Bundesländern.
Bis zu 50.000 Euro für eine neue Praxis
Am Rande eines Existenzgründer-Tags für Ärzte in Potsdam erklärte Herre, dass Praxiseröffnungen in unterversorgten Gebieten mit bis zu 50.000 Euro gefördert werden könnten. Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) erklärte, dass Brandenburg jungen Medizinern vielfältige Perspektiven bieten könne. Der medizinische Versorgungsbedarf steige nicht zuletzt durch die demografische Entwicklung. Außerdem würden viele niedergelassene Ärzte in naher Zukunft in Rente gehen.
Bei der Suche nach Nachfolgern habe der ländliche Raum allerdings oft das Nachsehen, erklärte Tack. Viele junge Mediziner dränge es in die Ballungsräume. Um die Versorgung der Bevölkerung dennoch sicherzustellen, werden vermehrt Kooperationen zwischen der ambulanten und der stationären Versorgung angestrebt. Ein gemeinsames Gremium aus Vertretern des Landes, der Krankenkassen sowie der Kassenärztlichen Vereinigung will dazu unbürokratische Angebote schaffen. "Damit sind wir ein weiteres Stück vorangekommen, um die gesundheitliche Versorgung sicherzustellen", erklärte Tack.
Auf der Suche nach einem Kinderarzt
Wie groß das Problem in Brandenburg ist, zeigt der Fall Forst (Lausitz) im Landkreis Spree-Neiße: In der Kreisstadt leben rund 20.000 Einwohner, darunter rund 2.500 Kinder, und seit Dezember gibt es dort keinen Kinderarzt mehr. Die einzige Kinderärztin hatte ihre Praxis geschlossen. Seitdem müssen Eltern mit ihren kranken Kindern mindestens 20 Kilometer weit fahren - bis nach Cottbus oder Döbern.
Die KV schrieb die Stelle in Forst auf ihrer Homepage aus, getan hat sich aber bisher nichts. Weiter schreibt sie, dass folgende Ärzte gegenwärtig am dringendsten gesucht werden:
- Hausärzte für die Stadt und Region Spremberg
- ein Kinderarzt für die Stadt und Region Forst und Zehdenick
- ein Dermatologe in der Prignitz
- ein Augenarzt in Elbe-Elster, insbesondere Finsterwalde und Elsterwerda
Was die Lage in Forst betrifft, so gibt es laut KV drei Möglichkeiten: Entweder lässt sich ein Klinikarzt in Forst nieder, oder ein anderer Arzt öffnet eine Zweitniederlassung - oder die KV gründet eine Eigeneinrichtung mit einem angestellten Kinderarzt.



