Zwei Männer stehen in einer Imbissbude mit Spielautomat (Quelle: ago/Ralph Lueger)
Audio: Inforadio | 26.01.2015 | Thorsten Gabriel

Was bringt das Berliner Spielhallengesetz? - Das Unglück beginnt meist in der Imbissbude

Es braucht nicht viel zum Glücklichsein, manchem genügt schon ein Automat in einer Kneipe. Doch dieses Glück ist bekanntlich ein trügerisches. Deshalb hat Berlin bereits vor vier Jahren als erstes Bundesland ein Spielhallengesetz beschlossen: mittelfristig weniger Spielhallen, weniger Automaten, weniger Spielsüchtige, so der Plan. Aber bewirkt das Gesetz schon, was es soll? Die Berliner Grünen sagen: Da geht noch was. Von Thorsten Gabriel  

Fast hätte Andreas F. sein Leben verspielt. Seit seinem 15. Lebensjahr ist er spielsüchtig, erzählt der mittlerweile 43-Jährige.  Er sitzt in einem kleinen Beratungszimmer im Café Beispiellos in Berlin-Kreuzberg. Es lief bei ihm wie bei so vielen. "Jedes Mal, wenn ich an Geld rangekommen bin, durch Gehaltszahlungen oder wenn eine Rückzahlung kam, bin ich zocken gegangen. Das Geld war weg."

Josef Kemper von der Beratungsstelle Café Beispiellos in Kreuzberg im Gespräch mit Andreas F. (Quelle: rbb/Thorsten Gabriel)
Josef Kemper (links im Bild) im Gespräch mit Andreas F.

"Die meisten kommen mit einem großen Leidensdruck"

Der Mann, der Andreas F. gegenüber sitzt, kennt diese Geschichten gut. Josef Kemper ist Mitarbeiter der Beratungsstelle, die die Caritas seit fast 30 Jahren betreibt. Die Einrichtung wird von Menschen aufgesucht, meist sind es Männer, die einiges hinter sich haben: "Entweder hat man seine Miete, seine Beziehung oder seinen Arbeitsplatz verspielt, weil man an fremde Gelder gegangen ist", sagt Kemper. Erst dann wird es dem Betroffenen bewusst, dass er ein Problem mit sich selbst hat. "Die meisten kommen mit einem großen Leidensdruck hierher."

"Regelung wird oft missbraucht"

Oft beginnt das Unglück gar nicht in einer der rund 600 Spielhallen, die es in Berlin noch gibt, sondern in der Imbissbude an der Ecke, in der ebenfalls ein Spielautomat hängt. Das hat im Grundsatz auch die Politik erkannt. In den Gaststätten fange es nicht nur oft an, sondern die Regelung, nach der bis zu drei Geräte dort erlaubt seien, werde auch zunehmend missbraucht, moniert der Grünen-Abgeordnete Dirk Behrend: "Da werden dann Räume aufgeteilt in zwei, drei Räumlichkeiten mit bis zu zehn, zwölf Glücksspielgeräten." Dirk Behrendt würde dies gern eindämmen, indem in Gaststätten künftig nur noch ein Glücksspielgerät aufgestellt werden dürfe, so der Grünen-Politiker.

Café Beispiellos in Berlin-Kreuzberg (Quelle: rbb/Thorsten Gabriel)
Das Café Beispiellos in Berlin-Kreuzberg

Die eigentliche Wirkung steht noch aus

Dafür zeigt zwar auch Innensenator Frank Henkel (CDU) Sympathie - doch ist für diese Regelung nicht das Land zuständig. Es ist ein Kompromiss, um den auf Bundesebene gerungen wurde. Ein neuer Anlauf wäre nur über eine Bundesratsinitiative denkbar. Und so erteilt der CDU-Politiker im Innenausschuss dem Grünen-Ansinnen eine Absage. Henkel glaubt nach dem langen Vorlauf nicht, "dass wir sowohl seitens der Bundesregierung als auch des Bundesrates auch nur im Ansatz eine Chance hätten, eine solche Initiative durchzukriegen."

Erstmal wird abgewartet. Denn die eigentliche Wirkung des Berliner Spielhallengesetzes steht noch bevor: Mitte nächsten Jahres läuft eine Übergangsfrist aus. Dann müssen sämtliche Spielhallenbetreiber ihre Konzessionen neu beantragen. Sehr viele von ihnen werden wohl keine neue bekommen, was das Bild mancher Straßenzüge verändern dürfte. Anreize zum Glücksspiel würden verschwinden.

Das wäre auch für Andreas F. gut. Er ist zwar seit einigen Jahren spielfrei, wie er sagt, doch zur Beratung geht er aber trotzdem, damit das wahre Glück von Dauer ist.

Das Berliner Spielhallengesetz

Berlin hatte im Mai 2011 als erstes Bundesland ein Spielhallen-Gesetz mit strengen Auflagen beschlossen. Die Maßnahmen sollten die Zahl der Spielhallen begrenzen.

Zu den Auflagen gehören seitdem zum Beispiel ein Mindestabstand von 500 Metern zwischen zwei Casinos, und maximal acht Geldspielautomaten pro Raum. Vorher waren zwölf erlaubt.

Zwischen 3 Uhr und 11 Uhr gilt eine Sperrzeit für Spielhallen. Diese sollen demnach auch nicht in der Nähe von Kinder- und Jugendeinrichtungen liegen und dürfen Speisen und Getränke nicht kostenlos anbieten.

Beitrag von Thorsten Gabriel

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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