Blumen und Kerzen sind am 24.01.2015 in Berlin in einem Waldstück an der Bärenlauchstraße abgelegt worden. (Bild dpa/Paul Zinken)

Prozess um Mord an schwangerer 19-Jähriger - Gutachter halten die Angeklagten trotz Unreife für schuldfähig

Unreif seien sie, bescheinigten Gutachter am Donnerstag den beiden Angeklagten, die eine schwangere junge Frau bei lebendigem Leib verbrannt haben sollen. Unreif - aber voll schuldfähig. Die beiden 20-Jährigen schweigen bislang vor dem Berliner Landgericht. Noch im Februar könnte das Urteil fallen.

Die beiden mutmaßlichen Mörder einer schwangeren 19-Jährigen sind voll schuldfähig. Psychiatrische Gutachter erklärten am Donnerstag vor dem Berliner Landgericht, Einschränkungen hätten sie nicht feststellen können. Die 20-Jährigen sollen die Frau im Januar 2015 in einem Waldstück mit Benzin übergossen und angezündet haben.

Einer der Männer ist der Vater des toten Kindes. Eine Gutachterin sagte, bei diesem Angeklagten seien keine aggressiven Muster und keine psychische Störung festzustellen. Sollte die Tat so geschehen sein wie angeklagt, dann habe er die Schwangerschaft und das Kind möglicherweise als "unlösbares Problem" empfunden, das es zu beseitigen galt, "weil es das eigene Leben stört". Er habe möglicherweise sein Gewissen mit Argumenten wie "sie hat es nicht besser verdient, sie muss weg" beeinflusst.

Psychiater plädieren für Jugendstrafrecht

Während bei dem Vater des toten Kindes im Falle einer Schuld von einem persönlichen Motiv auszugehen sei, habe der mutmaßliche Komplize als ein "dissozialer Gewalttäter" agiert, hieß es weiter. Die seelische Struktur dieses Angeklagten sei instabil. Er sei - anders als der Vater des toten Kindes - in einem familiären Chaos aufgewachsen und bereits mehrfach kriminell aufgefallen. Im Falle einer Verurteilung sollten für beide Männer das Jugendstrafrecht Anwendung finden, so die Psychiater. Es liege Unreife vor.

Die Psychiaterin schloss beim Vater des toten Kindes unter anderem aufgrund der kurzen Partnerschaft mit dem Opfer eine Tat im Affekt aus. Auch ein Einfluss aus der Familie des türkischstämmigen Mannes sei nicht zu erkennen. In Chats beider Angeklagter aber sei aufgefallen, dass sie sich "stark abwertend" über Frauen äußerten.

Angeklagte schweigen vor Gericht

Die Anklage wirft den beiden 20-jährigen Angeklagten heimtückischen und grausamen Mord aus niederen Beweggründen vor. Sie sollen die arglose 19-Jährige am Abend des 22. Januar 2015 in den einsamen Wald im Stadtteil Köpenick gelockt, misshandelt und bei lebendigem Leib verbrannt haben. Die beiden Angeklagten wurden kurz danach verhaftet. Sie hatten sich im Ermittlungsverfahren gegenseitig bezichtigt, vor Gericht jedoch geschwiegen.

Der Prozess wird am 15. Februar fortgesetzt. Zum Urteil könnte es am 19. Februar kommen.

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