
Trotz Millionenschaden am Schleusentor - Ausflugsschiffe wollen Sommerfahrplan halten
Bootsfahrten durch Berlins Innenstadt sind vor allem bei Touristen sehr beliebt. Nach der Kollision eines Frachters mit einem Schleusentor am Mühlendamm müssen die Ausflügler künftig aber mehr Zeit einplanen. Das gilt auch für die Reedereien, denn der Schiffsverkehr muss jetzt durch ein einziges Tor geschleust werden.
Es sieht noch genauso aus wie seit Samstagvormittag, als der Frachter "Nordwind" mit der Mühlendammschleuse an der Leipziger Straße kollidiert ist. Das Schiff liegt noch immer direkt davor: 24 Tonnen Stahl der Schleuse sind zusammengeknüllt wie Papier.
Trotz der schweren Schäden der Spree-Schleuse in der Berliner Innenstadt wollen die Ausflugsschiffe ihren dichten Sommerfahrplan einhalten. Es werde aber Staus und längere Wartezeiten für die Schiffe vor der zweiten unbeschädigten Kammer geben, hieß es am Mittwoch nach einer Krisensitzung des Berliner Reederverbands.
Defektes Tor muss ersetzt werden
Am Samstag hatte ein Tankschiff das Tor der südlichen Schleusenkammer gerammt. Jetzt steht fest, dass das Tor ersetzt werden soll. Das kostet voraussichtlich 1,5 Millionen Euro und dauert ein halbes Jahr, erklärte Michael Scholz, der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes dem rbb. Wahrscheinlich ist der Antrieb mit den Hydraulik-Zylindern beschädigt.
Derzeit wird noch geprüft, ob der Frachter schwimm- und transportfähig ist. Wenn das so ist, wird das Schiff voraussichtlich am Donnerstag nach Spandau auf eine Werft zur Reparatur transportiert, sagte Claudia Schulzendorf von der Wasserschutzpolizei dem rbb. Anschließend zieht das Wasser- und Schifffahrtsamt sozusagen den Stöpsel und lässt das Wasser aus der Schleuse. Erst dann kann man sehen, wie groß der Schaden wirklich ist, erklärt Scholz. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, untersucht eine technische Kommission.

In der Anfang April beginnenden Saison fahren an manchen Tagen bis zu 400 Ausflugsschiffe, Lastkähne und Motorboote durch die Schleuse. Bisher könnten die Touren noch wie geplant täglich stattfinden, so der Reederverband. Die zweite Kammer müsse optimal genutzt werden. Frachtschiffe sollten möglichst morgens und abends durch die Innenstadt fahren, damit die Ausflugsschiffe die wichtige Zeit zwischen 11 und 15 Uhr nutzen könnten. Der Reederverband rechnet desweiteren mit höheren Personalkosten, die aber nicht an die Fahrgäste weitergereicht werden sollen. Die Ticketpreise sollen so bleiben wie sie sind.
Die Zeit drängt
Man werde versuchen, mit den Kapitänen ein besseres "Just in Time"-Management zu verabreden, um langen Wartezeiten in der 120 Meter langen Schleuse vorzubeugen, sagte Jürgen Loch von der Stern- und Kreisschifffahrt dem rbb. "Wir werden versuchen, unsere Schiffsführer anzuhalten, sich über Funk so abzustimmen, dass sie einigermaßen 'just in time' vor der Schleuse ankommen und die Verspätung eher in andere Bereiche der Route verlagern, indem man mal Tempo rausnimmt und ein zwei Minuten an anderen Anlegestellen länger bleibt."
Die Zeit drängt. Damit die Reparatur so schnell wie möglich abgeschlossen werden kann, appellierte Jürgen Loch im Namen der Betreiber der Schiffslinien an die Behörden, dass das Wasser- und Schifffahrtsamt die Ermächtigung erhält, den Reparaturauftrag frei vergeben zu dürfen, um nicht noch lange europaweit ausschreiben zu müssen. Denn dadurch würde "furchtbar viel Zeit verloren gehen und wir haben hier eine Notsituation und da muss eine freihändige Vergabe möglich sein", so Loch.


