Eine entschärfte 250-Kilogramm schwere US-Fliegerbombe, ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg, liegt am 02.10.2014 in einem Wald in Potsdam. Der wurde in der Nähe des Potsdamer Regierungsviertels entdeckt. Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Bilanz 2015 für Brandenburg - Tonnenweise Weltkriegsmunition vernichtet

Granaten, Bomben und Munition für Handfeuerwaffen: Mehr als 200 Tonnen Munition aus dem Zweiten Weltkrieg sind im vergangenen Jahr in Brandenburg vernichtet worden. Das kostete das Land einen zweistelligen Millionenbetrag. Künftig kann Brandenburg mit mehr Geld vom Bund rechnen. Doch die Regierung ist noch nicht zufrieden.

Mehr als 200 Tonnen Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg sind 2015 in Brandenburg vernichtet worden: 25.000 Granaten, 800 Brandbomben und 120 Sprengbomben wurden unschädlich gemacht, wie das Innenministerium am Freitag berichtete. Auch 19 große Bomben mit einem Gewicht von jeweils mehr als 250 Kilo wurden fachgerecht entsorgt. Dazu kam Munition von Handfeuerwaffen.

Die Kosten für das Land betrugen mehr als 11,4 Millionen Euro. Auch in den Vorjahren hatte Brandenburg jeweils einen zweistelligen Millionenbetrag zur Beseitigung von Kampfmitteln der Amerikaner, Briten, Franzosen und Russen ausgegeben.

Bund soll klar stellen, wie zugesagte Gelder verteilt werden

Künftig kann Brandenburg hier mit mehr finanzieller Hilfe des Bundes rechnen. "Es ist ein Erfolg intensiver Bemühungen, dass der Bund nun auch zu seiner Mitverantwortung für die Beseitigung alliierter Kampfmittel steht", sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) laut einer Mitteilung vom Freitag. Er verlangte vom Bund Klarheit, wie die zugesagten Mittel verteilt werden sollen. Durch die Beteiligung des Bundes hofft Schröter, dass die Arbeiten mit größerem Tempo vorangetrieben werden können.

Bisher steuerte der Bund nur Geld bei, wenn es um die Beseitigung sogenannter reichsdeutscher Munition ging. Jetzt wird es erstmals auch Unterstützung für die Vernichtung von Kampfmitteln der Alliierten geben. Laut der Mitteilung sind dafür deutschlandweit 60 Millionen Euro bis zum Jahr 2019 vorgesehen, davon fünf Millionen Euro für dieses Jahr.

Woidke hofft auf mehr Geld vom Bund

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte sich allerdings nach dem Beschluss der Bundesbeteiligung durch den Bundestag nicht zufrieden mit der Höhe der Bundesmittel gezeigt. "60 Millionen hört sich erst einmal viel an. Aber wenn man sich die Aufgabe insgesamt anguckt, ist die Summe doch relativ bescheiden", sagte Woidke damals dem rbb. "Ich hoffe, dass es nicht das letzte Wort des Bundes ist."

In Brandenburg werden den Angaben zufolge immer noch auf rund 350.000 Hektar zivil genutzter Fläche Blindgänger vermutet. In keinem anderen Bundesland liegen so viele Blindgänger der Alliierten im Boden. Zu den regionalen Schwerpunkten gehören neben Oranienburg Potsdam, die Region südlich Berlins sowie Gebiete entlang von Oder und Neiße.

Zuletzt waren Ende November in Oranienburg (Oberhavel) gleich vier jeweils 250 Kilogramm schwere Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft worden. Das sei seines Wissens eine bis dahin deutschlandweit einmalige Aktion gewesen, hatte Kampfmittelräumer Peter Ewler damals erklärt.

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