Waldbrand bei Teupitz/Wünsdorf (Quelle: dpa)

Brandenburger Feuerwehren rüsten sich - Die Löschlast liegt auf freiwilligen Schultern

Landesweit höchste Waldbrand-Warnstufe: das versetzt die Brandenburger Brandschützer in Alarmbereitschaft. Denn der Süden des Landes zählt zu den europäischen Waldbrand-Hot-Spots. Bei der Gefahrenabwehr verlässt sich das Land zum allergrößten Teil auf freiwillige Feuerwehrleute – doch von denen sind viele im Urlaub. Von Robin Avram

Wenig Regen, dafür Sandböden – und überwiegend besonders leicht entzündliche Kiefernwälder: diese drei äußerst ungünstigen Faktoren haben Südbrandenburg in der Vergangenheit so viele Waldbrände eingebracht, dass die EU fast die gesamte südliche Hälfte des Landes in die höchste Waldbrandgefahrenklasse A1 einordnete. Solche Waldgebiete mit "sehr hoher Waldbrandgefahr" finden sich sonst nur noch in Portugal, Frankreich, Südspanien und Griechenland.

Waldbrandgefahrenklassen im Land Brandenburg (Quelle: http://forst.brandenburg.de/)
Die Wälder im südlichen Drittel des Landes sind so waldbrandgefährdet wie sonst nur südeuropäische Länder. Auch die Forsten im Norden sind großteils "hoch waldbrandgefährdet". Einzig in der Uckermark können Feuerwehrleute entspannter schlafen.

Man kann also von Glück sprechen, dass seit Beginn der aktuellen Trockenperiode noch kein Großbrand die Wälder der Lausitz heimgesucht hat. Elfmal rückten die Feuerwehren in den vier südlichen Landkreisen seit Anfang Juli aus - und hatten die Lage meist schnell wieder im Griff. 11 Hektar, eine Fläche so groß wie rund 15 Fußballfelder, vernichteten die Flammen bislang.

Doch die erhöhten Windstärken, die die Wetterlage derzeit mit sich bringt, bereiten Karsten Brudek nun Sorgen. "Wir haben derzeit eine Situation, die für die Feuerwehren sehr interessant werden kann", berichtet der Teamleiter der Regionalleitstelle Lausitz in abgeklärtem Ton. Interessant? Was bedeutet es denn, Feuerwehrmann in einem Gebiet mit solch hoher Waldbrandgefahr zu sein? Davon kann Brudek so einiges berichten.

Carsten Brudek (Quelle: Brudek)
Feuerwehrmann Karsten Brodek aus Forst in der Lausitz hat über 30 Jahre lang Erfahrungen mit Waldbränden gesammelt.

Schlaf erst nach 62 Stunden im Einsatz

"1983 habe ich einen Waldbrand erlebt, bei dem ich 62 Stunden am Stück im Einsatz war – erst dann konnte ich vier Stunden schlafen, bevor es weiterging", berichtet der Veteran. Drehende Winde ließen damals das Bodenfeuer in die Baumwipfel hochsteigen, außerhalb der Reichweite der Wasserschläuche.

"Es war wie im Film. Stundenlang loderten die Flammen über unsere Köpfe hinweg," erzählt Brudek. In solchen Fällen bleibe nur die Möglichkeit, eine Schneise in den Wald zu schlagen, um die Ausbreitung des Brandes zu verhindern – oder Löschflugzeuge einzusetzen. 12 Tage lang dauerte sein Einsatz insgesamt.

Inzwischen sind Brandenburgs Feuerwehren besser auf Waldbrände vorbereitet. Die 1,1 Millionen Hektar märkischer Wald werden seit einem Jahrzehnt mit dem System "Fire Watch" flächendeckend von Kameras überwacht. In den 100 Stützpunktfeuerwehren im Land stehen speziell ausgebildete Kräfte bereit. Zudem hat das Land geländegängige Tanklöschfahrzeuge angeschafft. "Wir sind bestens auf Waldbrände vorbereitet, alle Katastrophenschutzeinrichtungen im Land sind in Alarmbereitschaft", beruhigt Lothar Wiegand, Pressesprecher des Landwirtschaftsministeriums. Doch ausgerechnet bei der wichtigsten Ressource hat das Land gespart - den Feuerwehrleuten.

"Urlaubsverbot können sie Freiwilligen nicht verordnen"

Denn derzeit sind viele der freiwilligen Feuerwehrleute im Sommerurlaub, bestätigt Karsten Brudek auf Anfrage. "Erhöhte Alarmbereitschaft oder Urlaubsverbot können sie Freiwilligen nicht verordnen".

Das ist deshalb ein Problem, weil inzwischen 97 Prozent der 42.000 Feuerwehrleute des Landes freiwillige Brandbekämpfer sind. Nur noch 600 von ihnen sind hauptberuflich bei den Berufsfeuerwehren angestellt, hinzu kommen 900 Angestellte der Werks-Feuerwehren.

Bleibt also nur eines, sagt Brudek aus eigener Erfahrung: "Die Familie der freiwilligen Kameraden muss auf einiges verzichten." Und schiebt warnend hinterher: "Die Waldbrände befanden sich in den vergangenen Jahren auf einem niedrigen Niveau, das muss aber nicht heißen, dass es so bleiben muss." Schließlich habe man jahrelang auch nicht über das Thema Hochwasser-Prävention gesprochen – bis dann schließlich eines passierte.

Beitrag von Robin Avram

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