Der Abschiedsbrief der Mutter und der Schwester des Opfers hängt am U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz (Quelle: dpa)

Netz voller Trauer über den U-Bahn-Tod in Berlin - Mutter hinterlässt bewegenden Abschiedsbrief

"So schnell bist Du von mir gegangen. Ich liebe Dich meine Große, meine Liebe, mein Engel, meine Robbe." Mit bewegenden Worten hat sich die Mutter der jungen Frau, die vor die U-Bahn gestoßen wurde, verabschiedet. Die schreckliche Tat berührt die Menschen. Das Netz ist voller Trauerbekundungen für die Familie.

Nach dem tragischen Tod einer 20-Jährigen, die von einem offenbar psychisch Kranken vor eine U-Bahn in Berlin-Charlottenburg gestoßen wurde, hat die Mutter des Opfers einen bewegenden Abschiedsbrief geschrieben.

"Ich hoffe, Du bist an einem sichereren Platz als hier", heißt es in dem Schreiben, das am Ort des Unglücks im Bahnhof Ernst-Reuter-Platz aufgehängt wurde und mit "Deine Mami (Muttimaus)" unterzeichnet ist. "Du bist viel zu früh von mir gegangen." Auch die Schwester nahm auf diese Weise Abschied von der 20-Jährigen. In einem zweiten Brief heißt es: "Du warst und bist meine perfekte Schwester. Wie eine Mama und zugleich wie meine beste Freundin." Ob die Briefe tatsächlich von den beiden Frauen stammen, ist nicht bekannt.

Der Abschiedsbrief der Mutter und der Schwester des Opfers hängt am U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz (Quelle: dpa)

Rund um den Brief haben Trauernde Blumen und Kerzen niedergelegt. Die Tat bewegt die Menschen sehr. Sie versuchen ihren Gefühlen Raum zu geben, am Ernst-Reuter-Platz oder im Netz.

In Gedanken bei der Familie und den Freunden von Amanda (20), die mit Anlauf von einem Mörder in den Tod geschubst...

Posted by Jessika Pfitzner on Donnerstag, 21. Januar 2016

Die junge Frau wurde am Dienstagabend am U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz von einem 28-Jährigen mit Anlauf vor einen einfahrenden Zug gestoßen und starb noch an der Unfallstelle. Zeugen konnten den Mann festhalten und der Polizei übergeben. Der mutmaßliche Täter ist inzwischen in der Psychiatrie, es gibt Hinweise auf Schizophrenie. Einem Gutachten zufolge könnte der Mann schuldunfähig sein.

Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne) hat nach dem tödlichen Angriff Kritik am Umgang mit dem mutmaßlichen Täter zurückgewiesen. In Richtung des Berliner Innensenators Frank Henkel (CDU) sagt er am Donnerstag: "Ich finde es in solchen Fällen nicht hilfreich, solche voreiligen Schuldzuweisungen zu machen".

Dieser hatte am Mittwoch nach der Tat am U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz gesagt: "Es muss die Frage gestellt werden, warum dieser Mann mit seiner Vorgeschichte nicht frühzeitiger gestoppt wurde." Nach bisherigen Erkenntnissen sei der Mann zuvor in mehreren norddeutschen Ländern auffällig gewesen.

"Ich glaube, Herr Henkel hat es sich da ein bisschen einfach gemacht", sagte Steffen. Jetzt gelte es zunächst, die Vorgeschichte zu der Tat des in Hamburg aufgewachsenen 28-Jährigen zu klären. "Wir sind gerade dabei, die ganzen Erkenntnisse zusammenzutragen."  

Verdächtiger kam aus Hamburg und schweigt

Gegen den Angreifer wird wegen Mordes ermittelt. Der 28-Jährige, der in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wurde, habe sich bislang nicht zu der Tat geäußert, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Martin Steltner am Freitag. Ein Gutachter müsse feststellen, ob der Mann schuldfähig sei oder nicht.

Der Staatsanwaltschaft zufolge ist der gebürtige Hamburger im Jahr 2002 wegen einer schweren Gewalttat zu einer Jugendstrafe verurteilt und auch danach immer wieder auffällig geworden. Sprecher Steltner sagte, der 28-Jährige sei zuletzt nach einem Vergehen in Hamburg wegen Schuldunfähigkeit nicht verurteilt worden. Am Dienstag sei der Mann ohne festen Wohnsitz nach Berlin gereist. Nachdem er in einem Obdachlosenheim abgewiesen wurde, sei er zum U-Bahnhof gelaufen, wo er auf sein Opfer traf.

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