Gedenken an ermordetes Flüchtlingskind Mohamed am Lageso in Berlin (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Video: Abendschau | 31.10.2015 | Andreas Jöhrens

Nach den beiden Mordfällen - Trauer um Mohamed und Elias

Die beiden Mordfälle, die in dieser Woche aufgedeckt wurden, sind den Menschen nahe gegangen. In  Berlin und auch in Potsdam trugen sich am Samstag Bürgerinnen und Bürger in Kondolenzbücher ein und zündeten Kerzen an. Der Schrebergarten des mutmaßlichen Täters in Luckenwalde, in dem die Polizei am Freitag eine Leiche gefunden hatte, wurde gründlich durchsucht.

An vielen Orten in Berlin und Brandenburg haben die Menschen am Samstag Anteil am Tod von Elias und Mohamed genommen. In seiner Predigt zum Reformationstag in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin sagte der Berliner Bischof Dröge, er denke an diesem Tag besonders an die beiden Jungen. Alle könnten und sollten Anteil nehmen durch Gebete, Kerzen und Hilfe.

Am Landesamt für Gesundheit und Soziales, wo am 1. Oktober der vierjährige Mohamed verschwunden war, kamen erneut Menschen zusammen, um Kerzen aufzustellen. Ebenso am Bürgerhaus im Potsdamer Stadtteil Schlaatz. Dort hatten sich Anwohner im Juli getroffen, um gemeinsam nach dem verschwundenen Elias zu suchen. Gegen den mutmaßlichen Mörder beider Jungen war am Freitag Haftbefehl erlassen worden.

Polizisten durchsuchen Schrebergarten in Luckenwalde

Der Schrebergarten des Beschuldigten in Luckendwalde wurde am Samstag gründlich durchsucht. Dort war am Freitag eine Leiche gefunden worden, bei der es sich wahrscheinlich um den getöteten Ellias handelt. Der Tatverdächtige hat beide Morde gestanden, seit Freitag sitzt er in Untersuchungshaft. In beiden Fällen werde weiter ermittelt, sagte ein Polizeisprecher am Samstag, die Obduktion der gefundenen Leiche dauert an. Das Ergebnis soll erst am Montag bekanntgegeben werden.

Auch das Wohnhaus des mutmaßlichen Täters und seiner Eltern im brandenburgischen
Niedergörsdorf und den dortigen Garten wollten Polizisten durchsuchen. Die Ermittlungen sollen klären, ob es nicht doch einen Bezug zu dem Verschwinden der fünfjährigen Inga Anfang Mai in Stendal in Sachsen-Anhalt gibt. Bisher gibt es darauf aber keine Hinweise.

Prozess in Brandenburg

Am Freitagnachmittag hatte die Polizei auf Hinweis des Mannes eine Leiche in einem Schrebergarten in Luckenwalde gefunden. Auf die menschlichen Überreste waren die Ermittler im Zusammenhang mit dem Fall des in Berlin entführten und getöteten Mohamed gestoßen. Der Tatverdächtige hatte gestanden, nicht nur den Vierjährigen, sondern auch Elias getötet zu haben. Den Fundort der Leiche soll er auf einer Karte markiert haben. Eine Obduktion soll nun klären, ob es sich bei der Leiche wirklich um Elias handelt. Das will die Polizei am Montag bekannt geben. Der Prozess soll dem Mann in Brandenburg gemacht werden, denn dort geschahen beide Morde und eine der beiden Entführungen.   

Paket in Schrebergarten vergraben

Bei der Suche nach Elias hatten die Ermittler in einer Kleingartenanlage in Luckenwalde (Teltow-Fläming) ein vergrabenes Paket gefunden. Es soll sich im Schrebergarten des mutmaßlichen Mörders befunden haben, den dieser vor rund einem Jahr gepachtet hatte. "Erste Untersuchungen am späten Nachmittag ergaben, dass sich in dem Paket ein menschlicher Leichnam befindet", teilte die Polizei mit.

Die menschlichen Überreste werden nun in der Gerichtsmedizin in Berlin untersucht, die auch schon den vierjährigen Mohamed obduziert hatte, sagte der Leiter der Sonderkommission "Schlaatz", Michael Scharf, am Freitagabend dem rbb. Auch ein DNA-Abgleich soll dabei durchgeführt werden. Ersten Ergebnissen zufolge handele es sich "mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Kinderleiche", sagte Scharf.

Scharf zufolge hat der festgenommene 32-Jährige gestanden, Elias bereits kurz nach seinem Verschwinden am 8. Juli getötet zu haben. Im Gespräch mit Brandenburg aktuell sagte er, man müsse auch im Fall Elias davon ausgehen, dass der Tatverdächtige den Jungen sexuell missbraucht habe. Das sei aus den Vernehmungen hervorgegangen.  

Mohamed einen Tag nach seiner Entführung getötet

Der Tatverdächtige war am Donnerstag im Zusammenhang mit den Ermittlungen um den in Berlin-Moabit verschwundenen Mohamed im brandenburgischen Kaltenborn (Teltow-Fläming) festgenommen worden. Die Leiche des Vierjährigen wurde im Kofferraum seines Autos gefunden.

Wie die Ermittler am Freitag mitteilten, wurde er vor seinem Tod mehrfach sexuell missbraucht. Der 32-Jährige habe gestanden, Mohamed schon am Tag nach dessen Entführung mit einem Gürtel erwürgt zu haben. Er habe das Kind erdrosselt, um dessen Schreie zu unterbinden und Spuren zu verwischen, hieß es weiter. Zudem habe der Mann Angst gehabt, dass seine Eltern den Jungen hören könnten, da sie in der Wohnung unter ihm gewesen seien. Nach der Ermordung des Jungen habe der 32-Jährige die Leiche in eine Wanne auf den Dachboden gelegt und sie später mit Katzenstreu gegen den drohenden Geruch bedeckt.

32-Jähriger war "unbeschriebenes Blatt"

Seiner Aussage zufolge war der Mann am 1. Oktober zum Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit gekommen, um Spenden abzugeben. Deshalb habe er Spielzeug und Kuscheltiere dabei gehabt. Er sei dann auf Mohamed aufmerksam geworden und habe ihm ein Plüschtier geschenkt. Der Junge sei ihm gefolgt, daraufhin habe er Mohamed mitgenommen, sagte er laut den Ermittlern aus. Anschließend sei er zunächst mit dem Vierjährigen ziellos herumgefahren, ehe er ihn in seine Wohnung mitgenommen habe.

Die Angaben sind aus Sicht von Polizei und Staatsanwaltschaft glaubhaft. Auch die Ergebnisse der Obduktion des Vierjährigen würden die Aussagen des Mannes bestätigen. Im Fall Elias seien die Angaben des Tatverdächtigen nicht so detailliert gewesen. Er habe aber den Namen des Anfang Juli verschwundenen Jungen genannt und gesagt, dass er ihn in Potsdam entführt habe. Bei Vorlage eines Fotos habe er Elias eindeutig wiedererkannt.

Der 32-Jährige, der als Wachschutzmann in Potsdam arbeitete, sei polizeilich "ein unbeschriebenes Blatt" gewesen. Kontakte zu Pädophilen-Kreisen seien bislang nicht bekannt, hieß es.

Der Prozess um Elias und Mohamed beginnt

Rat für besorgte Eltern

Die Initiative Vermisste Kinder meldete sich zu Wort und wandte sich an all jene Eltern, die sich nun Sorgen um ihre Kinder machen. Sie plädiert dafür, dass Eltern das Selbstbewusstsein ihrer Kinder stärken, verweist aber auch darauf, dass solche Verbrechen Einzelfälle seien.

Eltern könnten mit ihren Kindern üben, sich lautstark zu wehren oder mit der Faust in die Luft zu schlagen, wenn ein Unbekannter sie mitnehmen wolle, sagte der Vorstand der Initiative, Lars Bruhns, der Deutschen Presse-Agentur. Letztlich würden Kinder aber zufällig Opfer von Verbrechen.

Kritik an Zuständen am Lageso

Mohamed war am 1. Oktober vom Gelände des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) entführt worden. Seine aus Bosnien stammende Mutter wollte bei der Behörde Geld abholen und hatte dafür einen Termin. Schon seit Monaten war das Gelände überfüllt, hunderte Flüchtlinge warteten täglich vor dem Gebäude. Nach der Entdeckung der Leiche des Vierjährigen wurde von verschiedenen Seiten erneut heftige Kritik an den chaotischen Zuständen am Lageso geübt.

Die Polizei ging im Fall des Vierjährigen früh von einem Verbrechen aus. Aufnahmen von Überwachungskameras zeigten Mohamed beim Verlassen des Geländes an der Hand eines unbekannten Mannes. Zuletzt waren noch einmal weitere Bilder einer privaten Kamera aufgetaucht und von den Ermittler veröffentlicht worden. Der entscheidende Hinweis kam von der Mutter des Tatverdächtigen, die die Polizei anrief.  

Elias war seit Anfang Juli verschwunden

Der sechsjährige Elias war seit dem 8. Juli vermisst worden. Er hatte mit seiner Mutter im Potsdamer Stadtteil Schlaatz gelebt und wollte am Nachmittag zu einem nahe gelegenen Spielplatz. Als die Mutter ihn dort abholen wollte, war der Junge spurlos verschwunden.

Die Polizei hatte im Fall Elias mehr als 1.000 Anwohner und Zeugen befragt. Etwa 1.900 Polizisten hatten sich an den Suchaktionen beteiligt, unterstützt wurden sie von zahlreichen Freiwilligen. Seit Mitte August waren die Ermittler von einem Verbrechen ausgegangen.

Am Freitagabend kamen viele Menschen in Potsdam-Schlaatz zu dem Ort, an dem die freiweilligen Helfer ihre Suche nach Elias organisiert hatten. Sie entzündeten Kerzen, legten Blumen und Kuscheltiere ab. 

Ermittlungen der Polizei im Landkreis Teltow-Fläming

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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