Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz mit einem Vari auf der Schulter (Quelle: dpa)

Langjähriger Zoo- und Tierpark-Chef hört auf - "Enttäuscht bin ich schon"

Er ist umstritten gewesen wie kaum ein anderer in Berlin: der langjährige Tierpark- und Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz. Sein Umgang mit Katzen, Frauen und Knut hat die Gemüter der Stadt bewegt. Jetzt geht er in den Ruhestand, vorzeitig und ungewollt, aber nicht im Gram, sagte er im Interview mit rbb online.

Herr Blaszkiewitz, Sie sind jetzt 60 Jahre alt und gehen am Montag in den Ruhestand. Es heißt immer: unfreiwillig, stimmt das?

Bernhard Blaszkiewitz: Ja. Ich hätte einfach gerne noch fünf Jahre gehabt. Das war eine Entscheidung des Aufsichtsrats. Rechtlich ist das völlig klar. Der Vertrag ist ausgelaufen. Der Aufsichtsrat kann den erneuern, kann den aber auch nicht erneuern. Das müssen sie auch nicht begründen.

Gehen Sie im Gram?

Nö!  Enttäuscht bin ich zwar, allerdings nicht von allen. Es waren ja auch mehrere im Aufsichtsrat, die sehr für mich gekämpft haben. Da sind auch Leute dabei, mit denen ich befreundet bin. Wenn man 23 Jahre zusammensitzt, geht es ja auch über das Verhältnis Vorgesetzter und Untergebener hinaus. Aber es gibt eine Gesamtentwicklung im Aufsichtsrat, die offensichtlich mehr wirtschaftliche Interessen hat als eine tiergarten-biologische. Und so ist die Entscheidung eben gefallen. Enttäuscht bin ich schon, aber nicht mit Gram.

Blick in das Brehm-Haus im Tierpark Friedrichsfelde [Imago]
Bernhard Blaskiewitz konnte noch das renovierte Alfred-Brehm-Haus wiedereröffnen

Am 25. März 2014 haben sie noch die sanierte Tropenhalle im „Alfred-Brehm-Haus“ im Tierpark eröffnen können, ein ziemlich öffentlichkeitwirksamer Termin. Ist das ein Zufall gewesen oder kann man da als Chef auch was drehen, um noch selbst das Band durchschneiden zu können?

Wir haben jedes Jahr in meiner Zeit im Tierpark und im Zoo, eine neue Anlage eröffnet – manchmal auch zwei, drei Mal im Jahr. Gedreht habe ich nicht daran, dass es nun noch in meiner Zeit eröffnet wurde, aber ich habe natürlich darauf gedrängt. Man will ja seine Verdienste auch nicht dem Nachfolger überlassen.

Sie haben ja eine beeindruckende Karriere hingelegt, angefangen als Tierpfleger 1974 im Zoo. 1991 wurden sie Direktor im Tierpark und seit 2007 sind Sie auch Chef vom Zoo gewesen. Sind Sie eigentlich mit allen Kollegen aus beiden Häusern gleichermaßen klar gekommen?

Mit jedem würde ich nicht sagen. Nur mit denen, wo auch persönliche Sympathie da ist. Es gibt natürlich Leute, die mich nicht mögen. Das mag Sie erstaunen (lacht). Und es gibt auch Leute, denen ich nicht so nahe stehe. Ich habe zugegebenermaßen mit den tiergärtnerischen Kollegen, also den Tierpflegern einen intensiveren Kontakt, aber auch zu einer ganzen Menge Handwerkern, mit denen ich zum Teil sehr gut befreundet bin. Jede Position im Zoo ist wichtig; es gibt ja keine unwichtige.

Sie werden als undiplomatisch bezeichnet. Die, die es gut meinen, sagen: „Das ist ein richtiger Berliner, der trägt sein Herz auf der Zunge“. Haben Sie sich jemals dafür interessiert, was die Leute über Sie reden?

Ich bin Berliner, das ist richtig. Und zwar schon in zweiter Generation. Meine Eltern sind in Berlin geboren. Und ich habe, wie sich das gehört, noch eine oberschlesische Großmutter gehabt. Heute sind ja die Großmütter der Berliner oft in Antalya zur Welt gekommen. So ändert sich immer die Zuwanderung. Früher waren es die Schlesier, dann waren es die Russen. Aber ich komme vom Thema ab. Es ist schon so, dass ich das gelesen und gehört habe, was andere Leute sagen. Ich mache das weit weniger als früher, vor allem als in den letzten Jahren ganz viel Unwahrheiten und Halbwahrheiten verbreitet wurden. Was soll so ein armer Journalist machen? Der schreibt vom anderen Journalisten ab! Viele Hinterbänkler in der Politik meinten außerdem, sich auf meinen Schultern ausruhen zu können. Das muss man ertragen. In einem öffentlichen Amt kann man nicht sagen: „Das ist schlimm“. Man liest ja auch gerne das Positive. Ich ärgere mich selbstverständlich, aber ich sehe das insgesamt gelassen. Es ist mir nicht egal, aber manche Sachen sind mir mehr und mehr egal geworden.

Über Sie ist sehr viel geschrieben worden. Es heißt oft, der Zoo-Direktor lässt kein Fettnäpfchen aus. Fühlen Sie sich da ungerecht behandelt?

Na das ist einfach ein blödsinniger Begriff: Fettnäpfchen. Was stimmt ist, dass ich sage, was ich denke. Ich äußere mich immer zu meinem Amt und zu dem, was mit der Wissenschaft – der Tiergartenbiologie – zusammenhängt. Aber ich habe eben auch noch ein paar private Sachen, die ja leider auch in die Öffentlichkeit gezerrt worden sind – mit falschen Bildern, wie bei meiner religiösen Orientierung. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich katholisch bin. Das ist ja in unserem Land inzwischen fast schon so was wie ein Makel, wenn einer sagt, er glaubt an den lieben Gott.

Archivbild: Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz steht im Zoo Berlin vor dem Elefantentor. (Quelle: dpa)
Seit 2007 hat Bernhard Blaszkiewitz auch den Zoo geleitet.

Sie haben sicher kurz vorm Ruhestand für sich selbst Bilanz gezogen. Würden Sie heute einiges anders machen?

Großartig anders machen würde ich nichts. Es wird ja immer so getan, als ob das alles mein Wille ist. Ich habe natürlich die Richtung vorgegeben. Das muss ich ja als Direktor, aber ich habe alle diese Entscheidungen darüber, was wir bauen, in einem bestimmten Geldrahmen vom Aufsichtsrat absegnen lassen. Die haben immer die Hand gehoben. Das kann man heute gar nicht mehr glauben, dass sie das nicht mehr wissen wollen. Und wenn heute gesagt wird, dass ist ganz schlimm, dass in den Tierpark zu wenig Leute gehen, dann kann ich nur sagen: Da gehen jedes Jahr über eine Million Leute hin und drei Millionen gehen in den Zoo. Welche Institution – vom Reichstag vielleicht mal abgesehen – hat denn dieses Besucheraufkommen. Das Land Berlin hat 1990 entschieden, den Tierpark zu erhalten. Dass es eine solche Institution dann auch finanziell unterstützen muss, sollte doch selbstverständlich sein. Ich muss mich nicht dafür entschuldigen, dass wir einen finanziellen Zuschuss kriegen. Ich bin froh, dass wir den haben, auch wenn er klein ist. Ich gehe jedes Jahr in die Oper und ins Konzerthaus. Da bin auch froh, dass die unterstützt werden.

Sie sind nach der Wende in den Osten Berlins geschickt worden, um den Tierpark zu leiten. Waren Sie sich damals schon sicher, dass sich zwei Orte, an denen in Berlin Tiere angeguckt werden können, gebraucht werden. Oder sollten Sie vielleicht auch mal schauen, ob der Tierpark abgewickelt werden kann?

Die ersten drei Jahre war das ja eine GmbH des Landes Berlin. Erst danach ist es an den Zoo verkauft worden. Das Land Berlin hat von Anfang an gesagt, sie wollen den Tierpark nicht selbst leiten, sondern eher in die Hände des Zoos legen. Das ist ja auch vernünftig, dass beide einen Direktor haben. Dadurch kann man den ganzen Tierbestand regeln und die Bauten koordinieren. Ich kann und will nicht ausschließen, dass es Leute gegeben hat – ich betone aber nicht im Senat von Berlin – die gedacht haben, dann wird der Tierpark eine Art Wildpark. Das kann schon sein, aber ich habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt und gesagt, wenn ich das mache, dann bin ich Direktor des Tierparks, ohne Wenn und Aber. Ihn zu entwickeln war ja meine Verpflichtung, stand ja in meinem Vertrag.

Das Verwaltungsgebäude des Zoos in Berlin ist am 07.08.2013 hinter den Stäben eines Zaunes zu sehen. (Bild: dpa)
Der Tierpark Friedrichsfelde hätte nach der Wende auch zum Wildpark werden können.

Sie halten nichts davon am nördlichen Rand des Tierparks ein Spaßbad zu bauen, weil die Stadt nicht mal ihre Schwimmhallen ordentlich finanzieren könne. Aber wenn das Konzept auf soliden finanziellen Beinen stünde, wäre das nicht auch eine Attraktion?

Ich habe nichts gegen Spaßbäder. Ich denke nur, dass es in diesem Fall wirtschaftlicher Unsinn ist. Denken Sie mal an den Standort Tierpark. Die Leute müssen jetzt schon 13, 14 Euro oder später vielleicht noch mehr Eintritt zahlen. Und dann sollen sie noch 30 Euro für so ein Spaßbad zahlen. Das SEZ in der Landsberger Allee ist pleite gegangen, das Blubb in Britz ebenfalls. Mit viel Hängen und Würgen funktioniert dieses Cargo-Lifter-Ding (Tropical Island – die Red) zwischen Berlin und Cottbus. Offensichtlich schätzen da einige Leute die Realität nicht richtig ein. Ich bin aber sehr dafür, dass die Schwimmbäder in den Bezirken renoviert werden, denn sie sind wichtig für die Kinder und die Volksgesundheit.

Sie sind promovierter Biologe. Haben Sie im Laufe der Zeit eine besondere Sympathie für eine Tierart entwickelt?

Ja, ich mag große Tiere: Nashörner, Flusspferde, Elefanten. Aber ich mag auch Primaten sehr gerne. Bei den Vögeln mag ich die Strauße sehr gern, die Kraniche, die Pelikane, die Papageien. Und bei den Reptilien sind die Schildkröten meine Lieblinge. Ich habe mich immer für die Mannigfaltigkeit der Schöpfung interessiert und finde auch, dass das eine Aufgabe der Zoos ist, die zu präsentieren.

Knut - ein Eisbär wird halbstark, Foto: Thomas Ernst
Die Vermarktung um Eisbär Knut war dem Zoo-Direktor zu viel.

Aber dieser Hype um den Eisbären Knut war nicht so ihr Ding? Da haben Sie sich vornehm zurückgehalten.

Also Knut war mein Liebling. Ich habe mich sehr gefreut, dass zum dritten Mal überhaupt in der Geschichte des Berliner Zoos, ein Eisbär aufgezogen wurde. Im Tierpark haben wir es acht Mal geschafft. Natürlich hat der mich emotional angesprochen. Der war ja einfach süß, der kleine Bär. Aber was dann damals aus der kaufmännischen Abteilung daraus gemacht wurde, hat mich gestört. Die Würde des Tieres – wenn wir jetzt schon hochtrabende Worte nehmen – die wurde nicht so geachtet, wie es hätte sein sollen. Darüber habe ich immer gesprochen und das ist nicht immer nett dargestellt worden in den Medien und in der kaufmännischen Abteilung auch nicht. Es war ohne Frage ein finanzieller Erfolg. Im ersten Jahr auf jeden Fall und im zweiten auch noch. Allein 300.000 Besucher mehr kamen 2007 in den Zoo, in dem Jahr als Knut vorgestellt wurde.

Was wollen Sie machen in Ihrem Ruhestand? Sie haben ja dann Zeit.

Ich werde publizieren. Als nächstes möchte ich ein Nashorn-Buch machen. Ich werde vielleicht die Uni-Arbeit fortsetzen können. So der Geldbeutel das zulässt, werde ich weiter viel verreisen. Ich war ja gerade – zum Abspann sozusagen – noch zweieinhalb Wochen in Ostafrika. Also das ist schon wunderschön.

Andreas Knieriem, Vorstand vom Tierpark Hellabrunn, sitzt am 27.05.2011 im Tierpark Hellabrunn in München (Bayern) vor der Eisbärin Giovanna. Foto: dpa
Der neue Zoo-Chef Andreas Knieriem kommt vom Münchner Zoo Hellabrunn.

Ihr Nachfolger ist Andreas Knieriem. Viele Beobachter meinen, er käme als Modernisierer. Fühlen Sie sich an dieser Stelle unverstanden, weil es so klingt als ob Tradition und Moderne bei Ihnen nicht zusammengepasst haben?

Das ist ja im Leben immer so. Wenn sie sagen, sie sind konservativ, dann schlagen die Leute die Hände über den Kopf zusammen und sagen: Um Gottes Willen – konservativ. Wenn Sie sagen, sie sind Naturschützer, dann ist das ganz super. Konservativ heißt nichts weiter als Bewahren des Bewährten. Und Zoologische Gärten sind nur aus einem Grund da, weil der Mensch sich gerne Tiere anschaut, die er eben nicht mehr zu Hause hat. Er lebt nicht mehr auf dem Bauernhof, sondern er lebt in der Stadt. Wenn man Tiere vernünftig präsentiert und Artenvielfalt zeigt, dann ist das der Grund, warum die Leute in die Zoos kommen. Die kommen nicht, weil da ein Spaßbad steht oder Riesenrad oder eine Seilbahn. Die Menschen sollen sich wohlfühlen. Es ist ganz egal, ob ich modern oder altmodisch bin. Es geht darum, Tiere auszustellen für Menschen – ganz wichtig – für Menschen.

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