Pressekonferenz: Bewertung der Ermittlungen der Morde an Burak und Luke (Quelle: imago/Reiner Zensen)
Audio: Radioeins | 11.01.2016 | Interview mit rbb-Autor Philip Meinhold

Forderung der Opferfamilie - Bundesanwaltschaft soll "Fall Burak" übernehmen

Im April 2012 wurde der 22-jährige Burak in Berlin-Neukölln auf offener Straße erschossen. Der Täter wurde nie gefasst, der Fall ist bis heute ein Mysterium. Die Familie von Burak will jetzt die Bundesanwaltschaft einschalten: Ihrer Meinung nach ist ein rechtsextremer Hintergrund nicht ausgeschlossen.

Fast vier Jahre nach dem nicht aufgeklärten Mord an Burak Bektas in Berlin haben die Anwälte der Familie verlangt, dass die Bundesanwaltschaft den Fall übernimmt. Zur Begründung sagte Rechtsanwalt Ogün Paralayan am Montag, ein rechtsextremer Hintergrund sei bei der Tat nicht ausgeschlossen. Der Fall habe daher eine große Bedeutung, die über Berlin hinausreiche. Zudem seien Teile der türkischstämmigen Bevölkerung in Neukölln weiterhin verunsichert. Außerdem stelle sich die Frage, ob es sich nicht um eine Nachahmungs-Tat der NSU-Morde gehandelt habe.

Die Bundesanwaltschaft ist zuständig für besonders schwere Straftaten gegen die innere oder äußere Sicherheit des Staates. Die Mutter von Burak B. zeigte ein großes Foto ihres Sohnes und sagte: "Wir als Familie wollen, dass in dem Fall nicht nur in Berlin sondern auch bundesweit nach dem Täter gesucht wird. (...) Wir empfinden, dass die Polizei nicht mehr ordnungsgemäß ermittelt."

Die Anwälte der Familie kritisieren schon lange, dass nicht genug in Richtung eines rechtsextremen Tathintergrunds ermittelt wurde.

Verbindung mit anderem Mord prüfen

Die Anwälte und die Eltern von Burak Bektas forderten außerdem Polizei und Staatsanwaltschaft auf, einen Zusammenhang zu dem Mord an einem 31-jährigen Engländer im September in Neukölln genauer zu prüfen. Dieser wurde in der Nacht zum 20. September mit einer Schrotflinte auf der Straße erschossen. Ein 62-jähriger Mann sitzt als Verdächtiger in der Untersuchungshaft. Auch die Familie des getöteten Luke H. war am Montag auf der Pressekonferenz. Die Mutter von Luke H. zeigte ebenfalls ein Bild ihres ermordeten Sohnes und sprach von einer möglichen Verbindung zwischen den beiden Morden. Sie und ihr Mann würden verstehen wollen, was geschehen sei.

Rechtsanwalt Paralayan kritisierte: "Wir sind der Auffassung, dass die Staatsanwaltschaft dem Mord an Burak B. keine große Bedeutung zumisst." Die zuständigen Staatsanwälte hätten große Wissenslücken, wenn es um operative Fallanalysen und den Ablauf der Tat ginge. Obwohl eine ausländerfeindliche oder rechtsextreme Motivation des Täters nicht ausgeschlossen werde, habe es keine Anfragen beim Verfassungsschutz und keinen bundesweiten Abgleich mit anderen Landeskriminalämtern gegeben.

Staatsanwaltschaft: nur "gewisse Vergleichbarkeiten"

Rechtsanwalt Onur Özata forderte Polizei und Staatsanwaltschaft auf, den mutmaßlichen Mörder von Luke H. auch im zurückliegenden Fall Burak B. stärker ins Visier zu nehmen. Dies gelte insbesondere, weil der Name des jetzt Verdächtigen schon in dem ersten Fall von einem Hinweisgeber genannt worden war. Und weil dieser Verdächtige als Waffennarr und Rechtsextremer gelte.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat keine Verbindungen zwischen beiden Taten feststellen können. Nach dem bisherigen Erkenntnisstand ist der 62-Jährige nicht der Mörder von Burak Bektas, wie Sprecher Martin Steltner dem rbb sagte. Der Tatverdächtige schweigt zu den Vorwürfen.

Bis heute keine Spur des Täters

Burak Bektas stand in der Nacht zum 5. April 2012 mit Freunden vor einem Haus in der Rudower Straße und unterhielt sich. Plötzlich kam ein Mann auf die Gruppe zu und schoss ohne Vorwarnung mit einem Gewehr auf die jungen Leute. Burak Bektas starb, zwei seiner Freunde wurden schwer verletzt. Der Täter entfernte sich und wurde nicht gefasst.

Bis heute gibt es keine Hinweise auf einen Täter. Polizei und Staatsanwaltschaft sind auch noch nicht auf Verbindungen zu dem anderen Mord gestoßen.

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