Ein Mann wartet am 06.01.2016 in Berlin im Bezirk Steglitz-Zehlendorf auf eine S-Bahn am S-Bahnhof Botanischer Garten. In Berlin hat es am Mittwoch mehrere Zentimeter Schnee gegeben, was zu Einschränkungen im Berufsverkehr führte. (Quelle: dpa)
VIdeo: Abendschau | 06.01.2016 | Martin Krebbers

Dutzende Unfälle und Verspätungen - Ausfälle auf den Gleisen, Unfälle auf den Straßen

Minusgrade, bergeweise Schnee und eisglatte Straßen haben am Mittwoch in Berlin und Brandenburg den Verkehr durcheinander gebracht: Während es auf den Straßen zahlreiche Autounfälle gab, kämpft die Berliner S-Bahn mit massiven technischen Problemen. Und auf der Oder ist sogar ein Schiff vom Eis umschlossen worden und sitzt nun fest.

Das Winterwetter bringt weiter viele Autofahrer ins Rutschen: In Berlin wurden bis zum Nachmittag knapp 420 Verkehrsunfälle registriert, wie die Polizei mitteilte. Nach ihren Angaben verliefen die meisten Unfälle glimpflich. In Charlottenburg fuhr allerdings ein Autofahrer eine 48-jährige Frau an, die einen Zebrastreifen überquerte. Sie kam mit schweren Kopf- und Beinverletzungen ins Krankenhaus. Der Zebrastreifen soll zugeschneit gewesen sein.

Auf Brandenburgs Straßen krachte es allein bis zum Mittag 152 Mal, davon in mindestens 66 Fällen wegen Schnee und Eis, wie die Polizei am Mittwoch in Potsdam mitteilte. Bei 37 Karambolagen wurden Menschen verletzt, meist blieb es aber bei leichteren Blessuren. Unfallschwerpunkte waren die Autobahnen.

S-Bahn mit Antriebsproblemen

Bei der Berliner S-Bahn sorgt der Schnee wieder für große Probleme. Dabei ist vor allem der Verkehr auf der Ringbahn beeinträchtigt. Ein Sprecher sagte, es gebe Schwierigkeiten beim Antrieb der Züge. Sie könnten wegen vereister Schienen nicht mehr voll beschleunigen. Zu Ausfällen und Verspätungen kommt es am Mittwochabend laut der Bahn auf den Linien S2, S8 und S9 [Aktuelle Störungsmeldungen der S-Bahn]. Am Nachmittag war zudem ein Auto in der Sonnenallee gegen eine Brücke der S-Bahn gefahren. Der Verkehr auf der Ringbahn zwischen Treptow und Neukölln war daher zwischenzeitlich unterbrochen. Auch auf den Linien S41, S42, S45 und S46 kam es daher bis in den späten Abend immer noch zu Ausfällen und Verspätungen.

Starke Behinderungen gab es auch in Oranienburg. An einem Bahnübergang im Stadtteil Sachsenhausen blieb am Mittag ein Zug stecken, der fast zwei Stunden nicht bewegt werden konnte. Deshalb staute es sich im Straßenverkehr. Die Schlange reichte zeitweise bis in die Innenstadt zurück.

Busse im Schnitt 30 Minuten zu spät

Am Alexanderplatz ließ ein Eisblock sogar eine Straßenbahn entgleisen. Wie die Berliner Verkehrsbetriebe mitteilten, wurde jedoch niemand verletzt - die Bahn konnte später wieder auf die Spur gesetzt werden.

Die BVG berichteten auch, auf sämtlichen Buslinien gäbe es Probleme. Wo die Straßen nicht geräumt seien, hätten es die Busse wegen der Glätte schwer, sagte Sprecherin Petra Reetz dem rbb. Zudem führen auch die Autos sehr viel langsamer, so dass auch die Busse entsprechend fahren müssten.

Reetz sprach von Verspätungen von um die 30 Minuten auf allen Buslinien. Weil sich aber damit der ganze Takt verschiebe, stünden die Fahrgäste nicht 30 Minuten an den Haltestellen. Der BVG zufolge müssen Kunden auch im Tagesverlauf damit rechnen, länger unterwegs zu sein.

Über die sozialen Netzwerke musste sich die BVG viel Kritik und Spott anhören und reagierte darauf über Twitter:

Besonders viele Unfälle auf der A13

In Brandenburg gab es vor allem Blechschäden; Tote oder Schwerverletzte meldete die Polizei nicht. Auf der A15 fuhr ein Lastwagen auf der glatten Fahrbahn zwischen Forst und Roggosen gegen die Leitplanke. Der Fahrer wurde verletzt. Die Autobahn wurde danach gesperrt.

Auf der A2 Berlin-Magdeburg bei Wollin (Potsdam-Mittelmark) kippte ein Tieflader mit einem Bagger auf der Ladefläche in den Straßengraben, wie die Polizei berichtete. Der 59-jährige Fahrer wurde mit Platzwunden am Kopf ins Krankenhaus gebracht.

Auf der A12 Frankfurt (Oder)-Berlin bei Bad Saarow (Oder-Spree) stießen nach Polizeiangaben in der Frühe zwei Autos frontal zusammen, weil ein Wagen auf die Gegenfahrbahn geraten war. Zwei Menschen wurden verletzt.

Besonders viele Unfälle gab es auf der A13 und dem südlichen Berliner Ring. Wegen Straßenglätte wurde auf Teilabschnitten der A12 die Höchstgeschwindigkeit auf 40 km/h verringert.

BSR im Großeinsatz

Die Berliner Stadtreinigung BSR musste Kritik einstecken, weil sie mit dem Räumen nicht hinterher kam. Die BSR rechtfertigte sich, man sei mit 2.100 Mitarbeitern und 540 Räumfahrzeugen im Einsatz, um die Straßen frei zu bekommen.

BSR-Sprecher Sebastian Harnisch wies im rbb darauf hin, man könne nicht überall gleichzeitig sein. Es gebe verschiedene Dringlichkeitsstufen bei der Schneeräumung. Oberste Priorität hätten immer die Stadtautobahnen, die Hauptverkehrsstraßen und die Straßen mit Buslinien.

Vom ADAC hieß es aber, im Berufsverkehr seien erst sehr wenige Straßen schneefrei gewesen. So hätten auch die 110 ADAC-Pannenhelfer, die auf den Straßen in Berlin und Brandenburg unterwegs seien, Probleme gehabt, insbesondere auf der Stadtautobahn, sagte der Pressesprecher Daniel Tolksdorf dem rbb. Selbst am Mittag seien Hauptstraßen wie die Bundesallee noch nicht geräumt gewesen.

Flugausfälle in Tegel und Schönefeld

Auch an den Flughäfen Tegel und Schönefeld gab es Verspätungen und nach Angaben eines Sprechers vereinzelt Flugausfälle. Bis zum Mittag musste demnach jedes Flugzeug vor dem Start enteist werden, sofern es nicht nur zum Zwischenstopp in Berlin war. Damit Passagiere die letzten Schritte in den Flieger sturzfrei bewältigen konnten, wurden bei einer Airline einem Passagier-Bericht zufolge Decken ausgelegt.

Polnischer Schubverband liegt in der Oder zwischen Eisschollen fest (Quelle: dpa)
Schlepper versuchen den Schubverband freizubekommen

Schiffscrew sitzt in der Oder fest

Mitten in der vereisten Oder sitzt nördlich von Frankfurt eine Schiffsbesatzung fest. Eisbrecher können den Leuten nicht zur Hilfe kommen, weil der Fluss an der betreffenden Stelle bei Reitwein (Märkisch-Oderland) nicht tief genug ist, wie ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Eberswalde am Mittwoch erläuterte.

Die Crew des Schleppers, der einen Schiffsrohbau nach Stettin bringen sollte, hatte sich offensichtlich entgegen Warnungen aus Polen immer weiter stromabwärts bewegt. Nun versperrt das Eis den Polen auf dem Schubboot den Weg. "Das Eis schließt sie ein und schiebt sie immer weiter", sagte der Sprecher. Die Besatzung müsse sich in Geduld üben, bis das Eis taut.

Rodelpisten-Karte

Trotz der Probleme im Verkehr kann Schnee auch Spaß machen. Das Magazin LocaFox hat in einer Karte die besten Rodelpisten Berlins und Brandenburgs eingezeichnet. Die können alle mit der S-Bahn erreicht werden. Wenn sie denn fährt.  

Es lohnt sich auch, den Schlitten aus dem Keller zu holen: "Wir haben morgen auch noch Dauerfrost", sagte Wetterexperte Jörg Riemann von der Meteogroup am Mittwoch dem rbb. Es werde also nicht tauen. Gleichzeitig sei es nicht zu kalt, es bleibe trocken und die Sonne könne sich hin und wieder blicken lassen.

Ab Freitag gebe es dann jedoch Tauwetter. Am Wochenende sollen die Temperaturen über dem Gefrierpunkt liegen. Wegen der zu kurzen Frost-Zeit sollten Eisflächen auf Gewässern nicht betreten werden. Darauf wies am Mittwoch unter anderem das Deutsche Rote Kreuz hin.

Schnee-Spitzenreiter in Berlin-Brandenburg ist übrigens Oberbarnim. Dort war die Schneedecke nach Angaben von Meteorologen am Mittwoch elf Zentimeter dick. Durchschnittlich seien in der südlichen Prignitz, dem Großraum Berlin und dem Landkreis Märkisch-Oderland fünf bis zehn Zentimeter gefallen. Die Uckermark und die nördliche Prignitz seien nahezu schneefrei; im südlichen Brandenburg sei die Decke zwei bis acht Zentimeter dick.

Berlin und Brandenburg im Winter-Wunder-Ärger-Land

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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