Albert Einstein mit seiner Sekretärin 1929 (Quelle: imago)

Beweis für Theorie von 1915 endlich gefunden - Berlin verhalf der Welt zu Einsteins Gravitationswellentheorie

Wir alle profitieren auch im Alltag von den Erkenntnissen Albert Einsteins. Ohne seine Relativitätstheorie gäbe es beispielsweise kein Navigationsgerät. Für seine bahnbrechenden Forschungen hatte der Physiker erstmals in seiner Zeit in Berlin, wo er von 1914 bis 1932 lebte, genügend Freiraum. Denn unterrichten musste der Professor nur, wenn er wollte.

Wer heute sein Navigationsgerät einschaltet, findet auch mit Hilfe einer Theorie von Albert Einstein zum Ziel. Denn erst die Allgemeine Relativitätstheorie, die der Wissenschaftler vor mehr als 100 Jahren in Berlin vorgestellt hat, ermöglicht die gewünschte Genauigkeit der Satellitennavigation. Derart praktische Anwendungen konnte der 36-jährige Einstein allerdings nicht vorhersehen, als er am 25. November 1915 den Kern seiner umwälzenden Allgemeinen Relativitätstheorie an der Preußischen Akademie der Wissenschaften in seiner Wahlheimat Berlin präsentierte.

Der weltberühmte Physiker Albert Einstein (Quelle: dpa)
Ausnahmephysiker Albert Einstein

Selbst Einstein glaubte nicht an den Nachweis

All die Jahre seit 1915 suchten Physiker vergeblich einen direkten Beweis für die von Einstein in seiner Theorie vorhergesagten Gravitationswellen. Dennoch gab es vor allem in den letzten Jahrzehnten kaum noch Zweifel an der Existenz der winzig kleinen Wellen, die entstehen, wenn massenreiche Körper (wie beispielsweise Schwarze Löcher) beschleunigt werden. Alle vermeintlichen Erfolgsmeldungen entpuppten sich bisher jedoch als nicht haltbar. Jetzt haben Astrophysiker vom Ligo-Observatorium in den USA sie nachgewiesen – und konnten damit zugleich Schwarze Löcher direkt beobachten.

Diese nobelpreisverdächtige Entdeckung schlägt, so sind sich Wissenschaftler einhellig einig, ein neues Kapitel in Physik und Astronomie auf. Selbst "Einstein hat nicht geglaubt, dass man Gravitationswellen jemals nachweisen können wird, und er hat nicht an Schwarze Löcher geglaubt. Ich denke, er würde sich freuen, dass er in beiden Punkten Unrecht hatte", sagt Bruce Allen, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Potsdam und Hannover.

Freiraum für Forschungen in der Hauptstadt

Seine bahnbrechende Allgemeine Relativitätstheorie hatte Einstein in Berlin zu Ende entwickelt. Hier war er am 29. März 1914 aus Zürich kommend eingetroffen. Angelockt hatten ihn die perfekten Rahmenbedingungen für seine Forschungsarbeit: Es war ein Engagement ohne Verpflichtungen. Einstein hatte alle Rechte eines Professors, musste jedoch nur unterrichten, wenn er es wollte. Darüber hinaus zog ihn seine Cousine - und spätere zweite Frau – Elsa nach Berlin.

Angekommen in der Hauptstadt nahm er sogleich seine Arbeit als ordentliches Mitglied der "Preußischen Akademie der Wissenschaften" auf. Die Berufung hatte Einstein seinem berühmten Berliner Kollegen Max Planck zu verdanken. Schnell avancierte der unangepasste Einstein im brodelnden Berlin der Weimarer Republik zu einem Medienstar. 18 Jahre lang, vom Ersten Weltkrieg bis zum Beginn der Naziherrschaft, blieb Albert Einstein in der Stadt, bevor er in die USA emigrierte. Die längste Zeit - von 1917 bis 1932 - lebte der Physiker im Bayerischen Viertel in Schöneberg, wo heute eine Stele an ihn erinnert.  Und hier - in seinem Turmzimmer in der Haberlandstraße 5 - entwickelte er auch seine wesentlichen Ideen.

Doch obwohl er endlich genug Freiraum für seine Forschungen über Schwerkraft, Zeit und Raum - die nicht weniger als ein neues Weltbild zum Ziel hatten und die bisherigen Vorstellungen vom Universum verändern sollten - hatte, soll sich Einstein in der Stadt nie richtig wohl gefühlt haben. Oft zog er sich an den Stadtrand zurück. Denn auch bei Spaziergängen im Grunewald und bei Segeltörns auf dem Wannsee oder bei Caputh konnte Einstein seinen Theorien nachgehen.

Einsteinturm Potsdam. Foto: Stephan Düfel
Ein Turm der Superlative: Der Einsteinturm

Der Einsteinturm sollte die Beweise liefern

Schließlich setzte man ihm 1924 ganz in der Nähe von Caputh auf dem Potsdamer Telegrafenberg ein "Denkmal": Den Einsteinturm – ein Observatorium mit extrem leistungsfähigem Teleskop. Der Bau trägt nicht nur den Namen des Wissenschaftlers, mit seiner Hilfe sollte auch Einsteins sensationelle Relativitätstheorie von 1915 experimentell bewiesen werden.

Gebaut hat den von Einstein selbst mit konzipierten, architektonisch markanten 15 Meter hohen Turm der Architekt Erich Mendelssohn. Das Bauwerk ist weitgehend im Original erhalten und im Inneren des heute denkmalgeschützten Gebäudes befinden sich noch heute die wissenschaftlichen Instrumente von damals.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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