fernOST-Kameramann Thomas Lütz (Quelle: Thomas Lütz)

fernOST - ein rbb-Team reist von Berlin nach Tokio - "Es könnte ruhig noch ein bisschen weitergehen"

Zehntausende Kilometer, zahllose Begegnungen und viele Geschichten: Vom 7. bis 11. April zeigt der rbb die Reisedoku "fernOST - Von Berlin nach Tokio". Mit zwei Geländewagen war ein rbb-Team für die Doku unterwegs im Iran, in Turkmenistan, in China und der Millionenmetropole Japans. Kameramann Thomas Lütz erzählt rbb online vom Geheimdienst in Turkmenistan, Ballons in Myanmar und dem spannendsten Land der Reise. Von Ula Brunner

Herr Lütz, Ihre Reise liegt mittlerweile ein Jahr zurück. Erinnern Sie sich noch oft daran?

Ich habe natürlich seither viel darüber geredet und davon erzählt. Es ist nach wie vor überwältigend und erschreckend, was wir alles erleben durften, welches Privileg diese Reise eigentlich war. Aber was wohl auch in Erinnerung bleibt, ist das tolle Team. Jeder Einzelne hatte seinen Anteil an der Reise, und wir vier vom Drehteam sind auch privat Freunde geworden. Das hat wirklich unheimlich gut funktioniert, wir sind da durch dick und dünn gegangen.

Sie reisten 27.000 Kilometer durch insgesamt 17 Länder. Wie lange waren Sie eigentlich unterwegs?

Unser Team ist Anfang September 2012 in Berlin losgefahren. Sieben Monate später, Anfang April 2013, kamen wir in Tokio, der letzten Reiseetappe an.

Eine Reise durch insgesamt 17 Länder braucht eine gründliche Vorbereitung!

Es gab etwa ein Jahr Vorlauf, um das Ganze auf einen guten Weg zu bringen. Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie das laufen wird, haben technische Tests gemacht. Das eigentliche Losfahren war dann, als ob man eine Bremse löst. Nach all dem Reden und Nachdenken wollten wir endlich auf die Straße!

Sie durften allerdings nicht in alle Länder einreisen, die Sie gerne besucht hätten.

Wir mussten uns um Genehmigungen und Visa kümmern, und auch mehrfach die Route ändern. Dass wir beispielsweise nicht nach Tibet einreisen dürfen, haben wir erst unterwegs erfahren. Daraufhin haben wir die komplette Streckenplanung geändert und sind von Usbekistan über Kirgistan nach China gefahren. Auch von Nordkorea gab es zunächst positive Signale, doch am Ende wurde uns auch hier die Einreise verweigert. Das war allerdings keine große Überraschung. Eine Enttäuschung war es allemal.

Nicht in allen Ländern herrscht Pressefreiheit. Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Hinsicht gemacht?

Eigentlich wollten wir ja eine ganz positive Berichterstattung machen, so in die Richtung "Menschen, Länder, Abenteuer". Aber das war in Ländern, die Angst vor westlichen Medien haben, sehr schwer zu erklären. In China gab es hin und wieder plötzlich Drehverbote, in Usbekistan konnten wir zum Teil frei drehen, wurden später aber auch häufig eingeschränkt. Aber in Turkmenistan war die Repression am stärksten.

Wie haben Sie Turkmenistan erlebt?

Wir waren überrascht, dass wir überhaupt eine Einreisegenehmigung erhielten, das stand anfangs auf der Kippe. Die Einschränkungen bei den Dreharbeiten waren dann aber gewaltig. Selbst bei Alltagsszenen wurden wir behindert. Das lief am Ende darauf hinaus, dass wir mehr oder weniger nur Statuen drehen durften. Der Geheimdienst war immer dabei und kontrollierte offen alle Schritte, die wir machten. Das war ziemlich anstrengend.

Was waren die Highlights der Reise?

Nachdem wir durch Usbekistan und Turkmenistan gereist waren, wo wir nicht ohne Einschränkungen drehen konnten, waren die Bergwelten Kirgistans und die natürliche Offenheit der Kirgisen eine große Freude für das gesamte Team und auch besonders für mich. Auch die Reise durch Myanmar, das ehemalige Burma, war beeindruckend. Die Menschen dort sind toll und es ist schön zu sehen, wie das Land nach der Öffnung auflebt. Wir haben gleich zu Anfang das Ballonfest gedreht, einen Wettbewerb von Heißluftballon-Bauern, das war ein gewaltiger Drehtag. Aber am stärksten beeindruckt hat mich der Iran.

Warum?

Der Iran war eine großartige Überraschung und ein unglaublicher Augenöffner. Das Land ist schön und die Iraner freundlich. Vor allem in den größeren Städten trafen wir auf stolze, kluge Menschen, die ihre politische Situation sehr gut einschätzen konnten. Ganz zu Anfang haben wir die "Ballade vom Salzsee" gedreht. Da vertrocknet ein ganzer Landstrich durch einen Dammbau – eine ökologische Katastrophe. Wir haben uns dort auch mit iranischen Umweltaktivisten unterhalten, das war wirklich spannend. In Teheran trafen wir junge Frauen, die selbstbewusst versuchen, gesellschaftliche Regeln, beispielsweise das Kopftuch, zu unterlaufen. Später haben wir in den berühmten Türkis-Minen in Neyshabour gedreht, wo vor uns noch kein Kamerateam war. Es gab viele Situationen, an die wir uns gerne erinnern.

Kam es auch zu negativen Begegnungen, wurden Sie manchmal angefeindet?

Nein, das gab es gar nicht. Die Menschen, denen wir auf der Straße begegnet sind, waren sehr offen uns gegenüber. Unser Beruf ist einfach ein Türöffner. Man kommt mit technischem Gerät, ist neugierig und bekommt dadurch leicht Kontakt. Selbst wenn man die Sprache nicht spricht, gibt es immer eine Interaktion – und die ist durchweg positiv.

Nur ihr Teamfußball kam Ihnen abhanden!

Das war eine große Sauerei! (lacht). Wir sind alle begeisterte Fußballfans und wenn wir ein bisschen Leerlauf hatten, haben wir oft gespielt, auch mit der Bevölkerung. Von daher war der Ball ein wichtiges Reiseutensil geworden. Aber eines Morgens in China war er weg. Erst in Myanmar habe ich ein Sportgeschäft gefunden und dort einen neuen gekauft.

fernOST-Kameramann Thomas Lütz und sein Team (Quelle: Thomas Lütz)
Gutgelaunt: das fernOST-Team

Die letzte Etappe war Tokio. Waren Sie froh, dass nach sieben Monaten die Reise zu Ende geht oder gab es eher ein wenig Wehmut?

Wenn man über 200 Tage unterwegs ist, weiß man: jetzt ist Bergfest, danach bricht das letzte Drittel an, man kommt dem Ende näher. Von daher ist es ein schleichender Prozess. In Tokyo hatten wir noch ein paar Tage Zeit, die Reise ausklingen zu lassen, die Logistik abzuwickeln, Material zu speichern, die Autos zurück nach Deutschland zu schicken und uns die Stadt anzuschauen. Auch im Team war es nochmal richtig gut. Ich glaube ein besseres Ende, hätten wir nicht finden können. Natürlich war es sehr schön, nach Hause zu kommen. Auch wenn jeder von uns sich insgeheim dachte: Es könnte ruhig noch ein bisschen weitergehen.