
Carl-Thiem-Klinikum feiert 100-jähriges Bestehen - Wie ein Arzt in Cottbus das Mittelalter beendet
Krank durfte man im Jahr 1914 in Cottbus besser nicht werden. Denn im einzigen städtischen Krankhaus herrschten damals verheerende Zustände. Bis sich ein schon damals bekannter Arzt bei den Stadtvätern mit einer neuen Idee durchsetzen kann. Am 7. April blickt das rbb Fernsehen ab 22:15 Uhr auf die Errungenschaften Carl Thiems, des "Vaters der Unfallheilkunde", zurück.
50 Betten für 50.000 Einwohner: Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, im Jahr 1914, kommt auf Eintausend Einwohner der Stadt Cottbus statistisch gesehen ein einziges Krankenhausbett. Und was für eines! Die Zustände in dem hoffnungslos veralteten Krankenhaus der Lausitzstadt werden als geradezu mittelalterlich beschrieben: Katastrophale hygienische Bedingungen, kaum medizinische Geräte und nur gering qualifizierte Ärzte. Schwierige Operationen waren in der aufstrebenden Stadt Cottbus gar nicht erst möglich. Wer ernsthaft krank wurde, musste auf teure Privatärzte setzen, nach Berlin fahren oder hatte einfach Pech.
Aus der Mühlenstraße in die heutige Thiemstraße
Dem Engagement eines einzigen Mannes ist es zu verdanken, Cottbus aus diesen unhaltbaren Zuständen herausgeführt zu haben: Dem Mediziner Carl Thiem. Der aus Schlesien stammende Arzt hatte sich bereits im 19. Jahrhundert deutschlandweit einen Ruf im Bereich der Unfallchirurgie erworben. Schon Zeitgenossen bezeichneten ihn als "Vater der Unfallheilkunde".

Thiem betrieb in Cottbus lange Zeit eine kleine Privatklinik in der Mühlenstraße (dem heutigen Wichernhaus) und wirkte am Medico-Mechanischen Institut. Doch sein eigentlicher Traum ist ein Klinikum für die Stadt, das seinen Namen verdient: ein neues, ein großes Krankenhaus mit modernster Technik. Viele Jahre lang hatte Thiem für sein Projekt geworben und immer wieder Druck auf die Stadt ausgeübt.
Großer Festakt im Oktober
Und dann der Durchbruch: Nach langem hin und her mit Cottbuser Stadträten kann Thiem im Frühjahr 1914 das neue Krankenhaus eröffnen. Modern, sauber und mit mehr als der zehnfachen Kapazität der alten Klinik: 600 Patientenbetten standen nunmehr zur Verfügung. Er ist am Ziel. Drei Jahre vor seinem Tod eröffnet am 1. April die "Vereinigte Städtische und Thiemsche Heilanstalt".
Nun, 100 Jahre später, zählt das Thiem-Klinikum neben dem Bergmann-Klinikum in Potsdam noch immer zu den größten und modernsten Krankenhäusern in Brandenburg. Das Cottbuser Haus ist mit 2.300 Mitarbeitern längst der größte Arbeitgeber in der Stadt. Das Carl-Thiem-Klinikum beherbergt heute 20 Kliniken und vier Institute. In den letzten Jahren sind hochmoderne OP-Säle entstanden.
Jetzt also wird gefeiert: Mit einer Medizinhistorischen Auftaktveranstaltung "Vergangenheit verstehen – Zukunft gestalten" begann bereits Mitte März offiziell das Jubiläumsjahr. In den nächsten Monaten wird es außerdem zahlreiche Fachvorträge geben, einen Tag der offenen Tür im Juni, eine Ausstellung "Kunst und Medizin" in den Brandenburgischen Kunstsammlungen und schließlich den großen Festakt im Oktober im Staatstheater Cottbus.
Mit Informationen von Thomas Krüger

