Kurz vor der Urteilsverkündung im «Maskenmann»-Prozess am 12.06.2015 unterhält sich der Angeklagten Mario K. (l) mit seinem Anwalt Axel Weimann im Verhandlungssaal am Landgericht in Frankfurt (Oder) (Brandenburg) (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 12.06.2015 | Markus Woller

Entführung, Erpressung und versuchter Mord - Verteidigung im "Maskenmann"-Prozess legt Revision ein

Ein schweigender Angeklagter, der sein Gesicht verdeckt, Millionärsfamilien als Nebenkläger - und ein Kajak. Es sind merkwürdige Prozessmomente, die in Erinnerung bleiben werden. Im so genannten "Maskenmann"-Prozess verurteilte das Gericht den Angeklagten am Freitag zu einer lebenslangen Haftstrafe. Die Verteidigung ging jedoch in Revision.

Der Angeklagte im "Maskenmann"-Prozess ist am Freitag vom Landgericht Frankfurt (Oder) zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richter sprachen den 47-Jährigen unter anderem des versuchten Mordes schuldig. Die Kammer folgte damit im Wesentlichen den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Sie hatte dem 47-Jährigen vorgeworfen, im Jahr 2011 und 2012 zwei Millionärsfamilien in Ostbrandenburg überfallen und einen Banker entführt zu haben. Die Verteidigung hatte auf Freispruch für ihren Mandanten plädiert und auch nach der Beweisaufnahme argumentiert, der Angeklagte habe nichts mit der Tat zu tun, hier sitze der Falsche vor Gericht.

Mammutprozess für einen scheinbar klaren Fall

Der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs sah es als erwiesen an, das der 47-Jährige durch eine Entführung Lösegeld erpressen wollte, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Dabei habe er auch mit Tötungsabsicht auf einen Wachmann geschossen, der seitdem im Rollstuhl sitzt. Ihm müsse der Verurteilte nun 250.000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Allerdings ist das Urteil nun nicht das Ende dieses Falls. Die Verteidigung legte laut dem Gericht wenige Stunden nach dem Spruch der Kammer Revision ein. Auch die Opferseite, die im Prozess als Nebenkläger aufgetreten waren, erwägt laut ihrem Anwalt Jakob Danckert, in Revision zu gehen.

Sehr langsam nur hatte sich während des Verfahrens gezeigt: Dieser Kriminalfall führt zu einem Mammutprozess. Denn es war zu Prozessbeginn von den Beobachtern nicht erwartet worden, dass sich die Verhandlung derart in die Länge zog und immer neue Wendungen nahm. Auch nach einem Jahr Verhandlung stützte sich die Anklage vor allem auf Indizien und hatte kaum klare Beweise, einer dieser Beweise ist das vermutete Entführerboot, dass dann auch im Gerichtssaal präsentiert wurde.

Reaktionen auf das Urteil

  • Axel Weimann, Verteidiger des Angeklagten

  • Jakob Danckert, Nebenklage-Anwalt

  • Matthias Fuchs, Vorsitzender Richter des Verfahrens

  • Helmut Lange, Leitender Oberstaatsanwalt

  • Martin Heger, Professor für Strafrecht an der HU Berlin

  • Ursula Nonnenmacher, Landtagsabgeordnete B'90/Grüne

  • Björn Lakenmacher, innenpolitischer Sprecher CDU-Fraktion

Der Fall: Ein Maskierter knüppelt 2011 eine Unternehmergattin vor ihrer Villa in Bad Saarow (Oder-Spree) nieder. Monate später wird dann auf die Tochter geschossen. Ein Wachmann schützt die junge Frau und wird getroffen. Er sitzt seither im Rollstuhl. 2012 wird unweit des ersten Tatortes ein Banker auf eine Schilfinsel entführt. Der Täter fordert Lösegeld. Das Opfer kann sich befreien und fliehen. Bei allen Taten trägt der Täter eine Art Imkermaske – verkürzt wird damit der Täter zum Maskenmann.

Ein früherer Dachdecker aus Berlin, der bereits wegen anderer Delikte im Gefängnis saß, wird dann für die Staatsanwaltschaft zum Hauptverdächtigen. Der Mann hatte in der Region laut Urteil unter anderem Yachten angezündet und ist nach Überzeugung der Ermittler der “Maskenmann“. Der 47-Jährige - kurze Haare, Brille, wacher Blick – aber schweigt. Er sei der Falsche, lässt er zu Prozessbeginn über seine Anwälte erklären.

Immer wieder neue Wendungen

Während des Prozesses wurde klar: Gleich mehrere mit dem Fall betraute Polizisten und eine Kriminologin zweifelten an der Darstellung des Entführungsopfers. Als Zeugen berichteten Polizeibeamte, dass sie nicht in alle Richtungen - etwa einer fingierten Entführung – hätten ermitteln dürfen. Der damalige Polizeipräsident Arne Feuring geriet unter Druck. Die Verteidiger kritisierten zudem, dass der Spur eines anderen möglichen Verdächtigen nicht nachgegangen und der Verdacht vorschnell zu den Akten gelegt worden sei.

Überraschende Entscheidung kurz vor Prozessende

Wenige Tage vor Prozessende hatte ein "Tagesspiegel"-Bericht für Aufregung im Prozess gesorgt: Mit einer mehrseitigen Recherche zur Tat hatte das Blatt versucht zu belegen, dass die Polizei Spuren vernachlässigte und dass neben dem Angeklagten eine mögliche Tatbeteiligung eines weiteren Verdächtigen - ein Ex-Polizist - genauer geprüft werden müsse. Die Ermittler hätten hier mehrere Spuren nicht geprüft.

In Reaktion auf den Antrag der Verteidigung wurde dann vor den Plädoyers der Anwälte des Angeklagten noch einmal die Beweisaufnahme eröffnet, allerdings dann auch sehr schnell wieder geschlossen und die Möglichkeit einer Verbindung des Polizeibeamten zur Tat verworfen.

Mit Informationen von Dominik Lenz

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren

Bei der Fortsetzung im «Maskenmann»-Prozess am 04.06.2015 kommen die beiden Anwälte des Angeklagten Naila Widmaier (l) und Axel Weimann in den Verhandlungssaal am Landgericht in Frankfurt (Quelle: dpa)

Fragen und Antworten zum "Maskenmann"-Prozess - Ein Tag voller Überraschungen

Der "Maskenmann"-Prozess befindet sich kurz vor dem Abschluss. Am Donnerstag hat die Verteidigung ihr Plädoyer gehalten. Doch der Prozesstag startete mit einer Kehrtwende: Statt den Schlussworten, eröffneten die Richter nochmals die Beweisaufnahme. rbb-Reporter Oliver Meurers über die wichtigsten Erkenntnisse des Tages.