
Streit in der Björn-Schulz-Stiftung - Hausverbot für Kinderhospiz-Gründer
Erst wurde er abgewählt, dann erhielt er sogar Hausverbot: Jürgen Schulz, Gründer und ehemaliger Vorstand der Björn-Schulz-Stiftung, ist entmachtet worden. In Berlin-Niederschönhausen führt die Stiftung das bekannte Kinderhospiz "Sonnenhof". Schulz' Nachfolger möchten die Stiftung nun professionalisieren und haben erstmals einen Geschäftsführer berufen.
Er gilt als der Vater der Kinderhospizbewegung, seit mehr als 30 Jahren engagiert sich Jürgen Schulz für Familien mit todkranken Kindern. Doch sein Abschied aus dem Vorstand der von ihm gegründeten "Björn-Schulz-Stiftung" gerät mehr und mehr zu einer erbitterten Auseinandersetzung: Am 12. Februar wurde der 74-jährige Schulz bei einer Sitzung des Stiftungsrats abgewählt, offiziell aus Altersgründen.
Obwohl er wieder als Vorstandschef kandidierte, erhielt er nur eine von sieben Stimmen im Stiftungsrat. Als er am nächsten Tag sein Büro geräumt hatte, bekam Schulz Hausverbot in den Räumen in Niederschönhausen erteilt. Seitdem gibt es Streit zwischen ihm und seinen Nachfolgern Bärbel Mangels-Keil und Götz Lebuhn - und Aussage steht gegen Aussage.
"Wir müssen hier wieder mehr im Team arbeiten"
Die neue Doppelspitze will die Stiftung nun modernisieren und setzte bereits bei der Stiftungsratssitzung am vergangenen Montag ein deutliches Zeichen: Zum ersten Mal wird die Björn-Schulz Stiftung neben dem Stiftungsvorstand einen Geschäftsführer einsetzen. Wolfgang Kern soll zum 1. Juni 2014 das operative Geschäft übernehmen. Der 50-jährige Kern ist seit über 15 Jahren Geschäftsführer der Stiftung Evangelisches Johannesstift: "Ich sehe mich künftig als Diener der Björn-Schulz Stiftung. Sie hat einen Auftrag und ich will helfen, ihn nachhaltig und wirkungsvoll umzusetzen", erklärte Kern.
"Wir sind froh, jemanden mit dem nötigen Herzblut für unser Kinderhospiz gefunden zu haben", betonte Mangels-Keil. Außerdem soll eine eigene Stelle für die Betreuung der 300 Ehrenamtlichen geschaffen werden. "Die Struktur der Stiftung muss von Grund auf neu gebaut werden, wir brauchen ein modernes Management. Wir müssen hier wieder mehr im Team arbeiten", sagte Bärbel Mangels-Keil.
Vorstand hat einen Anwalt eingeschaltet
Der neue Vorstand wirft Schulz derweil vor, für die Stiftung relevante Unterlagen, Dateien und Schlüssel aus seinem Büro mitgenommen zu haben. "Nach seiner Abwahl am Abend schlug er selbst vor, am nächsten Tag um 14 Uhr eine Übergabe zu machen. Aber als wir die Stiftung um acht Uhr betraten, war er schon allein in seinem Büro zugange", sagte Bärbel Mangels-Keil rbb online. Er habe Akten in sein Auto getragen und sei mit ihnen davongefahren. Bis heute habe es keine Übergabe gegeben. Daraufhin erteilte der Vorstand Schulz Hausverbot. Inzwischen hat er einen Anwalt eingeschaltet, um von Schulz die Herausgabe der Unterlagen und Schlüssel einzufordern.
Jürgen Schulz wollte das Schreiben des Anwalts gegenüber rbb online nicht kommentieren - den Vorwürfen gegen seine Person widerspricht er aber. "Ich habe außer meinen persönlichen Unterlagen definitiv keine Papiere mitgenommen. Ich werde mich gegen diese Äußerungen rechtlich wehren", so Schulz. Er sei bereit dazu, möglichst bald einen Termin für die Übergabe der Geschäfte zu vereinbaren. "Ich will nicht, dass der Stiftung Schaden entsteht, ich hoffe sehr, dass ihre Unterstützer ihr weiter die Treue halten."
Streit um den Nachfolger
Ein Streitpunkt neben der Übergabe ist Schulz' Abschied aus Altersgründen: Die Satzung der Stiftung sieht vor, dass Vorstände, die das 70. Lebensjahr überschritten haben, nicht mehr neu berufen werden dürfen - es sei denn, es gibt dafür "zwingende Gründe". "Es gab neben Herrn Schulz zwei weitere Bewerber für das Amt, also gibt es aus unserer Sicht keine zwingenden Gründe, dass er wieder zur Wahl antrat", so Bärbel Mangels-Keil. Schulz dagegen sah kein Problem darin, für eine weitere fünfjährige Amtszeit zu kandidieren.
Aber auch bei der Ausrichtung der Stiftung waren sich Stiftungsrat und Vorstandschef offenbar nicht einig. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), so der jetzige Vorstand, habe bereits seit längerem von der Stiftung gefordert, ihren Vorstand auf mindestens zwei Personen zu erweitern - das sogenannte "Vier-Augen-Prinzip" soll die Aufsicht über Einnahmen und Ausgaben verbessern und ist die Voraussetzung für das begehrte Spendensiegel des DZI.
Schulz hatte nach langer Suche einen ehemaligen Banker als potentiellen Nachfolger auserkoren und ihn im vergangenen Sommer zunächst als Bereichsleiter für Controlling eingestellt. Doch zwischen dem Mann und dem Stiftungsrat gab es offenbar immer wieder Differenzen. Ende Januar 2014 kündigte er wieder - und Schulz' Nachfolge war erneut offen. "Er hätte die soziale Kompetenz und das unternehmerische Denken gehabt, die Stiftung weiterzuentwickeln", sagt Jürgen Schulz. Der Vorstand dagegen sagt, dem Mann habe es am "sozialen und fachlichen Hintergrund" für die Arbeit in der Stiftung gefehlt.

Schulz lehnt ehrenamtliche Tätigkeit ab
Jürgen Schulz will sich künftig auf seine Vorstandsposten beim "Bundesverband Kinderhospiz" und dem Verband "Kinderhilfe" konzentrieren. Das Angebot einer ehrenamtlichen Aufgabe bei seiner Stiftung lehnt Schulz ab. "Im Moment kann ich mir das nicht vorstellen - denn damit würde ich die Handlungen des Vorstands gutheißen", sagte Schulz.
Kerstin Lieber, leitende Kinderärztin beim Hospitz Sonnenhof, blickt trotz der Umstrukturierung optimistisch nach vorn: "Es wird nahtlos weiter gehen wie bisher.
Wir sind weiterhin den Zielen der Björn-Schulz Stiftung verpflichtet und führen das fort, was wir schon immer gemacht haben, uns um die betroffenen Familien und ihre kranken Kinder zu kümmern."
Mit Informationen von Ute Sturmhoebel


