Ein gekappter Schienenstrang (Bild: dpa)

EC-Verbindung Berlin-Breslau wird eingestellt - Bahn koppelt Cottbus ab

Wer mit dem Eurocity 249 von Berlin über Cottbus nach Breslau reisen will, muss viel Zeit mitbringen: Über 5 Stunden dauert die 350 Kilometer lange Fahrt – laut IHK-Studie entspricht das der Reisegeschwindigkeit des Jahres 1895. Zum Dezember wird die Verbindung nun eingestellt. Für Berliner gibt es zwar Alternativen - die Cottbuser will die Bahn jedoch abkoppeln. Von Robin Avram und Sebastian Schöbel-Matthey

Für den Präsidenten der IHK Cottbus ist es eine völlig falsche Entscheidung. Mehr noch: "Gerade in Zeiten zunehmender wirtschaftlicher Verflechtung mit Polen wäre das ein ernster Rückschritt für die grenzüberschreitende Vernetzung unserer Region". Doch aus Sicht der Deutschen Bahn erscheint es nur logisch, dass der Konzern die Eurocity-Verbindung Hamburg - Berlin - Cottbus - Breslau im Dezember einstellen möchte. Denn die Fahrgastzahlen sind in den letzten Jahren rapide eingebrochen.

Eine Recherche von rbb online zeigt, warum: Wer von Berlin aus nach Breslau (polnisch: Wroclaw) fahren will, dem "Venedig Polens", der Kulturhauptstadt Europas 2016 – der fährt mit dem Fernbus nicht nur deutlich günstiger. Er ist - falls kein Stau dazwischen kommt - per Bus auch fast eine Stunde schneller da.

Berlin - Breslau - Zug und Fernbus im Vergleich

Vergleich Bahn und Bus zwischen Berlin und Breslau (Grafik rbb)

Quelle: Bahn.de, busliniensuche.de

Der wesentliche Grund dafür: Das Gleisbett hinter der Grenze zwischen Forst und Legnica ist so marode, dass es nur im Schneckentempo voran geht. Leidgeprüfte Reisende berichten lakonisch, man könne fast neben dem Zug herlaufen und Blumen pflücken. Und Besserung ist nicht in Sicht: Die polnische Staatsbahn PKP setzt bei der Sanierung ihrer Trassen andere Prioritäten.

Die Bahn macht sich deshalb schon seit längerem selbst Konkurrenz und bietet inzwischen täglich drei Fernbus-Verbindungen von Berlin nach Breslau an. Mit 39 Euro ist dieses Angebot etwas günstiger als ein EC-Zugticket in Kombination mit einer BahnCard 25. Der polnische Billig-Anbieter "polskibus" hat die Strecke sogar für 15,70 Euro im Programm. Wohl auch ein Grund dafür, dass rund Zwei-Drittel der einstigen Zugfahrer inzwischen auf die Fernbusse umgestiegen sind.

Die meisten Breslau-Besucher aus Berlin werden dem EC also kaum hinterher weinen - ganz anders sieht es dagegen in Cottbus aus. Denn die Fernbusse von Bahn und polskibus machen auf ihrer Fahrt von Berlin nach Breslau dort bisher noch nicht Halt.

Ein Zug überquert eine Brücke über die Oder Richtung Polen (Quelle: dpa)
Der Grenzverkehr zwischen Deutschland und Polen - mit dem Zug eine wahre Geduldsprobe

Bahn plant derzeit keine Fernbus-Haltestelle in Cottbus

Die IHK Cottbus hat die Bahn deshalb in Gesprächen bereits aufgefordert, ihre Fernbusse künftig auch in Cottbus halten zu lassen. Die Fahrtzeit für die Berliner Fahrgäste würde sich nach Ansicht der IHK-Referentin Katrin Erb dadurch kaum verlängern. "Die Haltestelle könnte auf einem Park&Ride-Parkplatz zwei Kilometer von der Autobahn-Abfahrt entfernt eingerichtet werden", erläutert sie rbb online.

Doch die Bahn plant derzeit ohne Zwischenhalt in Cottbus. Auf Anfrage teilt Bahnsprecherin Silvia Seidel lediglich mit: "Derzeit gibt es hierzu keine Überlegungen." Diese starre Haltung stößt nicht nur bei der IHK, sondern auch im Brandenburger Verkehrsministerium auf Kritik. "Wir halten das für eine Fehlentscheidung und bitten die Bahn, das zu überdenken", kommentiert Sprecher Lothar Wiegand.

Lässt die Bahn sich von diesen Bitten nicht erweichen, bleibt den Cottbusern nur noch eine Regionalbahn-Verbindung über Görlitz, um nach Breslau zu gelangen. Hierfür sind aber noch Sanierungsarbeiten notwendig, die erst Ende 2016 abgeschlossen sein sollen. Außerdem würde die Fahrtzeit dann immer noch 3:45 Stunden betragen - für eine Strecke, die mit dem Auto in knapp 2:30 Stunden zu bewältigen ist.

Beitrag von Robin Avram und Sebastian Schöbel-Matthey

Mehr zum Thema

Verfolgungsjagd in Frankfurt (Oder) - "Die Fahrer sind skrupellos"

Es sieht aus wie eine Szene aus einem Actionfilm: Ein Polizeiwagen verfolgt einen mutmaßlichen Autodieb Richtung Polen. Mit 170 km/h rast er über die Straßen, überfährt rote Ampeln und kollidiert schließlich mit einem unbeteiligten Fahrer. Ein Original-Polizeivideo zeigt, wie rücksichtslos die Täter sind, wenn es ernst wird.