Drohnenflug mit Abtreibungspillen von Frankfurt/Oder nach Polen (Quelle: Women on Waves)

Protestaktion von Frauenrechtlerinnen in Frankfurt (Oder) - Aktivistinnen fliegen Drohne mit Abtreibungspillen nach Polen

Polen ist eines der wenigen europäischen Länder, in denen Schwangerschaftsabbrüche verboten sind. Frauenrechtlerinnen haben deshalb aus Protest Abtreibungspillen nach Polen geschickt - und zwar per Drohne von Frankfurt (Oder) nach Slubice. Doch die Polizei beschlagnahmte anschließend die Drohne und erstattete Anzeige.

Mehrere Frauenrechtsaktivistinnen haben am Samstag Drohnen mit Abtreibungspillen von Deutschland nach Polen geschickt. Die niederländische Organisation "Women on Waves" wollte mit ihrer Aktion gegen das Abtreibungsverbot in Polen protestieren.

Doch nach dem Start der Drohnen in Frankfurt (Oder) habe die deutsche Polizei eingegriffen und die Technik beschlagnahmt, wie eine Sprecherin der Organisation sagte. Dennoch seien die Drohnen sicher auf der polnischen Seite in Slubice gelandet. Zwei Polinnen hätten die Abtreibungspillen an sich nehmen können.

Abtreibungsgegner drohten mit Drohnenabschuss

Die niederländischen Frauenrechtlerinnen müssen sich nun in Deutschland wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz verantworten. Wie die Polizei am Sonntag in Fürstenwalde (Oder-Spree ) mitteilte, hat der Drohnenflug selbst keine rechtlichen Folgen. Da es sich aber beim Inhalt der gelieferten Päckchen um verschreibungspflichtige Medikamente handele, sei ein Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz angezeigt worden.

Lange hatte die Gruppe und ihre Unterstützer den genauen Standort der Aktion in Frankfurt (Oder) geheim gehalten. "Wir wollten diese Information nicht zu früh öffentlich machen, weil es bereits Drohungen gab, die Drohnen abzuschießen", sagte Katharina Mahrt von der Berliner Frauengruppe "Tante Basia", die die niederländische Aktivistinnen unterstützt hat. In Polen gebe es vehemente, sehr gut organisierte Abtreibungsgegner, die die Aktion hätten gefährden können.

Video: Drohnenflug von Frankfurt (Oder) nach Slubice

 

Frauenrechtlerinnen für spektakuläre Aktionen bekannt

Nach Ansicht von "Women on Waves" sorgt das Abtreibungsverbot "für Ungerechtigkeit und trifft vor allem arme und bildungsferne Frauen". Gesetze wie die in Polen würden deren Menschenrechte verletzen, zum Beispiel das Recht auf Gesundheit.

Die Gruppe ist für ihre kontroversen Aktionen bekannt: So haben sie bereits Frauen auf ein Schiff eingeladen, um ihnen Abtreibungen auf internationalen Gewässern anzubieten und nationale Verbote damit zu umgehen.

Im Netz wird der deutsch-polnische Drohnenflug äußerst kontrovers diskutiert: Auf dem entsprechenden Facebook-Eintrag zur Aktion von "Women on Waves" finden sich neben Befürwortern, die die Aktion richtig und auch witzig finden, hauptsächlich erboste Kommentare. So wird ihr Protest als "eklig" und "Blödsinn" tituliert, die Frauengruppe selbst als "Mörder" und "Idioten".  

Katharina Mahrt (Quelle: rbb / Studio Frankfurt)
Katharina Mahrt von "Tante Basia".

Abtreibungen auf dem Schwarzmarkt kosten bis zu 1.000 Euro

Polen ist neben Malta, Irland und Andorra eines der wenigen Länder in Europa, in denen Schwangerschaftsabbrüche verboten sind. Wegen des Verbots finden viele Abtreibungen, die in Polen auf dem Schwarzmarkt umgerechnet bis zu 1.000 Euro kosten, unter unhygienischen Bedingungen statt. "Auch wenn etwas schief geht, müssen die Frauen ihren Schwangerschaftsabbruch geheimhalten, weil dieser in Polen moralisch stark verurteilt wird", sagt Katharina Mahrt.

In Deutschland sind Schwangerschaftsabbrüche bis zur 12. Woche straffrei.

Mit Informationen von Wioletta Weiss (rbb-Studio Frankfurt)

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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