Zwei Frauen stoßen in einem Biergarten mit Bierkrügen an (Quelle: dpa)

Streit über Pestizidrückstände im Bier - Ein Gespritztes vom Fass, bitte!

500 Jahre alt wird das deutsche Reinheitsgebot im April. Kurz vor diesem runden Geburtstag aber dürften Biertrinker nun aufhorchen: Viele deutsche Biermarken sind mit dem Unkrautvernichter Glyphosat belastet. Das hat am Donnerstag eine Untersuchung des Münchner Umweltinstitutes ergeben. Wie reagieren Brandenburger Brauer darauf?

Nach dem Nachweis des Pflanzenschutzmittels Glyphosat in mehreren deutschen Biermarken mahnen Brauer aus der Region zu mehr Vorsicht. Jürgen Schöber, Bierbrauer aus Storkow (Oder-Spree) und Chef von fermtec, einem technischen Dienstleister für andere Brauereien, sagte dem rbb am Donnerstag, solche Stoffe müssten auf ein Mindestmaß reduziert werden. Schöber mahnte auch, es müsse nun konsequent nach der Ursache gesucht werden.

Werte höher als für Trinkwasser erlaubt

Das Münchner Umweltinstitut hatte 14 der beliebtesten Biermarken Deutschlands testen lassen und dabei Spuren des Unkrautvernichtungsmittels gefunden. Die Werte lagen zwischen 0,46 und 29,74 Mikrogramm (Millionstel Gramm) pro Liter. Damit lagen sie im extremsten Fall fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert Glyphosat im Trinkwasser. Hier ist der erlaubte Höchstwert 0,1 Mikrogramm, wie das Umweltinstitut am Donnerstag mitteilte. Einen Grenzwert für Bier gibt es demnach aber nicht.

Glyphosat ist seit 1974 zugelassen. Es ist inzwischen das weltweit und auch deutschlandweit das am meisten verkaufte Pestizid für Landwirtschaft und private Gärten. Das Mittel ist allerdings auch seit vielen Jahren umstritten: Umweltschützer halten den Stoff für hochgiftig und fordern seit Jahren ein Verbot von Glyphosat. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stufte das Mittel 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" ein.

EU- und deutsche Behörden wiegeln ab

Aufsichtsbehörden in Deutschland und der EU sehen hier allerdings nicht ausreichend Handlungsbedarf, um Glyphosat zu verbieten. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) empfiehlt allerdings, die tägliche Aufnahme beim Menschen auf 0,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht zu begrenzen.

Mit Bezug auf diesen Wert betonte Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds, am Donnerstag im rbb, für den Verbraucher bestehe kein Risiko. "Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat heute errechnet, sie müssten 1.000 Liter Bier an einem Tag trinken, um in die Nähe einer Gesundheitsgefährdung zu kommen." Die Zahlen des Münchner Umweltinstituts nannte Eichele "Panikmache".

Münchner Umweltinstitut setzt sich für ökologischen Landbau ein

Zudem gebe es "viele Fragezeichen" was diese Studie angehe, so Eichele. "Wir halten sie für nicht seriös." Der Test, der hier verwendet worden sei, sei erst vor wenigen Tagen in Frage gestellt worden. Pikant ist auch: Das Umweltinstitut München ist ein Verein, der sich unter anderem für ökologischen Landbau einsetzt.

Eichele bestritt aber auch nicht, dass Glyphosat im Bier sein könnte, weil es sich fast überall in den Böden finde. Der Brauer-Bund habe jedoch ein eigenes Überwachungs-System für Braumalz. Daraus gehe hervor, dass die gemessenen Glyphosat-Werte immer deutlich unter den Höchstgrenzen lägen.

Jörg Kirchhoff, der Chef der Braumanufaktur Forsthaus Templin sagte dem rbb, völlig ausschließen lasse sich eine Glyphosat-Belastung derzeit nur bei Bio-Bier, mit "Getreide aus deutscher Produktion, regional angebaut." Für ihn gehöre es zum Reinheitsgebot, Rohstoffe zu verwenden, die ohne Spritzmittel hergestellt worden seien.

Mit Informationen von Klaus Lampe, Antenne Brandenburg

Der Glyphosat-Test

Diese 14 Marken untersuchte das Münchner Umweltinstitut:

  • Krombacher Pils
  • Oettinger Pils
  • Bitburger Pils
  • Veltins Pilsener
  • Beck‘s Pils
  • Paulaner Weißbier
  • Warsteiner Pils
  • Hasseröder Pils
  • Radeberger Pilsner
  • Erdinger Weißbier
  • Augustiner Helles
  • Franziskaner Weißbier
  • König Pilsener
  • Jever Pils
Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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