Das in Werder entlaufene Känguru (Quelle: Tierrettung Potsdam)

Ordnungsamt und Tierretter halten Ausschau - Känguru-Weibchen aus Werder weiter verschwunden

Das entlaufene Känguru-Weibchen ist auch am Mittwoch noch nicht wieder aufgetaucht. Zuletzt war es am Dienstag auf einem Feld zwischen zwei Ortsteilen von Werder gesichtet worden. Seitdem verliert sich die Spur. Bei dem Tier, das ein Junges bei sich trägt, handelt es sich um ein ca. 60 - 70 cm hohes Wallaby, eine eher kleine Känguru-Art. Sollte es wieder gesichtet werden, soll ein Tierarzt mit Betäubungsgewehr ausrücken.

Das aus einem Gehege in Werder enthüpfte Känguru hält auch am Mittwoch Ordnungsamt und Tierrettung weiter auf Trab. "Es hat sich nichts geändert, wir haben keine Meldung über den Verbleib", sagte Claudia Stein vom Ordnungsamt Werder (Havel) rbb online.

Seit Samstag ist das Känguru im Landkreis Potsdam-Mittelmark auf der Flucht. Am Dienstagmorgen wurde es auf einem Feld zwischen den Ortsteilen Derwitz und Kemnitz der Stadt Werder (Havel) gesichtet. "Ein Bürger hat es gemeldet", sagte die Leiterin des Ordnungsamtes, Ulrike Paniccia, am Dienstag. Danach sei das Tier aber wieder verschwunden. Auch in Niedersachsen ist ein Känguru unterwegs.

Wallaby-Weibchen braucht Ruhe

Wie Michael Breuer von der ehrenamtlichen Tierrettung Potsdam sagte, dass es womöglich ein gutes Zeichen sei, bislang keine Hinweise auf das Känguru bekommen zu haben. Das Wallaby-Weibchen werde sich mit seinem Nachwuchs nicht über große Strecken fortbewegen. "Eher braucht es jetzt Ruhe", sagte der Tierretter. Hunger, Durst und die ungewohnte Situation würden zusätzlichen Stress verursachen - noch zumal das Jungtier auch ernährt werden muss. Wenn das Tier in den dunklen Stunden auftauche, "dann wahrscheinlich nur in einem Scheinwerferlicht", so Breuer.

Am Samstag sei das Team der Tierrettung mit neun Mann ausgerückt. "Jetzt sind wir auf 'standby' und warten auf eine Sichtungsmeldung." Alle Einwohner im Umkreis von Werder seien gebeten, nach dem Tier Ausschau zu halten. Sobald es wieder gesichtet werde, solle ein Tierarzt mit einem Betäubungsgewehr ausrücken. Ziel sei es, eine "Distanznarkose" zu setzen und das Känguru dann zu seinen Besitzern zurückzubringen.

Aufwand ist noch überschaubar

Auch Polizei und Ordnungsamt sind weiter in erhöhter Alarmbereitschaft. "Wir haben die Suche verstärkt", sagt Paniccia, es würden aber keine größeren Suchtrupps losgeschickt. Und eine Polizeisprecherin ergänzt: "Wir sind nur zuständig, wenn es auf die Straße hüpft." Besondere Kosten seien bisher nicht entstanden, "das bewegt sich im Rahmen der normalen örtlichen Gefahrenabwehr", so Paniccia. Auf jeden Fall sei ein Känguru gefährlicher als ein Hund, zum Beispiel für den Straßenverkehr.

Sollte durch so einen Einsatz Kosten entstehen, müssten die Eigentümer dafür aufkommen, sagt Amtsleiterin Paniccia. In Berlin war eine Hundehalterin kürzlich zur Zahlung von 10.000 Euro verurteilt worden, da die Feuerwehr ihren Vierbeiner aus einem Dachsbau in Tegel retten musste. Im Fall des Kängurus sei ein solcher Aufwand aber unwahrscheinlich, sagt Paniccia: "Bis jetzt ist die Lage noch entspannt."

An Autobahnauffahrt gesichtet, aber wieder verschwunden

Am Montag war die Polizei in den Werderaner Ortsteil Derwitz gerufen worden, weil Autofahrer dort das herrenlose Tier entdeckt hatten. Als die Polizisten eintrafen, sahen sie das Känguru an der Autobahnauffahrt zur A10. Da es scheu reagierte, wurde ein Team der Tierrettung hinzugerufen. Man wollte verhindern, es auf die Autobahn zu treiben. Doch das Känguru entschwand anderweitig. An der Suche nach dem Tier beteiligte sich auch dessen Besitzer. Nach Angaben der Polizei gehört das Tier einer Familie, die in Werder lebt und auf ihrem Hof mehrere exotische Tiere hält.

Kängurus fallen unter den internationalen Artenschutz

Aus Sicht des Brandenburger Landesumweltamtes ist der Fall nicht allzu Besorgnis erregend, denn bei dem Känguru handele es sich weder um ein Raubtier, noch sei es giftig oder sonstwie gefährlich. Allerdings fielen Tiere wie das verschwundene Känguru unter das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES), sagte Frank Plücken vom Naturschutzreferat am Dienstag rbb online. Somit gehöre es zu den geschützte Wirbeltierarten und müsse vom Halter offiziell angemeldet werden.

Aus Sicht des Tierschutzes müsse auch für eine artgerechte Haltung gesorgt werden. Dass ein exotisches Tier einfach entläuft, "sollte möglichst nicht vorkommen", sagte Plücken - auch wegen der kälter werdenden Temperaturen, "wobei diese Art nicht gleich erfrieren wird". Artgerechte Haltung werde aber nicht vom Landesumweltamt, sondern von den örtlichen Amtstierärzten überprüft, sagte Plücken.

Zirkus-Nashorn zweimal ausgebüxt

Erst am Samstag gab es für die Polizei in Luckenwalde (Teltow-Fläming) einen exotischen Einsatz. Dabei war einem Zirkus zweimal ein Nashorn ausgebüxt. Das Schwergewicht konnte sich aus einem Stall befreien und spazierte auf einer Straße nahe der Innenstadt herum, wie die Polizei mitteilte. Pfleger entdeckten es und lockten es zurück in seinen Stall. Von dort büxte es allerdings erneut aus. Zirkusmitarbeiter fanden es kurz darauf friedlich auf einer Wiese. Sie brachten es zurück und lassen es nun besonders bewachen.

Vor zwei Wochen wiederum waren kurzzeitig zwei Stachelschweine auf Luckenwalder Straßen unterwegs. Sie waren aus dem Tierpark geflohen.

Mehr zum Thema