
Schwarzmarkt für Metall - Perlebergs Friedhof will sich gegen Metalldiebe wehren
Seit Monaten wird auf dem Friedhof in Perleberg gestohlen: Die Diebe haben es auf schmiedeeiserne Gitter und Metall-Statuen abgesehen. Anscheinend gibt es einen blühenden Schwarzmarkt für Eisen vom Friedhof - und nicht nur in Perleberg. Dort aber will sich der Pfarrer jetzt mit künstlicher DNA wehren.
Wenn die Wochenenden kommen, wird es auf dem Perleberger Friedhof unruhig. Seit einiger Zeit wird die Ruhestätte regelmäßig beklaut und zwar ziemlich grobschlächtig. Wenn Pfarrer Tilmann Kuhn zu Beginn einer neuen Woche auf den Friedhof kommt, zeigen ihm die ausgehängten Friedhofstore schon von weitem, was passiert ist: Auch am vergangenen Wochenende haben Diebe wieder zugeschlagen. Sie haben es auf Metall abgesehen, das jedoch unversehrt sein muss.

Bereits 20 Gräber beklaut
Mal fehlt eine kunstvolle Statue, mal ein schmiedeeiserner Zaun und dann wieder eine Umrahmung aus Metall. Die Umzäunung des Grabs von Berlins Superintendenten Johannes Riegel aus den 20er Jahren fehlt seit vier Wochen. Inzwischen sind 20 Grabanlagen nicht mehr so, wie sie einst angelegt wurden.
Pfarrer Kuhn empfindet die Raubzüge nicht nur als pietätlos den Toten gegenüber, sondern auch den noch lebenden Angehörigen. Sie kämen schließlich auf den Friedhof, um zu trauern und suchten einen Ort des Friedens.
Friedhof in Neuruppin auch beklaut
Auch auf dem Evangelischen Friedhof in Neuruppin schlagen immer wieder Diebe zu. Laut Susann Fedchenhauer von der Friedhofsverwaltung wird derzeit alles, was aus Metall ist, mitgenommen: Wasserhähne seien dabei gewesen, Kupferblechabdeckungen der Eingangsbereiche, aber auch Dachrinnen oder auch ganze Eisengitter, die die Gräber abgrenzen.
Trotz massiver Häufung auf einzelnen Friedhöfen will die Polizei von keinem neuen Trend sprechen. So sei die Zahl der Diebstähle auf Friedhöfen nur gering gestiegen. Von 314 im Jahr 2010 auf 371 im vergangenen Jahr. Dabei werden allerdings nur die angezeigten Fälle berücksichtigt. Lediglich 15 Prozent aller Delikte werden aufgeklärt.
Toralf Reinhardt von der Polizeidirektion Nord vermutet, dass die Täter aus der Region stammen, da sich das Diebesgut nicht so einfach abtransportieren lässt und man auch Kenntnisse brauche, wo was auf den Friedhöfen zu holen ist. Die Polizei geht also von Kleinkriminellen aus der Nachbarschaft aus, die sich so ihren Lebensunterhalt aufbessern.
Nur Metall in guter Qualität wird mitgenommen
Eine der betroffenen Angehörigen aus Perleberg ist die 73-jährige Rosemarie Fankner. Sie ist fassungslos als sie vor dem "nackten" Grab ihres Mannes steht. Die Diebe haben nicht nur das schmiedeiserne Gitter mitgehen lassen, sondern auch noch die letzte Ruhestätte verwüstet. "Ich habe hier gestanden und geweint weil alles verwüstet war", sagte sie. Zaun und Blumen waren weg, die Blumenvasen umgekippt. Das Nachbargrab wurde nicht angerührt, weil dessen Eisengitter von einem Baum, der umgestürzt war, verbeult ist.
Künstliche DNA soll Fahndung erleichtern
Pfarrer Kuhn sagt, gestohlen werde nur Brauchbares. Er vermutet, dass es einen Schwarzmarkt gibt für die kunstvollen Eisenarbeiten. Seine Strategie gegen die Diebe ruht jetzt auf künstlicher DNA. Diese wird per Sprühpistole auf das Metall gebracht. Altmetallhändler, bei denen Diebe ihre Ware loswerden wollen, können mit einer speziellen UV-Lampe erkennen, dass es sich um Diebesgut handelt. Der Pfarrer kann die Raubzüge damit zwar erstmal nicht beenden, aber kommt den Metalldieben von Perleberg womöglich etwas schneller auf die Spur.
Mit Informationen von Angelika Schramm


