Berliner Schulessen – teurer und besser? - "Mir schmeckt's, aber manche haben nicht soviel Geld"
Das Mittagessen an Berliner Grundschulen soll seit diesem Halbjahr gesünder und leckerer sein. Für die Familien ist es damit allerdings teurer: 37 statt bisher 23 Euro im Monat. Kirsten Buchmann hat nachgefragt, was den Eltern gutes Essen wert ist und wie es den Schülern tatsächlich schmeckt.
Mittagessen in der Wald-Grundschule in Charlottenburg. Gleich am Eingang der Mensa können sich die Kinder auf einem Tisch die beiden Tagesgerichte ansehen: Essen A, Polentabällchen mit Gemüse, oder Essen B, Blumenkohlstern mit Nudeln und Tomatensauce. An einer Theke bestellen sie bei den Mitarbeiterinnen des Caterers "Greens Unlimited" ihr Essen. Außerdem können sich die Kinder am Buffet einen Salat zusammenstellen, zum Beispiel Gurke, Paprikastreifen und Tomaten, aber auch Apfelstücke. Die Kinder finden das Essen lecker.
"Mir schmeckt's!" oder "Ich geh mir gleich noch was holen" - tönt es durch die Mensa. Dass die Kinder das Essen mögen, freut Claudia Schluckebier, die Mutter von Frederik und Mitglied der Essenkommission der Wald-Grundschule.
"Wir sind sehr zufrieden, weil sehr gutes, hochwertiges Essen angeboten wird mit einem hohen Bioanteil, ein abwechslungsreiches Essen. Wir sind happy", sagt die Mutter.

Das war nicht immer so. Auch Kinder der Wald-Grundschule waren vor rund anderthalb Jahren betroffen, als ein Großcaterer mit Noroviren belastete tiefgekühlte Erdbeeren aus China lieferte - man habe beim Kauf der Ware aufgrund der Etiketten davon ausgehen müssen, es seien Erdbeeren aus Deutschland, beteuert das Unternehmen Sodexo heute.
Damals erkrankten berlinweit fast 3.000 Kinder. Die Diskussion um die Qualität des Schulessens kochte hoch.
Wichtig: Gesundes und frisches Essen
Das Ergebnis vieler Diskussionen zwischen Senat, Bezirken und Eltern: das Schulessen für fast alle Grundschulen wurde neu ausgeschrieben und wurde teurer. Neuer Festpreis sind 3,25 Euro pro Gericht, vorgeschrieben ist dabei unter anderem: mindestens fünfzehn Prozent der Zutaten müssen aus ökologischer Produktion sein.
Vollkornnudeln und Tomatensauce bereiten Mitarbeiter des Caterers "Drei Köche" gerade an 300-Liter-Kesseln vor. Für Lebensmittel legt er ebenso wie die anderen Caterer seit Februar doppelt so viel auf den Tisch wie bisher, nämlich 1,14 Euro pro Mahlzeit. Dazu muss er mehr Steuern zahlen, für Personal und Energie gibt er ebenfalls mehr aus, um das Essen zwei Mal täglich frisch zu kochen und auszuliefern.
Gesundes, frisches Essen ist Eltern und Schülern wichtig. Darüber, dass seit Februar das Essen für Ganztagsgrundschüler mehr kostet, nämlich 37 statt 23 Euro im Monat, klaffen die Meinungen allerdings auseinander: "Wenn es dann auch wirklich besser ist, ist es natürlich super. Dann investiert man gerne", meint eine Mutter. Aber "ganz schön blöd für Kinder, die nicht so viel Geld haben", sagt eine Schülerin.

Manchen Familien fehlt das Geld für das teurere Essen
Caterer haben bereits registriert, dass manche Familien ihre Kinder nicht mehr am Schulessen teilnehmen lassen. In Friedrichshain-Kreuzberg spürt das der Anbieter Greens Unlimited stärker als in Steglitz-Zehlendorf. Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf verzichten ausdrücklich wegen der Preiserhöhung bereits 49 Kinder auf das Schulessen, weitere wurden ohne Begründung abgemeldet.
Zwar ist das Ganztagsgrundschulessen subventioniert, 30 Prozent des Preises zahlt das Land, insgesamt fast 20 Millionen Euro pro Jahr. Geld fließt außerdem durch das so genannten Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder, die einen Berlin-Pass haben, weil sie oder ihre Eltern Sozialleistungen beziehen. Wie bisher zahlen sie einen Euro pro Mahlzeit. Seit der Preiserhöhung seien die Anträge auf diese Bezuschussung stark gestiegen, so der Dachverband Kinder- und Schülerläden.
Es gibt aber auch Familien, die keinen Anspruch auf diese Leistungen haben, weil sie gerade über den entsprechenden Einkommensgrenzen liegen, sagt Erika Takano-Forck von der AG Schulessen des Landeselternausschusses: "Wenn Sie rechts und links schauen, sehen Sie auch, dass es viele vornehmlich auch alleinerziehende Eltern gibt, die bei dieser Kostensteigerung eben doch überlegen, ihr Kind vom Essen abzumelden."

Berlin muss eine Lösung für sozialschwache Familien finden
Betroffene Eltern haben zwar die Möglichkeit sich an den Schulleiter zu wenden, der solche Anfragen unbürokratisch und vertraulich behandeln müsste. Zeitweilig könnte Geld aus einem Härtefallfonds für das Schulessen kommen. Allerdings ist das ein Schritt, der vielen Eltern schwer fallen dürfte, sagt Günter Peiritsch, Mitglied im Landeselternausschuss: "Das muss man im persönlichen schulischen Umfeld des Kindes beantragen und diese Offenbarung scheuen natürlich viele Eltern. Hier hat das Land Berlin meiner Meinung nach dafür zu sorgen, dass eine machbare, kontinuierliche Versorgung der Kinder sichergestellt wird."
Gerade Familien mit mehreren Kindern und Geringverdiener müssten entlastet werden. Die Grünen hatten in der parlamentarischen Diskussion vorgeschlagen die Preise zu staffeln, so dass gut verdienende mehr zahlen als sozial schwache Familien. Zu hoch sei dafür der Verwaltungsaufwand, hielt die Koalition dagegen. Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Regina Kittler, hat schon ganz andere Ideen: "Wir wollen, dass das Schulessen kostenfrei wird. Sicherlich muss man das Stufenweise machen und kann das nicht von heute auf morgen tun und dazu werden wir auch demnächst Anträge einreichen."
Für ein langfristig kostenloses Mittagessen sind auch die Piraten. In der Koalition denkt man darüber zurzeit gar nicht nach. Sie ist froh, dass es überhaupt so weit gekommen ist und man nach anderthalb Jahren heftiger Debatten, Testessen und Diskussionsrunden besseres Mittagessen für die Berliner Grundschüler kocht.


