Streit um Schilder in Templin (Quelle: rbb-Fernsehen)

"Pastafaris" wollen als Glaubensgemeinschaft anerkannt werden - "Spaghettimonster-Kirche" verklagt das Land Brandenburg

Angekündigt hatte sie den Schritt bereits im Januar, nun ist tatsächlich ein Schreiben beim Potsdamer Landgericht eingetrudelt: Die so genannte "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" verklagt das Land Brandenburg. Damit wollen ihre Anhänger die Gleichbehandlung mit Religionsgemeinschaften erreichen - und dass ihre "Nudelmessen"-Schilder in Templin offiziell geduldet werden.

Der Streit um Hinweistafeln der sogenannten "Spaghettimonster-Kirche" in Templin (Uckermark) hat die Justiz erreicht. Die "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland" (FSM) hat eine Klage gegen das Land Brandenburg beim Landgericht Potsdam Klage eingereicht. Deren Eingang bestätigte ein Gerichtssprecher am Dienstag. Nun werde geprüft, welcher Gerichtsbezirk zuständig sei, hieß es.

Die "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" ist ein Verein, der sich selbst als Weltanschauungsgemeinschaft versteht. In einem Zivilrechtsstreit will der Verein nun die Gleichbehandlung mit Religionsgemeinschaften erreichen.  

Richter hält Landgericht Frankfurt/Oder für zuständig

Der mit dem Fall befasste Richter habe den Klägervertreter, einen Rechtsanwalt aus Münster, darauf hingewiesen, dass nach seiner Auffassung das Landgericht Frankfurt/Oder zuständig sei, sagte die Gerichtssprecherin.

Hintergrund sei, dass der Landesbetrieb Straßenwesen als Vertreter des Landes in dem Verfahren seinen Sitz in Hoppegarten im Gerichtsbezirk Frankfurt/Oder habe. Der Anwalt, der nach eigenen Angaben nicht Mitglied der Spaghettimonster-Kirche ist, habe nun eine Woche Zeit, dazu Stellung zu nehmen.

Templins Schilderstreit läuft seit vergangenem Jahr

Der "Kirchen"-Verein hatte Ende 2014 mit satirischen "Spaghettimonster"-Schildern in Templin (Uckermark) für Aufsehen gesorgt. Auf den Schildern wurde auf die Uhrzeit der wöchentlichen "Nudelmesse" des Vereins hingewiesen. Am selben Mast waren auch die Schilder von Kirchen mit ihren Gottesdienstzeiten befestigt.

Kurz nach Anbringung waren die Schilder zunächst vom Straßenbauamt abgehängt, dann zurückgegeben und wieder aufgehängt worden. Zuletzt waren sie von Unbekannten sogar beschmiert und umgehängt worden. Mit Erlaubnis der Stadtverwaltung durfte sie der Verein aber ersatzweise an einige Masten für die Städtepartnerschaften Templins hängen. Die Schilder hätten dort "Asyl", bis der Rechtsstreit beendet sei, sagte Bürgermeister Detlef Tabbert (Linke) damals.

"Nudelmesse"-Schilder hinter dem Ortseingang von Templin

Die "Spaghettimonster-Kirche" will laut Klageschrift eine offizielle Genehmigung ihrer Gottesdiensthinweisschilder hinter den Ortseingangsschildern von Templin erreichen. Neben den Hinweisschildern sollen auch Zusatzschilder mit dem Schriftzug "PAZ-Gedächtniskirche" aufgehängt werden.

"Die bindende Verpflichtung, regelmäßig an Messen oder religiösen Riten teilnehmen zu müssen, kennt der Pastafarianismus nicht", heißt es in der Klagebegründung. "Genauso wie evangelische Christen betrachten Pastafari ihre Messe als Angebot, nicht als Verpflichtung." Ein Werben für ihre Messen habe das Land Brandenburg zu dulden.

"Religionsparodie statt Glaubensgemeinschaft"

Brandenburgs Landesregierung hatte sich Ende 2014 klar positioniert. Laut Kulturministerium handele es sich bei dem kirchenkritischen Verein nicht um eine Glaubensgemeinschaft, sondern um eine Religionsparodie "ohne ernsthafte religiöse Substanz", wie Kulturministerin Sabine Kunst (SPD) in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Fraktion im Potsdamer Landtag im Dezember 2014 erklärte.

Doch dass sich die "Spaghettimonster-Kirche" satirischer Mittel bediene, sei Teil der Ausgestaltung ihres Glaubens und unterliege ihrem Selbstbestimmungsrecht, wie der Verein mitteilte. Mit ihrer speziellen Form der Religionsausübung unter anderem mit den "Nudelmessen" sollen nach eigenen Angaben wissenschaftliche Weltanschauungen gefördert werden.

Falls die Klage erfolgreich sein sollte, geht der FSM-Verein davon aus, dass das Land Brandenburg in Berufung gehen wird. Auch deshalb hat er seine Anhänger am Dienstag zu Spenden für den Prozess aufgerufen

Hintergrund

"Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters"

Die Pastafaris, also die Anhänger der "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" (FSM), sind eine weltweit organisierte Gruppe von Religions- und Kirchenkritikern. Ihre "Nudelmessen" zelebrieren sie in Piratenkostümen, mit Bier und Pasta statt Wein und Brot, und einem vom Nudelholz abgelesenen Glaubensbekenntnis auf das "Fliegende Spaghettimonster". Entstanden ist die Bewegung als satirische Reaktion von Atheisten auf fundamentale Christen in den USA.

Vor allem über das Internet breitete sich die "Spaghettimonster-Lehre" rasant aus, auch in Deutschland fanden sich schnell Anhänger. Zu den aktivsten Gemeinden gehört die von Rüdiger Weida in Templin: Seit einigen Jahren ist die dortige FSM-Kirche sogar ein eingetragener Verein; in diesem Jahr weihte sie nach eigenen Angaben die "erste pastafarianische Kirche weltweit".

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8 Kommentare

  1. 6.

    Hier zeigt sich wieder einmal die nicht zeitgemäße Sonderstellung der Relligion in unserer Gesellschaft. Es gibt keinen rationalen Grund einen kirchenkritischen Verein anders zu behandeln als eine religiöse Gemeinschaft. Die Vorstellung, die Welt wäre von einem fliegendem Spaghettimonster geschaffen, ist meiner Meinung nach auch nicht absurder, als der Glaube an ein unsichtbares Wesen, das die Welt in 7 Tagen geschaffen haben soll, oder eine jungfräuliche Empfängnis. Was die Pastafaris von anderen Religionsgemeinschaften unterscheidet, ist dass sie intelligent genug sind, diesen Unsinn nicht ernsthaft zu glauben.

  2. 5.

    Ja, so weit sind wir schon...und das erschüttert mich...Gottes biblische Gebote werden mit Füßen getreten, ja Gott selbst wird mit Füßen getreten und verspottet. Ich kann inzwischen sehr gut nachvollziehen warum sich Gott von so vielem in unserem Leben zurückgezogen hat und nicht mehr antwortet. Man sieht dass der Teufel um sich schlägt und alles zerstört was Gott geschaffen hat, aber...wie gut zu wissen dass er durch das Kreuz Jesu besiegt wurde, er ist ein Besiegter, Gott hat den Sieg schon längst errungen, er lässt ihn nur noch eine Weile gewähren bis die Zeit des Gerichtes gekommen ist, und alle die an den einen wahren Gott geglaubt haben, werden mit ihm leben.
    Denn es heißt in der Bibel: Sosehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. ( Johannes 3,16)
    Und für alle die Gott so leichtfertig verspotten ...GOTT LÄSST SICH NICHT SPOTTEN!!!!

  3. 4.

    Liebe Brüder,

    ihr werdet dem rbb nicht gerecht. Der berichtet hier völlig richtig über die "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland", unseren Verein. Weiter gibt es in Deutschland noch die "Erste Vereinigte Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters", eine weitere ist mir nicht bekannt.

    Natürlich habt ihr Recht, es sind nicht alle Pastafari in unserer Kirche. Die allermeisten sind einfach "freie" Pastafari ohne kirchliche Bindung. Deshalb bilden die aber keine eigene Kirche, genau so wenig wie nichtkonfessionelle Christen eine eigene Kirche bilden.

    Also alles richtig in dem Artikel.

  4. 3.

    Sehr gut. Diese Differenzierung finde ich ebenfalls nötig. Auch wenn die Gemeinde Bruder Spaghettus' Vorreiter im Sinne des Kampfes für Glechberechtigung der Kirche ist, so halte ich es töricht, anzunehmen, dass diese eine (halboffizielle) Vertretung der Pastafaris in Deutschland sein kann, denn es gibt allein schon viel mehr.

    Dennoch, Danke, Bruder Spaghettus. Mit einzelnen Schildern beginnt es! Weiter so!

    Ramen

  5. 2.

    Satirische Elemente sind doch gerade zu Basisgrundlagen jeder Religion. Beispiele gibt es zu genüge: Leute die über Wasser gehen, Jungfrauengeburten, Weltentstehungsmärchen. Feste Anhänger einer Religion zeigen ihre Zugehörigkeit ja gerade dadurch, diese Diskrepanz zwischen Satire und Realität auszuhalten! Darin kann sich der wahre Meister innerhalb einer Religion doch erst positionieren! Seine Gefolgschaft ( der Ursprung des Begriffs "Demut") beweisen! Ich verstehe nicht, warum dieser Fakt ausgerechnet den Pastafaris angekreidet werden soll!?

  6. 1.

    In dem Bericht werden zwei Dinge vermischt. Der Verein und die Kirche. Die große Mehrheit der Pastafarianer ist nicht Mitglied im Verein. Der Verein, den Bruder Spaghettus gegründet hat, vereinfacht einige organisatorische Dinge und verbessert den Informationsfluss. Die Stellungnahmen des Vereins gehen meist im Einklang mit dem Glauben an das FSM. Sie haben aber keinerlei verbindlichen Charakter für die Gläubigen. Bitte differenzieren Sie das! Sie setzen die katholische Kirche ja auch nicht mit dem Opus dei gleich.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

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