Prozessauftakt gegen freigelassenen Sexualstraftäter in Cottbus am 11.01.2016 (Quelle: rbb/Brandenburg aktuell)
Video: Brandenburg aktuell | 11.01.2016 | Philip Manske

Überlastetes Gericht führte zu Entlassung aus U-Haft - Prozess gegen freigelassenen Sexualstraftäter gestartet

Vor dem Cottbuser Landgericht hat am Montag der Prozess gegen einen Mann begonnen, der zwei Jungen mehrfach sexuell missbraucht haben soll. Der Angeklagte betrat den Gerichtssaal als freier Mann - er war aus der U-Haft entlassen worden, nachdem der Prozess zu lange auf sich warten ließ.

Vor dem Cottbuser Landgericht hat am Montag der Prozess gegen einen Mann begonnen, der zwei Nachbarsjungen 18 Mal sexuell missbraucht haben soll. Bis zum Prozessbeginn war unklar, ob der Angeklagte zum Prozessauftakt antritt, denn er war Ende November aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Der Verdächtige erschien zwar, äußerte sich zum Prozessbeginn am Montag aber nicht zu den Vorwürfen. Bei einer Verurteilung droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe. Ein Mitbewohner des Angeklagten sagte am Montag aus, er habe von den schweren Mißbrauchsfällen nichts mitbekommen.

Frist verpasst

Laut Anklage hat der Angeklagte zwei sechs und sieben Jahre alten Jungen, die mit ihm im gleichen Haus wohnten, mit Computerspielen in seine Wohnunng gelockt. Dort soll er sie Anfang letzten Jahres missbraucht haben. Im Mai 2015 wurde Haftbefehl ausgestellt, der Beschuldigte tauchte jedoch ab. Zielfahnder machten ihn schließlich in Bayern ausfindig.

Sechs Monate saß der Verdächtige in der JVA Cottbus-Dissenchen in Untersuchungshaft - im November musste er jedoch entlassen werden. Innerhalb der sechs Monate hätte der Prozess gegen ihn beginnen müssen, doch das Landgericht verpasste diese Frist. "Die Kammer hatte das Verfahren im September eröffnet, hat sich aber außer Stande gesehen, die Hauptverhandlung noch im Jahr 2015 beginnen zu lassen, weil die Kammer auch noch andere Verfahren auf dem Plan hatte", so der Sprecher des Landgerichts, Frank Merker, gegenüber dem rbb.

Zwei weitere mutmaßliche Sexualstraftäter freigelassen

Daraufhin musste der einschlägig Vorbestrafte freigelassen werden, wie der rbb öffentlich machte. Laut Paragraph 121 der Strafprozessordnung darf die Untersuchungshaft nur länger als sechs Monate dauern, "wenn die besondere Schwierigkeit oder der besondere Umfang der Ermittlungen oder ein anderer wichtiger Grund das Urteil noch nicht zulassen und die Fortdauer der Haft rechtfertigen". Das Brandenburger Oberlandesgericht entschied, dass dies im vorliegenden Fall nicht zutrifft und hat die beiden Angeklagten entlassen.

Grund für den Verfahrensstau am Gericht ist die dauerhafte Erkrankung eines Strafrichters. Dadurch mussten auch zwei andere, mutmaßliche Sexualstraftäter aus der Untersuchungshaft entlassen werden.

Mit Informationen von Phillip Manske und Iris Wußmann

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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