Erste Planungsideen für die Bergmannstraße (Quelle: LK Argus GmbH)
Video: Abendschau | 09.02.2016 | Antje Tiemeyer

Diskussion um zweite Berliner Begegnungszone - Ein Kreisverkehr für die Bergmannstraße?

Die Ausgehmeile Kreuzbergs könnte ein neues Gesicht bekommen: Am Dienstag wurden erste Pläne für die Umgestaltung der Bergmannstraße veröffentlicht. Befürworter und Gegner sollen diese weitreichenden Ideen jetzt diskutieren, im Mai könnten dann konkrete Pläne vorliegen – wenn es überhaupt soweit kommt.  

Die Maaßenstraße hat sie schon, für die Bergmannstraße wird sie konkreter und auch der Checkpoint Charlie soll sie bald bekommen: eine "Begegnungszone". Also einen Ort, in dem sich Fußgänger, Rad- und Autofahrer den Straßenraum teilen. Für Spaziergänger sollen die Straßen sicherer werden und "zum Verweilen" einladen.  

Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geht davon aus, dass spätestens im Mai konkrete Pläne für die Umgestaltung der Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg vorliegen. Das sagte der zuständige Referatsleiter, Horst Wohlfarth von der Alm, am Dienstag im rbb. Für die Umgestaltung der Bergmannstraße hat am Dienstag die zweite Runde der Bürgerbeteiligung begonnen. Dazu sind im Internet Gestaltungsentwürfe veröffentlicht und zur Diskussion gestellt worden. Ein Entwurf zeigt zum Beispiel einen Kreisverkehr vor der Marheineke-Halle, der auf der Webseite derzeit viel Zustimmung und Ablehnung findet.

"Bürgerwerkstatt" Anfang März

Am 4. März ist eine große "Bürgerwerkstatt" im Columbia-Theater geplant, zu der Bürger Planungsideen beisteuern und weitere Kommentare abgeben können. Sollte das Projekt mehrheitlich abgelehnt werden, werde es auch nicht umgesetzt, erklärte die Bürgerinitiative "Leiser Bergmannkiez". Dies habe das Bezirksamt bereits zugesichert.

Wie Wohlfarth von Alm erklärte, seien die Bürger aufgefordert, ihre Ideen vorzubringen. Daraus werde dann das Konzept entwickelt. In einer ersten Online-Befragung hatten viele Bürger für mehr Aufenthaltsmöglichkeiten und sichere Straßenübergänge plädiert (pdf). Wichtiger Aspekt ebenfalls: Parken. Vor allem das Halten in der zweiten Reihe ist in der Bergmannstraße ein großes Problem und Gefahrenquelle, da auch viele Radfahrer unterwegs sind.

Neues Miteinander in der Bergmannstraße

Aus der "schlechten Umsetzung" Maaßenstraße lernen

Die Initiative "Leiser Bergmannkiez" stehe der Idee "Begegnungszone" derzeit "neutral" gegenüber, sagte Sprecher Hans-Peter Hubert rbb online. Die Ausgangsfrage "Wie soll das eigentlich gestaltet werden?" sei noch nicht beantwortet oder angesprochen worden, darum werde man sich jetzt intensiv bemühen. Man wolle eine zweite Maaßenstraße vermeiden, denn die sei "hässlich". "Eine gute Idee ist schlecht umgesetzt worden. Daraus kann man lernen." Positiv sei, dass Fußgänger dort jetzt mehr Platz hätten und der Autoverkehr geschmälert worden sei, auch die Straßenquerungen seien jetzt besser.

Gewerbetreibende in der Bergmannstraße sind noch unterschiedlicher Meinung. Einige lehnen die Begegnungszonen-Idee ab, andere sind dafür. Man wolle, heißt es, die Chance zur Veränderung nutzen, wenn der Senat hier viel Geld investieren wolle. Deshalb müsse man sich in den Planungsprozess einbringen.

300 Meter lang, rund 35 Meter breit: 15 Minuten Begegnungszone am Nollendorfplatz.

Blick auf die Maaßenstraße in Berlin am 09.02.2016 (Quelle: rbb/Tim Schwiesau)

   

Der Betreiber des "Café Atlantic" kritisiert, dass 95 Parkplätze in der Straße wegfallen würden - denn auf keinem einzigen Plan sind Parkplätze vorhanden. "Es geht aber nicht nur um Parkplätze, sondern darum, dass in die natürliche Entwicklung der Straße eingegriffen wird." Seit 25 Jahren sei man hier, die Straße sei auf einem guten Weg. "Natürlich haben wir ein paar Probleme, doch diese könnte man auch verkehrstechnisch lösen. Darüber wurde aber noch gar nicht nachgedacht." Seine Sorge: "Wenn das Experiment in ein paar Jahren beendet ist und man merkt, dass es in die Hose gegangen ist, gibt es niemanden, der für entgangene Verluste gerade steht."

Initiativen-Sprecher Hubert sagte rbb online, dass Parkplätze wegfallen müssen, um mehr Platz für Fußgänger zu schaffen. Im Bezirk werde außerdem über eine Parkraumbewirtschaftung für den Bergmannkiez nachgedacht. Das würde Parkplatzprobleme beseitigen, weil Dauerparker und "Autoleichen" verschwinden würden und somit auch mehr Plätze für Anwohner und Besucher vorhanden wären. Er setzt sich auch dafür ein, den "unnötigen Zusatzverkehr" zwischen Friesen-, Bergmann-, und Zossener Straße zu verhindern - dort seien auch viele Reisebusse unterwegs.  

Ob die dritte geplante Begegnungszone am Checkpoint Charlie kommt, wird auch die Umsetzung in der Bergmannstraße zeigen - ab 2017 könnten hier die Bagger rollen. Die Planungen für den Checkpoint sollen 2018 beginnen.

Mit Informationen von Tim Schwiesau (rbb online) und Oliver Soos (Inforadio)

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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