Das Bild des Toten Israeli Yosi Damari befestigt mit Aufklebern mit der Aufschrift "We stand with Israel" und die Israelische Flagge hängen an dem Tor der Klosterruine am Alexanderplatz (Quelle: rbb/Jörg Albinski)

Trinkgelage mit tödlichem Ausgang - Teilgeständnis im Prozess um getöteten Israeli abgelegt

Der Fall erregte weltweit Aufsehen: Voriges Jahr Ostern wurde in einer Kirchenruine in Berlin-Mitte die verstümmelte Leiche eines 22-jährigen Israeli gefunden. Jetzt hat der Täter ein Teilgeständnis abgelegt: Mit einem Wrestling-Griff habe er sich gegen den Israeli gewehrt – und dann habe er ihn merkwürdig verdreht auf dem Boden liegen sehen. Von Ulf Morling

Den grausigen Fund machte ein Flaschensammler am Ostersonntag 2015 auf dem Gelände der Kirchenruine in der Klosterstraße, unweit vom Alexanderplatz: Die Leiche des 22-jährigen Yosi D. war verstümmelt, der Schädel mehrfach gebrochen. Wie besinnungslos musste der Täter auf den Touristen aus Israel eingetreten haben.

Nur sechs Tage später wurde Fation D. in Ústí nad Labem in der Tschechischen Republik festgenommen. Er war nach der Tat zu seinem Cousin geflüchtet. Was steckte hinter seiner Tat? Antisemitismus? Schwulenhass? Oder war er nicht ganz bei Sinnen? Der 28-jährige Albaner schwieg zu dem Vorwurf, den jungen Mann aus Israel getötet zu haben, selbst noch zum Prozessauftakt Ende Dezember. Erst jetzt, am zweiten Verhandlungstag, packt er aus.

In einem Zimmer gewohnt

Täter und Opfer wohnten beide in Zimmer 405 in einem Hostel in der Karl-Liebknecht-Straße am Alexanderplatz. Fation D. war aus Belgrad zu einem Vorstellungsgespräch im Hard Rock Café nach Berlin geflogen. Yosi D. war schon eine Woche als Tourist in Deutschland unterwegs und kam am 1. April 2015 aus Frankfurt (Main) nach Berlin. Dem jungen Israeli war in seiner Botschaft das Hostel am Alex empfohlen worden.

Fation D. hatte Polizisten auf der Straße gefragt, wo man gut und preiswert übernachten könne. "Ich habe mich gefühlt wie ein Tourist", lässt Fation D. im Prozess seinen Anwalt für ihn aussagen. "Im Zimmer habe ich mit Yosi D. geraucht und gab ihm von meinem Duty-Free-Cognac aus dem Flugzeug ab. Er erzählte mir, dass er aus Brasilien komme und auch in Berlin arbeiten wolle."

Gemeinsam durch die Stadt gezogen

Am Tattag sollen sich Täter und Opfer mittags am Hostel wieder getroffen haben. "Dem Israeli ging es nicht gut", sagt Fation D. "Er sagte er müsse auschecken, weil er kein Geld mehr habe. Wir gingen dann zum Alex und ich kaufte ihm zwei Hot Dogs, damit er etwas zu essen bekommt."

Nach Bier und Cognac auf dem Alexanderplatz soll der Israeli plötzlich gefragt haben, ob Fation D. Jägermeister trinke. Das spätere Opfer habe sich verabschiedet und sei nach einer halben Stunde mit einer großen Flasche des Likörs wiedergekommen.

Kerzen stehen um das Bild des Toten aus der Klosteruine am Alexanderplatz. (Quelle: rbb/Jörg Albinsky)
Das Bild des getöteten Yosi D. in der Klosterruine

In den USA warten Frau und Tochter

Täter und Opfer begaben sich auf das Gelände der Kirchenruine im Bezirk Mitte, um Jägermeister zu trinken, so der Angeklagte. Dann waren Zigaretten und Alkohol aufgebraucht. Als er abgelehnt habe, den 22-jährigen Israeli in eine Kneipe zum Weitertrinken auf seine Kosten einzuladen, habe der ihn merkwürdig angestarrt und sei ihm an den Hals gegangen. Er habe sich gewehrt mit einem Wrestlinggriff und den 22-jährigen so zu Boden gebracht. Der Trinkkumpan habe verdreht und regungslos dagelegen. "Als ich ihn so liegen sah, fiel ich wie in eine Art Schockzustand und wachte erst auf der Verkehrsinsel einer belebten Straße wieder auf."

Die Erklärung des Angeklagten verliest im Prozess sein Verteidiger. Sein Mandant sei Albaner, der aber seit seinem zweiten Lebensjahr in den USA gelebt habe, sagt Alois Fleck. Nach der Highschool-Zeit, in der er auch an Wrestlingkursen teilgenommen habe,  habe der Angeklagte sich als Koch bis zum stellvertretenden Restaurantchef hochgearbeitet. Wegen einer Trunkenheitsfahrt sei er dann zu sechs Monaten verurteilt worden. Deshalb habe er seine Greencard verloren und sei ausgewiesen worden. Frau und Tochter warteten in den USA, dass er wiederkomme.

Bei Geständnis höchstens zehn Jahre

Auf die Homosexualität des Opfers hatte der Angeklagte in Telefonaten immer wieder angespielt, so die Ermittler: Er sei kurz davor, ihn aus dem 5. Stock zu werfen, soll Fation D. zu seinem Cousin in Tschechien am Telefon gesagt haben. Er habe ihn zu Gott geschickt, soll er nach der Tat geäußert haben. Die tschechische Polizei hörte es ab.

"Ich bedaure zutiefst, dass der junge Mann zu Tode gekommen ist“, sagt der 28-jährige Albaner nun in seinem Teilgeständnis am zweiten Prozesstag. Schon davor hatte die 40. Große Strafkammer des Landgerichts Berlin ihm bei einem Geständnis eine Höchststrafe von zehn Jahren wegen Totschlags in Aussicht gestellt. Das Gutachten eines Psychiaters am Ende der Beweisaufnahme könnte die Strafe weiter reduzieren, wenn D. vermindert schuldfähig wäre. Das Urteil fällt voraussichtlich Ende Januar.

Die Kirchenruine in der Littenstraße in Berlin-Mitte

Beitrag von Ulf Morling

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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