
Nach Verfolgungsjagd auf A12 - Haftbefehle gegen mutmaßliche Autoschieber erlassen
Es war eine unglückliche Verkettung von Umständen: Bei einem Unfall auf der A12 von Berlin in Richtung Frankfurt (Oder) starben am Donnerstag drei Menschen. Das Unglück hatte sich an einem Stauende ereignet - nach einer Polizeiaktion gegen mutmaßliche Autoschieber. Nun ist gegen eine Frau und vier Männer Haftbefehl erlassen worden.
Nach der dramatischen Fahndungsaktion gegen mutmaßliche Autoschieber auf der A12 von Berlin in Richtung Frankfurt (Oder) sind gegen eine Frau und vier Männer Haftbefehle erlassen worden. Das sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Potsdam am Freitag. Die 21-Jährige und drei Männer zwischen 22 und 36 Jahren sitzen in Untersuchungshaft, ein 38-Jähriger liegt verletzt im Krankenhaus.
Im Anschluss an den Einsatz war es in der Nacht zum Donnerstag zu einem schweren Verkehrsunfall mit drei Toten gekommen. Nach dem Zugriff der Beamten auf der Autobahn hatte sich ein Stau gebildet. An dessen Ende war ein polnischer Wagen ungebremst in einen Laster gefahren. Darin starben drei Männer zwischen 34 und 54 Jahren, ein vierter wurde lebensgefährlich verletzt. Er wird in einem Berliner Krankenhaus behandelt. Nach dem Unfall war die Autobahn für fünf Stunden gesperrt gewesen.
Verfolgung eines mutmaßlichen Autodiebes
Nach rbb-Informationen hatten am späten Mittwochabend Zivilfahrzeuge einer Sondereinsatzgruppe der Polizei einen mutmaßlichen polnischen Autodieb verfolgt. Als dieser in Höhe der Raststätte Biegener Hellen mitten auf der Autobahn stoppte und zu Fuß flüchtete, wurde er von einem Polizeifahrzeug angefahren. Er musste verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden, die Autobahn wurde in Richtung Polen gesperrt.
Dadurch bildete sich ein Stau, an dessen Ende sich später der Unfall ereignete.
Autoschieberbande tagelang observiert
Der Polizeiaktion auf der Autobahn war die tagelange Beobachtung einer Autoschieberbande vorausgegangen, wie Polizeisprecher Rudi Sonntag dem rbb sagte. Beamte aus Berlin, Brandenburg und von der Soko Grenzkriminalität hätten beobachtet, wie Autodiebe gestohlene Fahrzeuge in Berlin parkten. Tage später seien mit einem anderen PKW Kuriere nach Berlin gebracht worden, die die gestohlenen PKW nach Polen bringen sollten. Nach längerer Irrfahrt seien schließlich alle Verdächtigen auf die A12 in Richtung Polen gefahren. Dort entspann sich dann die Verfolgungsjagd, in deren Verlauf die Polizei drei Fahrzeuge sicherstellte und fünf Personen festnahm. Bei einem der Zugriffe kam es zu dem Unfall, der anschließend den Stau auslöste.
Polizeisprecher Sonntag wertete den Einsatz mit den Festnahmen insgesamt als Erfolg im Kampf gegen die Autoschieber. Er bedauerte gleichzeitig den tragischen Unfall, der sich am Stauende ereignete. Die Sperrung sei aus polizeitaktischen Gründen allerdings notwendig gewesen, so Sonntag.
Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) sagte dem rbb, die Polizei habe absolut korrekt gehandelt. "Dass Verkehrsunfälle - und es war letzten Endes nichts anderes als ein Verkehrsunfall an der Stelle der Festnahme - zu Staus führen, ist ohnehin nicht zu verhindern."
Mit Informationen von Dorett Kirmse und Andreas Hewel



