Bericht im russischen Staatsfernsehen - Berliner Polizei: 13-jähriges Mädchen wurde nicht vergewaltigt

Eine angebliche Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens aus Berlin-Marzahn durch mehrere Asylbewerber sorgt für wilde Spekulationen in sozialen Netzwerken, Menschen gingen am Montagabend auf die Straße, selbst das russische Fernsehen berichtet über den Fall. Dabei gibt es diesen Fall so gar nicht, sagt zumindest die Berliner Polizei.

Ein angeblicher Entführungs- und Vergewaltigungsfall eines 13-jährigen Mädchens aus Berlin schlägt im Netz momentan hohe Wellen - auch nachdem Russlands größter staatlicher Fernsehsender "Pervij kanal" am Samstag über Indizien zu Vergewaltigungen von deutschen Kindern durch Migranten berichtet und den angeblichen Berliner Fall in den Mittelpunkt einer vierminütigen Reportage ihres Berlin-Korrespondenten stellt.

Am Montagabend verhinderte die Polizei in Berlin-Marzahn eine Versammlung von 250 Menschen. Da es laut Polizei nicht zu den Taten gegen die Jugendliche gekommen ist, habe es für eine Demo keine Grundlage gegeben, sagte ein Polizeisprecher. 

Laut Berichten der Familie soll das Mädchen einer deutschrussischen Familie vor einer Woche morgens auf ihrem Weg zur Schule von mindestens drei ausländischen Männern im Berliner Ortsteil Falkenberg entführt, in eine Wohnung gebracht und dort missbraucht worden sein. Nach rund 30 Stunden sollen die Männer das Mädchen wieder freigelassen haben, wie etwa eine angebliche Tante des Mädchens dem russischen TV-Sender berichtet.

Polizei geht nicht von Entführung und nicht von Vergewaltigung aus

Die Berliner Polizei hat dieser Darstellung mehrmals widersprochen. "Nach den bisherigen Ermittlungen gab es weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung", sagte Polizeisprecher Karsten Müller am Montag dem rbb. In einer schriftlichen Mitteilung von Montagmittag heißt es ebenfalls, dass das Mädchen kein Opfer von Entführern gewesen sei. "Wir können keine weiteren Angaben machen - nicht nur wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens, sondern insbesondere auch zum Schutze des 13-jährigen Mädchens", sagte der Sprecher mit Nachdruck.   

Sicher ist bisher nur, dass es eine Vermisstenanzeige für das Mädchen aus dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf gab. Nach Angaben von Polizei sowie der Freiwilligen Feuerwehr in Berlin-Falkenberg, die über ihre Facebook-Seite bei der Suche nach dem kurzzeitig verschwundenen Mädchen geholfen hat, war der Teenager einen Tag später wieder aufgetaucht. Wie verschiedene Medien berichteten, halten die Eltern offenbar trotzdem an der Version fest, ihre Tochter sei vergewaltigt worden.

Berliner NPD demonstriert gegen "massenhafte sexuelle Übergriffe"

Wie der russische TV-Sender weiter berichtet, soll die Berliner Polizei das Mädchen zeitweise allein verhört und anschließend kein Strafverfahren eröffnet haben. In den sozialen Medien wird dies von vielen Nutzern angeprangert und behauptet, die Polizei würde Sexualverbrechen von Ausländern bewusst nicht verfolgen.

Solche Meinungen finden sich unter anderem auch auf verschiedenen Facebook-Seiten der rechtsextremen NPD, die Meldungen über den angeblichen Missbrauchsfall mehrfach verbreitete. Zudem veröffentlichten etwa ihr Berliner Landesverband und der Ortsverband in Marzahn-Hellersdorf auf ihren Seiten Bilder von einer Kundgebung mit dem Motto "Gegen die massenhaften sexuellen Übergriffe in Marzahn-Hellersdorf", die am Sonntag von einigen NPD-Anhängern abgehalten wurde.

Polizei ruft zu Sensibilität auf

Bei der NPD-Veranstaltung vor einem Einkaufszentrum in Berlin-Marzahn sprach nach eigener Aussage auch eine Cousine der 13-Jährigen, die öffentlich sagte, dass es den Missbrauch gegeben hätte. "Viele haben unsere Facebook-Einträge gesehen, unter denen leider sehr viele Kommentare standen, die behaupteten, dies sei nur Propaganda und fremdenfeindlicher Hass", sagte die Frau bei ihrer Ansprache, von der ein Video im Internet kursiert. "Es handelt sich aber nicht darum. Diese Tat wurde wirklich begangen."

Die Berliner Polizei appeliert unterdessen an die Nutzer in den sozialen Medien, mit dem Vermisstenfall sensibel umzugehen. Es gebe verschiedene Aussagen und Diskussionen, was wirklich passiert sei. Die Polizei bleibt aber bei ihrer Aussage, dass das Mädchen kein Opfer einer Entführung oder Vergewaltigung geworden sei.

+++ Information zum Vermisstenfall einer 13-Jährigen +++In den letzten Tagen ist uns aufgefallen, dass das Interesse...

Posted by Polizei Berlin on Monday, 18 January 2016
Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren