Blumen auf dem U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz in Berlin erinnern an die Frau, die am Dienstag vor eine U-Bahn gestoßen worden war. (Quelle: dpa)

Nach U-Bahn-Tod in Berlin - Mutmaßlicher Täter saß noch bis Ende 2015 in der Psychiatrie

Der Mann, der am Dienstag auf dem U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz eine junge Frau in den Tod gestürzt haben soll, saß noch bis Ende 2015 in einer psychiatrischen Einrichtung. Das sagte am Samstag ein Sprecher des zuständigen Gerichtes. Doch die Hamburger Behörden wollen sich nichts vorwerfen lassen.

Der 28-Jährige aus Hamburg, der eine junge Frau in Berlin vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen haben soll, war bis Ende 2015 in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Die Unterbringung dort sei auf Antrag seines Betreuers erfolgt, sagte ein Hamburger Gerichtssprecher am Samstag.

Mögliche Fremdgefährdung stand nicht im Raum

Auch zuvor sei der Mann mehrfach in einer psychiatrischen Klinik gewesen, sagte der Sprecher. Dies sei immer auf Antrag des Betreuers geschehen, und zwar wegen möglicher Eigengefährdung. Über eine mögliche Fremdgefährdung sie dem Betreuungsgericht dagegen zuletzt nichts bekanntgeworden. "Der Unterbringungsgrund war immer Eigengefährdung", so der Sprecher.

Der Verdächtige soll die ihm unbekannte 20-Jährige am Dienstag ohne vorherige Kontaktaufnahme vor einen einfahrenden Zug gestoßen haben. Die junge Frau war überrollt worden und an ihren Verletzungen gestorben.

"Ich hoffe, Du bist an einem sichereren Platz"

Nach dem tragischen Tod der jungen Frau waren am Freitag an einem Geländer auf dem U-Bahnhof zwei bewegende Abschiedsbriefe angebracht worden. "Ich hoffe, Du bist an einem sichereren Platz als hier", heißt es in einem der beiden Schreiben, das mit "Deine Mami (Muttimaus)" unterzeichnet ist. "Du bist viel zu früh von mir gegangen." Auch die Schwester nahm offenbar auf diese Weise Abschied. In einem zweiten Brief heißt es: "Du warst und bist meine perfekte Schwester. Wie eine Mama und zugleich wie meine beste Freundin." Ob die Briefe tatsächlich von den beiden Frauen stammen, ist nicht bekannt.

Der Mann hatte sein mutmaßlich ahnungsloses Opfer am Dienstagabend mit Anlauf vom Bahnsteig vor den einfahrenden Zug gestoßen. Zeugen konnten den Mann festhalten und der Polizei übergeben. Inzwischen ist der mutmaßliche Täter in der Psychiatrie, möglicherweise leidet er an einer Schizophrenie. Einem Gutachten zufolge könnte der Mann daher schuldunfähig sein.

Rosen zum Gedenken an die junge Frau, die vor die U-Bhna gestoßen wurde (Quelle: rbb/Bartsch)
Auf dem U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz erinnern Blumen an das Opfer der schrecklichen Tat.

Hamburger Justizsenator weist Kritik von Henkel zurück

Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne) hatte  Kritik am Umgang mit dem mutmaßlichen Täter zurückgewiesen. In Richtung des Berliner Innensenators Frank Henkel (CDU) sagt er am Donnerstag: "Ich finde es in solchen Fällen nicht hilfreich, solche voreiligen Schuldzuweisungen zu machen".

Henkel hatte am Mittwoch gesagt: "Es muss die Frage gestellt werden, warum dieser Mann mit seiner Vorgeschichte nicht frühzeitiger gestoppt wurde." Nach bisherigen Erkenntnissen sei der Mann bereits in mehreren norddeutschen Ländern aufgefallen. "Ich glaube, Herr Henkel hat es sich da ein bisschen einfach gemacht", sagte Steffen. Jetzt gelte es zunächst, die Vorgeschichte zu der Tat des in Hamburg aufgewachsenen 28-Jährigen zu klären. "Wir sind gerade dabei, die ganzen Erkenntnisse zusammenzutragen."  

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