Nach Unglück mit Schleusentor - Millionenschaden und Dauerstau auf der Spree
Berliner Schifffahrts-Experten sprechen vom "Supergau": Nach der Kollision eines Tankschiffs mit einem Schleusentor am Mühlendamm wird es auf der Spree monatelang zu Behinderungen kommen. Das Tor muss neu angefertigt werden, das kann bis zum Frühsommer dauern. Am Mittwoch wollen die Reedereien in einer Krisensitzung beraten, wie die Ausflugssaison unter den erschwerten Bedingungen starten kann.
Der von einem Schiff verursachte Schaden an der Berliner Mühlendammschleuse geht in die Millionen und dürfte den Schiffsverkehr auf der Spree für wenigstens ein halbes Jahr erheblich beeinträchtigen. In einer ersten groben Schätzung wird der Schaden auf etwa 1,5 Millionen Euro veranschlagt, wie der Leiter des Berliner Wasser- und Schifffahrtsamtes, Michael Scholz, am Montag sagte.
Am Samstagmorgen hatte das Tankmotorschiff "Nordwind" ein Tor der südlichen Schleusenkammer gerammt. "Wir rechnen mit Totalschaden", erläuterte Scholz. "Wir müssen das Stahltor ersetzen."
Die Wasserschutzpolizei untersucht nach Behördenangaben die Unfallursache. Der 65-jährige Bootsführer hatte einen technischen Defekt für die Karambolage verantwortlich gemacht. Genaueres ist bisher nicht bekanntgeworden.

Tor muss neu geplant werden
Nach den Worten von Scholz werden voraussichtlich sechs Monate benötigt, bis ein neues Kammertor bei einer Wasser- und Stahlbaufirma bestellt und in die Schleuse eingebaut ist. Davon wird allein ein Monat Zeit für die Planung gebraucht. "Das Tor muss neu geplant werden, weil es mittlerweile neue EU-Normen gibt", sagte der Amtsleiter. Das beschädigte Tor stamme noch aus der Zeit Mitte der 90er Jahre.
Für die Schifffahrt auf der Spree, vor allem für die Fahrgastschifffahrt, kommt der Unfall zur Unzeit. In der am 1. April beginnenden Saison hat die Mühlendammschleuse normalerweise bis zu 400 Ausflugsschiffe, Lastkähne und Sportboote am Tag zu bewältigen. Jetzt steht dafür nur eine Kammer zur Verfügung, solange die zweite Kammer noch kein neues Tor hat. "Das ist für die am 1. April startende Saison der Supergau", sagte der Geschäftsführer des Reederverbands der Berliner Personenschifffahrt, Ingo Gersbeck.
Reedereien beraten über Notfahrplan
An diesem Mittwoch wollen sich Reedereien zusammensetzen, um über einen Notfahrplan für ihre Schiffe zu sprechen. Damit sollen endlose Wartezeiten an der Schleuse vermieden werden. "Ziel ist es, aus der Not eine Tugend zu machen", sagte Scholz.
Gersbeck hatte bereits am Wochenende angedeutet, dass wohl alle Betriebe weniger Schiffe durch die Mühlendammschleuse schicken müssen."Eine Umfahrung gibt es für die Ausflugsdampfer nicht", sagte Gersbeck. Die Brückenfahrt über Spree und Landwehrkanal durch Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg am Reichstag vorbei gehöre zum Kerngeschäft der Berliner Ausflugsdampfer.
Da bis Ostern zudem die Spandauer Schleuse wegen Revisionsarbeiten gesperrt ist, nehmen derzeit auch viele Lastkähne die Route über die Mühlendammschleuse. "Wir werden diese jetzt über Kleinmachnow umleiten", sagte Scholz.


