Faschingszug des Festkomitees Berliner Karneval (Quelle: dpa)

Mit "Top-Star" Frank Zander - "Berlin Heijo" hat Tausende auf die Straße getrieben

Kölsch, Kamelle und Humptata - das gibt es nicht nur im Rheinland. In Berlin heißt der Ruf "Berlin Heijo" und lockte angeblich 100.000 Menschen auf die Straßen. Die Veranstalter des ersten Faschingsumzug nach drei Jahren Pause haben damit ihr Ziel erreicht. Geholfen hat wohl ein altbewährtes Zugpferd.  

Nachdem der Umzug 2014 und 2015 ausfiel, zogen am Sonntag wieder 1.500 Karnevalisten in 50 Karnevalsgruppen über den Berliner Kurfürstendamm. Der große Straßenumzug unter dem Motto "Die 5. Jahreszeit ist erwacht - Kinder an die Macht" startete um 11:11 Uhr am Adenauerplatz. Der Umzug konnte in diesem Jahr wieder stattfinden, weil sich diesmal ein Kostümhersteller als Sponsor fand, der bereit war, die Kosten zu decken.

Die Veranstalter, das Festkomitee Berliner Karneval e.V., sprach von 100.000 Menschen, die den Zug am Straßenrand verfolgten - exakt so viele, wie vorher angekündigt waren. Die Polizei, die den Zug begleitete, korrigiert solche Veranstalterzahlen oftmals nach unten. Diesmal zählte man die Zuschauer aber nicht mit, wie eine Sprecherin auf Anfrage von rbb online mitteilte - achtete aber darauf, dass es die Jecken nicht allzu doll trieben.

Frank Zander beim Ball der Wirtschaft (Quelle: dpa)
Frank Zander (73) soll die Berliner zum Karneval bekehren

Denn wie schon bei den früheren Auflagen galt eine strenge Lärm-Obergrenze für den Umzug. Laut dem Präsidenten des Komitees, Klaus Heimann, sei eine Lautstärke von 75 Dezibel erlaubt. Zum Vergleich: Ein Staubsauger erzeugt eine Laustärke von 68 Dezibel. In der Spitze - wenn der Zug also besonders laut "Berlin Heijo" rufen wird - könnten allerdings auch mal 83 Dezibel erreicht werden. Der "Karneval der Kulturen" dürfe auch nicht lauter sein, so der Präsident.

Frank Zander ist der Star

Der große Star des Umzugs - auf Werbeplakaten sprachen die Veranstalter sogar von "Top-Star" war der 73-Jährige Entertainer Frank Zander. Auf seinem eigenen Wagen beglückte er die Karnevalisten vor allem mit seiner Hertha- und Kneipenhymne "Nur nach Hause". Zitat: "Alle jubeln, wenn der Ball rollt, voll hinein ins Gegnertor. Und am Abend dann am Tresen, werden wir zum Libero, sowieso oh-oh oh-oh." 

Der Präsident des Festkomitees zeigte sich vorab sehr froh, dass Zander dabei war - obwohl der Sänger seiner Stadt beim Thema Karneval selbst nicht so recht traute. Laut Heimann sagte Zander öffentlich, den Berliner müsse man an die Hand nehmen und ihm sagen, dass er jetzt Karneval feiern solle.

Jede Menge Bonbons, aber kein Konfetti

Der Zug endete nach vier Kilometern am Breitscheidplatz. Im Anschluss gab es rund um die Gedächtniskirche eine große Abschlussveranstaltung. Zander nannte die vorher bereits Afterzug-Party".

Laut Festkomitee war das Sicherheitskonzept der Veranstaltung zwar auf 250.000 Besucher ausgelegt. Heimann sagte rbb online aber schon vorab, er wäre glücklich, "wenn wir die 100.000 knacken." Der gebürtiger Rheinländer weiß selbst, dass Berlin eher eine "Karnevalsdiaspora" ist. Seiner Ansicht nach liegt das daran, dass es einfach zu viele andere Events gibt, wo die Berliner hingehen können. Trotzdem werde es dieses Mal bestimmt gelingen, die Massen zu mobilisieren, hoffte Heimann. Dafür würden auch jede Menge Bonbons, Popcorn und Lutscher von den Wagen geworfen. "Konfetti werfen die in Cottbus. Wir nicht."

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