Osanna Glocke (Quelle: rbb/ Sabine Tzitschke)

Neuer Guss in Innsbruck - Frankfurter Glocke "Osanna" im zweiten Anlauf gegossen

Der erste Guss schlug fehl - am Freitag glückte der neue Versuch. In Innsbruck ist die 5,5 Tonnen schwere Glocke "Osanna" der Frankfurter Marienkirche erneut gegossen worden. Es sei gut gelaufen, sagte Glockenbaumeister Gassmayer.

Nach dem missglückten Guss der größten Glocke für die Marienkirche in Frankfurt (Oder) ist das Vorhaben im zweiten Anlauf gelungen. "Wir sind alle erleichtert, es lief wie geplant", sagte Glockengießer Peter Gassmayr aus Innsbruck (Österreich) am Freitag.

Der Guss sei sehr zügig verlaufen, die Bronze gut in die Form geflossen, so Gassmayer.  Da sich Metall beim Erkalten zusammenziehe, seien noch 300 Kilo nachgeschüttet worden. In etwa eineinhalb Wochen wird die 5,5 Tonnen schwere Glocke aus der Form geholt. Danach werde sie ziseliert und geputzt. Es folgten Tonaufnahmen.

Beim ersten Versuch im Februar war die Gussform auseinandergebrochen. Nach Angaben von Gassmayer war damals eine Schraube nicht richtig angezogen worden. Seine Firma hat den zweiten Guss auf eigene Kosten unternommen.

Komlizierter Guss

Die Glockengießerei stellt im Jahr nach eigenen Angaben im Schnitt 200 Glocken her. "Der Frankfurter Auftrag ist eine große Herausforderung", so Grassmayr. Für das extrem hohe Gewicht der dicken Glockenwand müsse die Frequenz der Töne berechnet werden. "Die Töne müssen sauber zueinander passen, damit sie harmonisch klingen."

Die beiden kleineren Glocken für St. Marien waren vor fünf Wochen im ersten Anlauf geglückt.

Pfingsten soll die Glocke geweiht werden

Die gotische Marienkirche verfügte ursprünglich über sechs Glocken. 1942 wurden zwei der Rüstungsindustrie übergeben, von denen eine nach Kriegsende an die Oder zurückkehrte. Die vier anderen Glocken zerstörte ein Brand kurz vor Kriegsende.

Das Glocken-Projekt kostete insgesamt rund eine halbe Million Euro, von denen rund 120.000 Euro Bürger und Gäste spendeten. "Die Marienkirche war über Jahrhunderte der Stolz der Stadt", sagte Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos). Immer sei für sie gespendet worden. "Deshalb ist sie so prächtig und mächtig."

Mit der Rückkehr der mittelalterlichen Bleiglasfenster aus Russland im Jahr 2002 habe die Kirche ihre Seele zurück erhalten. "Jetzt bekommt sie ihre Stimme wieder." Die Glocken sollen am 3. Mai geweiht werden und Pfingsten erstmals erklingen.