Ein Rettungssanitäter der Berliner Feuerwehr demonstriert eine Herzdruckmassage (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 11.02.2016 | Rainer Unruh

Notrufzentrale soll registrierte Berliner anpiepen - Feuerwehr-Chef will Freiwillige als Retter einbinden

Die Berliner Bevölkerung altert - das bedeutet mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle, zu denen Rettungskräfte gerufen werden. Feuerwehrchef Gräfling warnt, dass die professionellen Retter bald nicht mehr ausreichen. Noch in diesem Jahr will er daher eine Kartei mit Freiwilligen einrichten, die bei der Ersthilfe einspringen.

Um Engpässe bei den Rettungsdiensten zu vermeiden, hat der Berliner Feuerwehrchef Wilfried Gräfling ein neues System von Ersthelfern vorgeschlagen. So solle die Notrufzentrale z.B. bei einem Herzstillstand auch freiwillige Helfer alarmieren können, die sich in der Nähe befinden, so Gräfling in der rbb-Abendschau am Donnerstag.

Es werde immer schwieriger, die Einsatzorte in der vorgeschriebenen Zeit zu erreichen, mahnte Gräfling. "Nur wenn wir innerhalb kürzester Zeit - beim Herz-Kreislauf-Stillstand oder beim plötzlichen Herztod - jemanden vor Ort haben, der zumindest eine Herzdruckmassage macht, können wir erfolgreich sein. Das bilden unsere jetzigen Systeme nicht ab."

2014 erreichten in Berlin die Rettungskräfte nur in vier von zehn Fällen den Einsatzort in den angepeilten acht Minuten. Noch schlechter ist die Lage in den Außenbezirken: Hier waren die Helfer nur bei einem Fünftel innerhalb von acht Minuten vor Ort.

Einführung noch in diesem Jahr geplant

Gräfling schlug nun vor, dass freiwillige Kräfte in einer Datei registriert und im Notfall benachrichtigt werden sollten. Dabei könne es sich um Menschen handeln, die bereits in der Ersthilfe ausgebildet seien  - beispielsweise Ärzte, Krankenschwestern oder Ersthelfer in Unternehmen.

Aber auch "einfache" Bürger könnten sich melden; diese müssten allerdings vor der Registrierung ausgebildet werden. Die Kommunikation mit den Helfern könnte beispielsweise per Telefon oder über eine App auf Smartphones funktionieren. Gräfling will nach Informationen der rbb-Abendschau das System noch in diesem Jahr einführen.

Gewerkschafter fordert mehr Personal

Gewerkschafter äußerten sich grundsätzlich positiv, warnten aber davor, ein derartiges Ersthelfer-System als Vorwand für einen weiteren Personalabbau zu nutzen. Die Feuerwehrgewerkschaft forderte mehr Personal. Steve Feldmann von der Gewerkschaft der Polizei (GdP), die auch Feuerwehrleute vertritt, sagte dem rbb, ein Ersthelfer-System dürfe nicht dazu führen, dass "am ohnehin knappen Personal bei der Feuerwehr" gespart werde. "Wenn, dann geht es hier tatsächlich darum, einen Mehrwert durch zufällig in der Nähe sich befindene Ersthelfer für die verunfallten oder verunglückten Menschen zu nutzen."

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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