Gerichtsgebäude mit dem Schriftzug "Justizzentrum Potsdam" (Bild: DPA)
Video: Brandenburg aktuell | 14.01.2016 | Thomas Heinloth

Student vor dem Potsdamer Landgericht - Versuchter Mord oder Tat im Wahn?

Er soll im April letzten Jahres einen Polizisten fast erstochen haben. Dafür muss sich seit Donnerstag ein Student vor dem Potsdamer Landgericht verantworten - die Anklage lautet auf versuchten Mord. Allerdings muss noch geklärt werden, ob der Angreifer überhaupt schuldfähig war. Das Opfer jedenfalls ist bis heute nicht arbeitsfähig. Von Lisa Steger

Am Anfang stand eine Anzeige: Dem 25-jährige Studenten soll im Intranet der Fachhochschule Potsdam Todesdrohungen veröffentlicht haben. Kurz darauf erschienen vier Polizisten in seiner Wohnung, vorsichtshalber in schusssicheren Westen.

Der Student soll zunächst friedlich aufgetreten sein, sagte heute Staatsanwalt Jörg Möbius. Als der Mann aufgefordert wurde, sich eine lange Hose anzuziehen – die Polizei wollte ihn nämlich mitnehmen - griff er unvermittelt zu einem langen Messer und stach es einem dreißig Jahre alten Polizisten mit voller Wucht in die Schulter. Das Messer trat an der rechten Halsseite wieder heraus. "Der Beschuldigte handelte in Tötungsabsicht", ist Möbius überzeugt. "Er nutzte die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers aus." Der Vorwurf deshalb: versuchter Mord.

Student möglicherweise psychisch krank

Der Student griff danach einen zweiten Polizisten an, doch der zog seine Waffe. Daraufhin ließ der Angreifer sich fallen und stach sich selbst mehrfach in den Bauch, so der Staatsanwalt. Der Student erklärte den Beamten, er habe eine gespaltene Persönlichkeit und sei seit drei Monaten in psychiatrischer Behandlung.

Der schwer verletzte Beamte wurde drei Stunden lang notoperiert und verbrachte neun Tage im Krankenhaus. Der Student sitzt seit der Tat in einem psychiatrischen Krankenhaus. Dabei könnte es noch lange bleiben, denn ein vorläufiges psychiatrisches Gutachten ergab, dass er  zum Tatzeitpunkt vermutlich schuldunfähig war. Ob das stimmt, muss nun die Strafkammer entscheiden. Es gibt einen psychiatrischen Gutachter. Von ihm wird viel abhängen.

Krankenhaus statt Gefängnis möglich

In dem Gutachten ist die Rede von einer schizophrenen Psychose, "Dafür gibt es vielschichtige Gründe, an Drogenmissbrauch liegt es aber nicht", berichtet Verteidiger Karsten Beckmann.

Sollte der Student wirklich psychisch krank sein, käme er nicht ins Gefängnis, sondern in den Maßregelvollzug. Dabei steht nicht von Anfang an fest, wie lange er dort bleiben muss, betont Karsten Beckmann: "Es wird jedes Jahr geprüft, ob die weitere Unterbringung nötig ist." Das hänge davon ab, ob die psychiatrische Behandlung erfolgreich sei. Ärzte geben zwar ihr Gutachten ab, entscheiden muss aber die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts.

Theoretisch könnte der Student also – wenn er wirklich schuldunfähig war - in ein paar Jahren wieder frei kommen.

In dem Prozess wird es auch darum gehen, ob die Polizisten überhaupt wussten, mit wem sie es zu tun hatten. Ein Urteil ist im Februar zu erwarten.

Beitrag von Lisa Steger

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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