
Welt-Tuberkulose-Tag - Koch-Institut: Niemand sollte Tuberkulose unterschätzen
Mehr als 4.000 Menschen erkranken jedes Jahr bundesweit an Tuberkulose. Meist werden sie wieder gesund - ohne größere Schäden davonzutragen. In Brandenburg ist jedoch eine Brandenburgerin daran gestorben. Die Gefahr ist also nicht gebannt, warnt das Robert-Koch-Institut.
Es betrifft vor allem die Lungen, wenn Tuberkulose (TBC) ein neues Opfer gefunden hat. Aber auch jedes andere Organ kann von den Bakterien befallen werden. Weltweit sterben jedes Jahr rund 1,3 Millionen Menschen. Am 24. März ist der Welt-Tuberkulose-Tag, um auf die Gefahr der Krankheit aufmerksam zu machen. Zurecht - wie der jüngste Todesfall einer 40-jährigen Brandenburgerin von Mitte März zeigt. TBC überträgt sich per Tröpfcheninfektion. Ein umfassende Impfung gibt es nicht.
Der Rückgang der Erkrankungen stockt
Dr. Walter Haas, Leiter der Abteilung für Infektionsepidemiologie am Robert-Koch-Institut (RKI) sagte dem rbb, zwar stünde Deutschland im weltweiten Vergleich gut da. Die Zahlen der Neuerkrankungen seien rückläufig, aber in den vergangenen vier Jahren stocke der Rückgang. "Wir scheinen einem Plateau näher zukommen", so Haas. Daran zeige sich, dass die TBC-Kontrolle noch weiter intensiviert werden müsse. Mit der sinkenden Zahl der Fälle sinke allerdings auch die Erfahrung unter den Ärzten, so dass sie die Krankheit oft zu spät erkennen oder nicht richtig mit ihr umgingen. Damit wird der Tuberkulose wieder Vorschub geleistet, so der Experte.
Therapie dauert mindestens halbes Jahr
Besonders in westeuropäischen Großstäden kommen laut Haas eine Reihe von Risikogruppen für die Krankheit TBC zusammen. Nicht nur Migrationshintergrund spiele eine Rolle, sondern auch Drogenmissbrauch und soziale Schwäche. Prinzipiell sei die Krankheit gut zu behandeln, die Therapie dauere mit einer Kombination von vier Medikamenten allerdings mindestens sechs Monate. Viele Patienten würden die Behandlung nach einigen Wochen abbrechen, so Haas. Bei einer resistenten Form der TBC dauere die Therapie noch länger und die Medikamente seien schwerer verträglich, hier liege für ihn die medizinisch größte Herausforderung.
Tuberkulose ist nach Angaben des Experten nicht so leicht zu übertragen wie Windpocken, allerdings übertrage sie sich auch über die Luft. Das erfolge oft unbemerkt. Nicht nur Menschen mit einem schwachen Immunsystem könnten betroffen sein, sondern prinzipiell jeder.
Aktueller Todesfall in Brandenburg
Mitte März war bekannt geworden, dass eine 40 Jahre alte Frau aus Heiligengrabe (Ostprignitz-Ruppin) an Tuberkulose gestorben ist. Die Obduktion der Leiche habe die Diagnose des Gesundheitsamtes in Neuruppin bestätigt, erklärte eine Behördensprecherin. Die Patientin habe bereits früher an TBC gelitten. Durch eine internistische Erkrankung sei die Erkrankung wieder ausgebrochen. Rund 200 Menschen aus den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz waren zu einem Hauttest veranlasst worden, da sie womöglich mit der TBC-Patientin in Kontakt standen.
Robert Koch hat das TBC auslösende Bakterium entdeckt
In zehn Fällen pro Jahr wird - nach Angaben des Gesundheitsamts im Landkreis Ostprignitz-Ruppin - die Diagnose TBC ausgestellt. Deutschlandweit sind es laut Robert-Koch-Institut über 4000 Menschen, die jedes Jahr erkranken. 2013 starben laut RKI bundesweit 127 an der auch Schwindsucht genannten Krankheit, im Jahr zuvor waren es 162.
Tuberkulose war bereits im Altertum bekannt. Sowohl im antiken Rom als auch im Mittelalter oder zu Beginn der Industrialisierung kam es zu Epidemien. 1882 entdeckte Robert Koch das Bakterium, das TBC auslöst. Obwohl es viele Medikamente dagegen gibt, ist noch kein Sieg über die Krankheit gelungen. Zunehmende Resistenzen gegen die gängigen Arzneimittel und das tödliche Zusammenspiel von Tuberkulose und HIV-Infektionen erschweren den Kampf gegen die Krankheit.

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