Ein Plakat mit einem Suchaufruf nach dem vierjährigen Flüchtlingsjungen Mohamed, aufgenommen am 05.10.2015 an einem Fenster des Landesamts für Gesundheit und Soziales (LAGESO) in Berlin (Quelle: dpa)

"Spiegel"-Bericht zum Fall Mohamed - Polizei soll erst nur gegen Flüchtlingsfamilie ermittelt haben

Der Fall Mohamed hatte im vergangenen Herbst über Berlin hinaus für Bestürzung gesorgt. Der vierjährige Flüchtlingsjunge war Anfang Oktober vor dem Lageso verschwunden, später wurde seine Leiche in Brandenburg gefunden. Laut einem "Spiegel"-Bericht soll die Polizei zunächst Mohameds Familie verdächtigt haben, die Entführung vorgetäuscht zu haben.

Im Fall des getöteten Jungen Mohamed hat die Polizei in Berlin nach "Spiegel"-Informationen zunächst die Familie des Vierjährigen im Verdacht gehabt. Das Nachrichtenmagazin beruft sich auf Ermittlungsakten. Darin heiße es, dass am Tag nach der Entführung "nicht zweifelsfrei" festzulegen gewesen sei, "ob es sich tatsächlich um einen Vermisstenfall oder vielmehr um Familienstreitigkeiten handelte". Die Beamten hätten - so der "Spiegel"  - sogar vermutet, die Entführung sei vorgetäuscht, um die bevorstehende Abschiebung der bosnischen Familie zu verhindern.  

Die Familie sei aber nie Beschuldigter im Verfahren gewesen, wie ein Polizeisprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa betonte. Die Mutter habe aber zunächst mehrfach zu den Umständen von Mohameds Verschwinden gelogen.

Polizei vermutete vorgetäuschte Entführung

In einer bislang unveröffentlichten Schriftlichen Anfrage der Grünen ist die Rede davon, dass die Polizei zunächst von einer vorgetäuschten Entführung durch die Familie ausgegangen sein soll. Dabei habe es in den vergangenen fünf Jahren keinen Fall von "vorgetäuschter Kindesentführung mit dem Motiv der Sicherung des Aufenthaltstitels" gegeben, zitiert der "Spiegel" aus der Antwort der Berliner Senatsverwaltung für Inneres.

Wie der "Spiegel" mutmaßt, ist den Polizeibeamten dadurch wertvolle Zeit verlorengegangen, um den Flüchtlingsjungen zu finden. So sollen die Ermittlungen erst nach drei Tagen nach der Vermisstenanzeige weitergegangen sein. Die Videoaufnahmen, auf die sich letztlich die Mutter des Tatverdächtigen meldete, sollen die Ermittler erst nach 20 Tagen gefunden haben. Ihre Auswertung habe weitere fünf Tage gedauert, wie "Spiegel Online" am Freitag schreibt.  

Der Fall solle nun bei der Berliner Innenverwaltung gegebenenfalls "intern geklärt" werden, was auf Kritik bei den Berliner Grünen stößt. Ihr innenpolitischer Sprecher Benedikt Lux, der die schriftliche Anfrage gestellt hatte, fordert eine unabhängige Aufklärung im Fall Mohamed.  



Große Anteilnahme nach den beiden Morden

Mohamed war am 1. Oktober 2015 vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) entführt worden. Ein 32-jähriger Mann aus Brandenburg hatte Ende Oktober den Mord an dem Flüchtlingsjungen und auch den Mord an dem sechsjährigen Elias aus Potsdam gestanden. Nach Elias aus dem Potsdamer Stadtteil Schlaatz, der am 8. Juli als vermisst gemeldet wurde, hatten hunderte Polizisten und viele Freiwillige wochenlang gesucht.

Nachdem beide Mordfälle durch das Geständnis des 32-Jährigen aufgeklärt wurden, haben viele Berliner und Brandenburger durch das Eintragen in Kondolenzbücher, aufgestellte Kerzen und in Gottesdiensten der beiden toten Kinder gedacht.

Rückblick: Mann gesteht im Oktober 2015 die Tötung von Mohamed und Elias

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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