Feuerwehrleute stehen am 11.08.2014 in Berlin auf dem Gelände des ehemaligen Spreepark Berlin im Plänterwald (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 11.08.2014 | Rainer Unruh

Mehrere Brandherde entdeckt - Polizei geht von Brandstiftung im Spreepark aus

Nach dem Großbrand in dem früheren Freizeitpark im Berliner Plänterwald vermutet die Polizei Brandstiftung. Das Feuer vernichtete das Themengebiet "Alt-England" komplett und wurde offenbar an zwei unterschiedlichen Stellen gelegt. Es bleiben nun verkohlte Trümmer auf 5.000 Quadratmetern und die Frage nach den Verantwortlichen.

Ein Großbrand hat in der Nacht Teile des Spreeparks im Berliner Plänterwald stark beschädigt. Feuerwehrsprecher Sven Gerling sagte dem rbb, auf einem halben Hektar seien alte Gebäude und Fassaden in dem früheren Vergnügungspark niedergebrannt. Betroffen sei das Themengebiet "Alt-England".

Was das Feuer auslöste, ist bisher unklar; die Polizei vermutet allerdings Brandstiftung als Ursache. Das bestätigte Polizeisprecherin Cosima Pauluhn dem rbb. Bei ersten Untersuchungen seien mehrere Brandherde gefunden worden, hieß es zur Begründung. Ein Feuerwehrsprecher berichtete am Montagmorgen, es habe zwei Einsatzstellen gegeben, die 200 Meter voneinander entfernt gewesen seien. Die Kriminalpolizei ermittelt zur Stunde und setzt neben einer Flugdrohne, die das Brandareal aus der Luft vermisst, auch speziell ausgebildete Hunde ein. Diese sind zum Beispiel darauf spezialisiert Brandbeschleuniger zu orten.

Bezirks-Bürgermeister Oliver Igel (SPD) geht nicht von einem Böse-Buben-Streich aus. Er sagte rbb online: "Das sind keine spielenden Jugendlichen gewesen". Igel hält es nicht für ausgeschlossen, dass ein "Interessierter" auf dem Spreepark-Gelände "Fakten schaffen" wollte. In Betracht kommen laut Igel zum Beispiel verschiedene Interessengruppen, die eigene Vorstellungen haben, wie das Gelände zukünftig genutzt werden könnte.

Kein Löschwasser vor Ort

Nach Angaben der Feuerwehr ging ein Alarm kurz nach Mitternacht ein. Etwa 100 Einsatzkräfte kämpften über mehrere Stunden gegen die Flammen.

Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig, da das Gelände schwer zugänglich ist und es nach Angaben der Feuerwehr keine gute Wasserversorgung gab. Löschwasser musste von rund anderthalb Kilometer entfernten Hydranten über extra gelegte Leitungen herangeschafft werden. Zwei Boote von Polizei und Feuerwehr halfen, Wasser aus der Spree zu pumpen.

Gegen 3 Uhr waren die Flammen gelöscht. Das bekannte Riesenrad blieb von dem Feuer verschont. Verletzt wurde bei dem Feuer niemand.

Berlin hatte das Gelände kürzlich gekauft

Der Freizeitpark wurde vor 13 Jahren geschlossen. Der frühere Pächter, der auch durch Drogenschmuggel in großem Stil in die Schlagzeilen geriet, ging pleite. Hohe Schulden belasteten das Gelände und erschwerten lange den Verkauf.

Ende März diesen Jahres erwarb schließlich das Land Berlin das insgesamt etwa 30 Hektar große Gelände. Es kaufte für zwei Millionen Euro das bis 2061 laufende Erbbaurecht für das Grundstück zurück. Finanzsenator Nußbaum sagte, das Land habe sich ein Spitzengrundstück in hervorragender Lage gesichert, über dessen künftige Nutzung in Ruhe nachgedacht werden müsse. Für die Erarbeitung eines neuen Bebauungsplans ist der Bezirk Treptow-Köpenick zuständig.

Kommentare aus dem Netz

Gelände war durch Wachschutz gesichert, der Zaun war aber marode

Der Liegenschaftsfonds des Landes hatte das Gelände am 1. Mai übernommen, berichtete Sprecherin Marlies Masche rbb online. Seither gebe es einen Wachschutz auf dem Gelände, der auch nachts patrouilliere. Der Zaun des Geländes sei jedoch marode gewesen, deshalb habe man damit begonnen, ihn zu ersetzen. Da der Spreepark in Berlin-Reiseführern auftaucht, finden dort nachts öfters illegale Party statt.

Spekulationen von Nutzern der Facebook-Seite des Spreeparks, wonach das Feuer gelegt worden sein könnte, um Sanierungskosten zu sparen, wollte Masche nicht kommentieren. "Es gibt derzeit keinen B-Plan, der dort Wohnungen vorsieht. Wir streben an, künftig dort Führungen durchzuführen. Der Großband verzögert diese Pläne", sagte sie.

Spekulationen in den sozialen Netzwerken

Spreepark, Plänterwald, Kulturpark – egal, wie man es nennt, viele Berliner wissen sofort Bescheid und sagen: "Ach was, ein Feuer auf dem verwilderten Rummel – so was passiert doch nicht von allein, oder?" Und begleitet von solchen Fragen kommen auf Facebook Fotos mit Erinnerungen und Schnappschüsse vom Gelände aus besseren Zeiten.

Verbunden mit Aufnahmen vom Feuer aus der vergangenen Nacht äußern dann viele zunächst ihr Bedauern und natürlich auch gleich Vermutungen und Spekulationen: "Nein! - Wer zerstört bloß so ein wundervolles Objekt absichtlich?" Und Sie geben sich gegenseitig natürlich Antworten: "Weil die Politik es nicht will!" Oder ganz einfach nur Feststellungen: "Warmer Abriss!"

Mit Informationen von Oliver Soos und Miriam Keuter

Impressionen aus dem Spreepark

Spreepark im Plänterwald

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