Durch die Gläser einer Brille ist der Schriftzug des sozialen Internet-Netzwerks Facebook auf einem Laptop zu sehen. (Quelle: Jens Büttner/dpa)

Urteil des Berliner Landgerichts - Eltern erben Facebook-Konto ihres Kindes

Wenn ein Kind stirbt, haben die Eltern das Recht auf den Zugang zu dessen Facebook-Konto. Das hat das Landgericht Berlin entschieden. Nach dem Urteil ist das digitale Vermögen nicht anders zu behandeln als das analoge. Geklagt hatte eine Mutter, die den Tod ihrer 15-jährigen Tochter aufklären will.

Der Facebook-Account eines verstorbenen Kindes gehört zu seiner Erbschaft - Facebook muss die Daten deshalb für die Eltern als dessen Erben freigeben. Das geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil des Landgerichts Berlin hervor (Az. 20 O 172/15). Geklagt hatte eine Mutter, die den Tod ihrer Tochter aufklären will.

Facebook müsse die Zugangsdaten herausrücken und könne solche Accounts nicht einfach in den sogenannten Gedenkzustand versetzen, entschied das Gericht. Die Eltern seien als Erben des Mädchens wegen der ungeklärten Todesursache berechtigt zu erfahren, was ihr Kind im Internet geäußert habe.

Das digitale Vermögen sei nicht anders zu behandeln als das analoge, hieß es weiter in der Begründung. Auch der Datenschutz spiele hier keine Rolle. Vertrauliche Briefe eines Dritten könnten nach dem Tod des Empfängers schließlich auch von den Erben gelesen werden.

Ungeklärter Tod im U-Bahnhof

Das 15-jährige Mädchen war unter ungeklärten Umständen von einer U-Bahn überfahren worden. Die Mutter hofft, dass sie mithilfe der Facebook-Einträge möglicherweise klären kann, ob ihre Tochter freiwillig aus dem Leben geschieden ist.

Die Beantwortung dieser Frage ist auch deshalb relevant, weil der U-Bahnfahrer von der Mutter wegen des Vorfalls Schmerzensgeld und Schadenersatz wegen Verdienstausfalls fordert.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Innerhalb eines Monats nach der Zustellung kann Berufung eingelegt werden.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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