Zwei Mitarbeiterinnen der Zitadelle Spandau entfernen am 10.09.2015 Sand vom Granitkopf des 1991 demontierten Lenindenkmals. (Quelle: dpa)

Aus dem Köpenicker Exil nach Spandau - Genosse Lenin ist wieder da

24 Jahre lang ruhte die zerstückelte Berliner Lenin-Statue an einem geheimen Ort in der Seddiner Heide. Doch nun wurde der Granitkopf des russischen Revolutionsführers ausgebuddelt und nach Spandau gebracht, wo er ausgestellt werden soll. Um den Zeitpunkt der Ausgrabung war lange ein Geheimnis gemacht worden - zum Schutz kleiner, grüner Anwohner. Von Sabine Prieß

Nach 24 Jahren unter märkischem Sand in Berlin-Köpenick ist der Kopf des Lenin-Denkmals am Donnerstag zu seinem neuen Standort in der Spandauer Zitadelle gebracht worden. Der Kopf der Statue ist gut erhalten, nur vom linken Ohr fehlt ein kleines Stück. Er wird dort in Spandau ab dem kommenden Jahr in der Ausstellung "Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler" gezeigt werden.

Die Lenin-Statue hat eine bewegte Vergangenheit.

Früher Leninplatz, heute Platz der Vereinten Nationen

Heute zieren tonnenschwere Findlinge den Platz der Vereinten Nationen in Ost-Berlin, den früheren Leninplatz. Umringt von Hochhäusern war der Platz einst jedoch ein Vorzeigeobjekt der DDR-Spitze, gekrönt von einem riesigen Lenin-Monument aus ukrainischem Granit. Das Denkmal sollte an den Anführer der sozialistischen Oktoberrevolution erinnern.

Zum 100. Geburtstag von Wladimir Iljitsch Uljanow war das Denkmal am Leninplatz 1970 feierlich im Beisein tausender Ost-Berliner eingeweiht worden. Entworfen hatte die Statue der Präsident der sowjetischen Akademie der Künste, Nikolai Tomski, höchstpersönlich.

Fragwürdiger Umgang mit deutsch-deutscher Geschichte

Auf Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain und mit ausdrücklicher Billigung des Senats rollten jedoch am 6. November 1991 Kräne an, und es liefen die Trennschleifer heiß: Die 19 Meter hohe Lenin-Statue fiel - trotz vieler Proteste. Der Abriss des Denkmals hatte zu Menschenketten und Blockaden geführt, die von der Polizei aufgelöst wurden. Die Abrissgegner forderten nicht nur den Erhalt der Statue, sondern auch einen behutsameren Umgang mit der Geschichte der DDR.

Ukrainischer Granit, verbuddelt im märkischen Sand

Nach umfangreichen Trennschleifarbeiten rollte dennoch Lenins Kopf. Umwickelt mit einer roten Schlinge um Hals und Stirn wurde das Haupt des Kommunistenführers am 13. November 1991 auf einen Tieflader gehievt und zusammen mit drei weiteren Granitblöcken an einen geheimen Ort gebracht.

Endstation für den zerstückelten roten Riesen war für viele Jahre lang ein Waldstück in der Seddiner Heide bei Müggelheim in Köpenick. In einer alten Kiesgrube fand er, in insgesamt 130 Teile zerlegt, seine letzte Ruhe.

Hier, im tiefsten Südosten Berlins, wuchs Gras über Geschichte und Lenins Grab, auf dem russischen Revolutionär siedelten sich Birken und Eidechsen an - bis sich Ausstellungmacher aus Berlin-Spandau vornahmen, den Kopf der Lenin-Statue als Kernstück der Ausstellung "Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler" zu zeigen. Für Ausgrabung und Transport des Kopfes standen Fördermittel bereit.

Eine Zauneidechse sitzt auf einem Ast (Quelle: imago/CHROMORANGE)
Große Geheimniskrämerei: Die Zauneidechse soll vor dem Ansturm Neugieriger geschützt werden.

Viel Spott und Häme für den Berliner Senat

Was dann folgte, glich einem mehrjährigen Treppenwitz: Berlins Senatsverwaltung sprach sich gegen die Bergung aus. Aus finanziellen Gründen und - noch weniger nachvollziehbar - weil man zudem nicht mehr genau wisse, wo Lenin genau liege. Nach viel Kritik und Häme knickten die Entscheider dann allerdings ein.

Doch bevor es mit der Freilegung losgehen konnte, musste erst die gemeine Zauneidechse, es handelt sich hier um ein geschütztes Tier, mithilfe einer Sondergenehmigung umgesiedelt werden. Das wiederum gelang nur unter erschwerten Umständen, weil die Echse einen langen Winterschlaf hält und dabei nicht gestört werden sollte. "Die Auflagen vom Naturschutz sind wirklich hoch", bestätigte Sprecherin Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung noch im August.

Nun ist Lenin endlich in Spandau angekommen

Der 1,70 Meter hohe und 3,5 Tonnen schwere Granitkopf wurde am Donnerstag nun tatsächlich freigelegt. Per Kran wurde er im Beisein einzelner Journalisten aus einer alten Kiesgrube gehoben, mit einer Plane bedeckt und dann per LKW quer durch die Stadt zur Spandauer Zitadelle transportiert.

Der genaue Ausgrabungstermin war zuvor lange geheim gehalten worden. Denn die sensiblen Eidechsen sollen vor einem Ansturm von Schaulustigen bewahrt werden. Die Tierchen, die sich nun einen Sandhügel weiter tummeln, vertragen größere Erschütterungen und viel Getrampel nicht. 

Ab 2016 soll der Kopf Lenins - auf einem Sockel ruhend - das Highlight der Ausstellung "Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler" sein.

Ein Kopf ohne Rast und Ruh

Beitrag von Sabine Prieß

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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