Kreuze, Blumen und Kerzen sind in Berlin in einem Waldstück an der Bärenlauchstraße abgelegt worden. Sie erinnern an die hochschwangere 19-Jährige, die hier verbrannt wurde. (Quelle: dpa/Paul Zinken)

Plädoyers im Fall "Maria" - 15 Jahre Haft für Mord an Schwangerer gefordert

Zwei Männer sollen eine hochschwangere junge Frau bei lebendigem Leib verbrannt haben: Für die Tat vor rund einem Jahr sollen die zwei 20-Jährigen 15 Jahre in Haft. Das hat die Staatsanwaltschaft nun gefordert. Die Verteidiger plädierten dagegen auf Freispruch. Am Freitag soll das Urteil fallen.

Nach dem Feuertod einer hochschwangeren 19-Jährigen hat die Staatsanwaltschaft jeweils 15 Jahre Haft für die beiden Angeklagten beantragt. Die 20-Jährigen - darunter der Vater des toten ungeborenen Kindes - hätten die Frau grausam, heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen ermordet, sagte der Ankläger am Montag in seinem Plädoyer vor dem Berliner Landgericht.

Die Berufsschülerin habe "unerträgliche Qualen körperlicher und seelischer Art" erlitten, so Staatsanwalt Martin Glage in seinem Plädoyer. Die Verteidiger plädierten auf Freispruch. Das Urteil soll am Freitag fallen.

"Mordlust" beim Mittäter

Auf das "barbarische Verbrechen" müsse mit aller zur Verfügung stehenden Härte reagiert werden. Nach dem Jugendstrafrecht beträgt das Höchstmaß der Strafe bei Mord 15 Jahre. Die Angeklagten sollen die 19-Jährige im Januar 2015 in ein Waldstück im Stadtteil Adlershof gelockt, mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leib verbrannt haben.

Dem Vater des Kindes sei es darum gegangen, die Geburt zu verhindern, hieß es im Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Unbarmherzig und eiskalt habe er die Tat geplant, so die Staatsanwaltschaft. Der Mitangeklagte habe bei der Verbrennung der Hochschwangeren mitgemacht, weil er Vergnügen dabei empfunden habe und schon immer einen Menschen habe sterben sehen wollen.

Die Staatsanwaltschaft schloss sich in ihrem Plädoyer den Aussagen psychiatrischer Gutachter an, wonach beide Angeklagten voll schuldfähig, wegen mangelnder Reife aber nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen sein. Der Anwalt der als Nebenkläger aufgetretenen Familie von Maria schloss sich den Forderungen der Staatsanwaltschaft an.

Beide belasteten sich gegenseitig - und plädieren auf Freispruch

Die Männer hatten während des Prozesses zu den Vorwürfen geschwiegen, sich aber zuvor gegenüber der Polizei gegenseitig belastet. Unstrittig ist, dass beide Männer mit der jungen Frau am Tatabend unterwegs waren. Den eigentlichen Mord wollen sie aber beide nicht begangen haben.

Der Mitangeklagte hatte zwar die Messerstiche eingeräumt, diese seien aber ein Versehen gewesen beim Versuch, Maria vor dem Vater des ungeborenen Kindes zu beschützen. Sein Verteidiger Michael Sternal plädierte deshalb für seinen Mandanten auf Freispruch. Olaf Franke, Anwalt des anderen Angeklagten, sagte in seinem Plädoyer, dass der genaue Tatverlauf in den zahlreichen Verhandlungstagen mit ihrer Vielzahl an Zeugen und Sachverständigen nicht habe aufgeklärt werden können. Die Darstellung seines Mandanten, der Mitangeklagte habe die Schülerin im Verlauf des Tatabends entführt und allein getötet, sei nicht widerlegt worden.

Franke zufolge sind auch die von der Staatsanwaltschaft genannten Mordmerkmale nicht erfüllt. So sei weder bewiesen, dass sein Mandant das Kind habe loswerden wollen, noch sei ein versehentliches Anzünden der Schwangeren gänzlich auszuschließen. Nach dem Grundsatz "in dubio pro reo - im Zweifel für den Angeklagten" seien ihre Mandanten freizusprechen. Sie machten von ihrem Recht auf das letzte Wort keinen Gebrauch.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren