Polizeiautos stehen am Landgericht Frankfurt (Oder) (Quelle: Patrick Pleul/dpa)

Prozess nach mutmaßlichem Mord wegen Schulden - "Er wollte seinen Gläubiger bei dem Treffen töten"

Weil er einen Mann wegen Schulden umgebracht haben soll, steht seit Montag ein 54-jähriger Berliner in Frankfurt (Oder) vor Gericht. Die Anklage lautet auf Mord. Der Beschuldigte schwieg zum Prozessauftakt zu den Vorwürfen. Jetzt sind die Zeugen gefragt.

Acht Monate nach tödlichen Schüssen auf einen 48-Jährigen muss sich ein 54 Jahre alter Berliner vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) wegen Mordes verantworten. Er soll sein Opfer aus Habgier heimtückisch ermordet haben.

Sieben Schüsse aus nächster Nähe

Laut Anklage hatte der 54-Jährige bei seinem Bekannten, ebenfalls einem Berliner, Schulden in Höhe von 40.000 Euro. Er konnte und wollte diese aber nicht zurückzahlen. Im Mai 2015 verabredeten sich die Männer demnach nahe Ahrensfelde (Landkreis Barnim) auf einem Feldweg zwischen den Ortsteilen Neu Lindenberg und Birkholz.

Der jetzt Angeklagte soll dabei vorgegeben haben, er wolle seine Schulden zurückzahlen. Laut Staatsanwaltschaft war das aber nur ein Vorwand. "Stattdessen aber wollte er seinen Gläubiger bei dem Treffen töten", sagte Staatsanwältin Annette Bargenda bei der Anklageverlesung.

Nach einem kurzen Gespräch habe der Angeklagte eine Pistole gezogen und aus nächster Nähe fünf Schüsse auf die linke Körperseite seines ahnungslosen und überraschten Opfers abgegeben. Als der 48-Jährige daraufhin bäuchlings zu Boden fiel, schoss der Angreifer seinem Opfer laut Anklage noch zweimal ins Genick. Anschließend zog er den Sterbenden von der Fahrbahn weg an den Straßenrand. Ein Passant fand kurze Zeit später die Leiche am Wegesrand.

Mehrfach vorbestraft und arbeitslos

Knapp zwei Wochen später wurde der Angeklagte in Berlin festgenommen, nachdem Zeugen das mutmaßliche Fluchtfahrzeug beschrieben hatten. In dem Wagen konnte die Polizei Spuren  sichern. Der 54-Jährige sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Nach rbb-Informationen ist der Mann mehrfach vorbestraft, offiziell arbeitslos, wohnt aber in einer Luxusvilla.

Zeuge sah Mann mit Kapuze davonrasen

Das Verfahren ist ein reiner Indizienprozess, denn der Verdächtige soll sich bereits in den Vernehmungen nicht zu den Vorwürfen geäußert haben. Auch zu Prozessbeginn schwieg er. Unmittelbare Zeugen des Mordes gibt es laut Anklage nicht. Allerdings wurden am Montag Zeugen gehört, die die beiden Männer neben ihren geparkten Autos sahen, offenbar ins Gespräch vertieft.

Ein weiterer Zeuge schilderte, er habe im langsamen Vorbeifahren an den Autos eine leblose Person im Straßengraben liegen sehen. Aus den Augenwinkeln heraus habe er zudem eine Bewegung zwischen den beiden geparkten Wagen bemerkt. "Als ich in den Rückspiegel sah, bemerkte ich einen geduckt in ein Fahrzeug springenden Mann mit Kapuze. Der raste anschließend mit noch offenem Kofferraum in einem hellen Golf in die entgegengesetzte Richtung davon", erzählt der Zeuge. Daraufhin habe er angehalten und sei zu der leblosen Person zurückgegangen, so der 73-Jährige weiter. Er habe dann aber Schleifspuren, eine Blutlache an dem noch immer dort stehenden zweiten Auto sowie Patronenhülsen bemerkt und daraufhin die Polizei alarmiert.

Das Gericht hat für den Prozess insgesamt elf Termine angesetzt. Unter anderem sind Ermittlungsbeamte und Freunde sowie Familienangehörige des Opfers geladen. Das Urteil wird Anfang März erwartet.

Mit Informationen von Dorett Kirmse, Antenne Brandenburg

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