Blick in die Räume der Justizvollzugsanstalt Cottbus Dissenchen. (Quelle: dpa)

Attacken auf Mitgefangene in Cottbuser Haftanstalt - Würmer essen, Bellgeräusche und ein Faustschlag

Unter Androhung von Gewalt soll ein 25-jähriger Gefangener in der Justizvollzugsanstalt Cottbus-Dissenchen einen Mitinsassen dazu genötigt haben, Insekten zu essen. Das ist sechs Jahre her, doch erst am Montag beschäftigte sich das Gericht damit. Der Mann wurde verurteilt - aber wegen eines anderen Delikts.

Ein 25-Jähriger, der einen Mithäftling in der Cottbuser Justizvollzugsanstalt (JVA) zum Essen von Würmern gezwungen haben soll, muss sich dafür nicht vor Gericht verantworten. Das Verfahren wurde vorläufig eingestellt. Das gab das Landgericht Cottbus am Montag bekannt.

Die möglichen Taten haben sich laut Gericht im Frühjahr und Sommer 2009 abgespielt. Danach soll der Mitinsasse drei Mal von dem Angeklagten zum Käfer- oder Würmer essen gezwungen worden sein. In einem anderen Fall soll er von ihm unter Gewaltandrohung genötigt worden sein, bellend über den Gefängnishof zu laufen.

Die Richter begründeten die Einstellung des Verfahrens hinsichtlich des Würmer essens am Montag damit, dass die zu erwartende Strafe bei einer möglichen Verurteilung nicht ins Gesamtgewicht fallen würde. Angeklagt war der Mann nämlich auch wegen Körperverletzung im Fall eines weiteren Mitgefangenen. Der Verteidiger hatte die Einstellung des ersten Verfahrens zum Prozessauftakt auch wegen einer "überlangen Verfahrensdauer" beantragt.

Landespfarrer: "Hochgradige Demütigung"

Der 25-Jährige wurde am Montag trotzdem vom Landgericht verurteilt - wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Wie ein Sprecher mitteilte, wurde gegen ihn eine Geldstrafe von 1.500 Euro (30 Tagessätze zu je 50 Euro) verhängt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er einem anderen Häftling im Jahr 2011 einen Faustschlag verpasste. Zudem muss der Mann dem Opfer gemäß eines Vergleichs zwischen den Parteien 300 Euro Schmerzensgeld zahlen, wie es weiter hieß. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In Brandenburgs Haftanstalten kommt es immer wieder zu Gewalt unter den Gefangenen. Die Zahl der Anzeigen wegen Körperverletzung, die Justizvollzugsanstalten stellten, schwankten in den vergangenen fünf Jahren laut Justizministerium zwischen 36 (2012) und 62 (2011) pro Jahr.

Der Landespfarrer für Gefängnisseelsorge, Uwe Breithor, geht aber davon aus, dass es sich bei der Nötigung eher um einen Einzelfall handelt. "In der Regel passiert so etwas nicht", sagte er mit Blick auf den Würmer-Vorfall. Zugleich habe er aber auch die Erfahrung gemacht, dass die Opfer schweigen. Die Übergriffe empfänden viele als "hochgradige Demütigung", so Breithor.

Tatort: JVA Cottbus-Dissenchen

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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