Polizisten sichern in Berlin Spuren nach einem Verkehrsunfall in Spandau (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 12.02.2016 | Rainer Unruh

Neue Zahlen für Berlin - Mehr Unfälle, weniger Unfalltote

48 Menschen sind im vergangenen Jahr im Berliner Straßenverkehr zu Tode gekommen. Das waren zwar etwas weniger als im Vorjahr - die Zahl der Unfälle aber ist insgesamt angestiegen. Ein Trend, der seit Jahren anhält. Häufigste Unfallursache: zu hohe Geschwindigkeit. Die Polizei will jetzt stärker gegen Raser vorgehen.

Auf Berlins Straßen hat es 2015 mehr Unfälle gegeben als im Jahr zuvor. Allerdings kamen dabei weniger Menschen ums Leben, wie Innen-Staatssekretär Bernd Krömer am Freitag sagte. 48 Menschen starben - nach 52 im Vorjahr. Besonders häufig kamen Fußgänger und Radfahrer ums Leben. Sie machten 29 an der Gesamtzahl aus.

Insgesamt stieg die Zahl der Unfälle um rund 3,8 Prozent - auf 137.713. In den Jahren zuvor waren es 132.718 (2014) und davor noch 130.930 (2013). Seit 2006 ist die Zahl der Unfälle in fast allen Jahren angestiegen. Zuvor hatte es zwischen 2000 und 2006 einen deutlichen Rückgang gegeben. 17.790 Menschen wurden bei den Unfällen verletzt.

Die steigenden Unfallzahlen führt Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt unter anderem auf den zunehmenden Verkehr in der wachsenden Stadt zurück. Auch hätten zwei sehr milde Winter zu mehr Mobilität geführt, sagte er am Freitagabend im rbb. "Und die Leute halten sich offensichtlich weniger an die Verkehrsregeln." Mit mehr Kontrollen allein sei das Problem nicht zu lösen, so Kandt weiter. "Man braucht auch einen Mentalitätswandel." Es wäre gut, langsamer zu fahren, vorsichtiger zu sein und Rücksicht zu nehmen, mahnte der Polizeipräsident.

"Nachbesserungsbedarf bei der Verkehrsmoral"

Den Angaben zufolge passieren die meisten Unfälle beim Abbiegen und bei der Missachtung von Vorfahrt. Polizeipräsident Klaus Kandt sagte am Freitag, zu hohe Geschwindigkeit sei ebenfalls eine der Hauptursachen für Unfälle, vor allem die mit Verletzten. Allerdings wurden 2015 weniger Autos geblitzt als im Jahr zuvor. Viele Unglücke gibt es auch mit alkoholisierten Verkehrsteilnehmern und Fußgängern, die sich nicht an die Regeln halten. Staatssekretär Krömer sprach am Freitag vom "erheblichen Nachbesserungsbedarf bei der Verkehrsmoral vieler Verkehrsteilnehmer".

Kandt kündigte an, die Polizei werde künftig härter gegen Raser vorgehen. "Wir werden hier merklich etwas tun." Derzeit werde ein Lagebild erstellt; bereits in der kommenden Woche soll es die ersten Kontrollen geben. Bereits am Freitag habe die Polizei im Bereich Kurfürstendamm und Tauentzien kontrolliert. "Wir werden das auch fortführen in einer Sonderaktion, die sicher länger dauern wird, erklärte Kandt in der rbb-Abendschau. Ein Raser hatte kürzlich auf einer Kreuzung der Tauentzienstraße den Wagen eines Unbeteiligten gerammt. Der 69-Jährige starb am Unglücksort.

Stationäre Blitzer hält Kandt in diesem Bereich aber nicht für sinnvoll. Tagsüber sei der Verkehr an Kurfürstendamm und Tauentzienstraße recht langsam und das Problem der nächtlichen Raserei sei so nicht zu lösen. "Wir setzen auf die Präsenz der Kollegen", so Kandt zum Konzept der Polizei.

Er kündigte auch eine neue Social-Media-Aktion an: Im April will die Polizei alle Unfälle mit Personenschaden twittern. Zuletzt hatten sich die Einsatzkräfte im Januar unter dem Hashtag #keinbruch eine Woche lang dem Thema Einbruch gewidmet.

Das Risiko, sich auf Berlins Straßen zu verletzen, ist für verschiedene Verkehrsteilnehmer unterschiedlich hoch:

Fußgänger sind besonders gefährdet. 2015 kamen 19 von ihnen bei Unfällen ums Leben. In keiner anderen Gruppe waren es so viele Tote. Zugleich stieg die Zahl der Unfälle mit Fußgängern um fast 7,4 Prozent auf 2.595. Häufigste Gründe waren demnach das Missachten des Verkehrs oder roter Ampeln und plötzliches Hervortreten.

Radfahrer sind neben den Fußgängern eine weitere besonders gefährdete Gruppe. Zehn von ihnen starben im vergangenen Jahr im Straßenverkehr. Auch die Zahl der Unfälle nahm weiter zu. Hauptgrund war bei ihnen das Benutzen der falschen Fahrbahn. Waren Autofahrer schuld, lag das vor allem an Fehlern beim Abbiegen. Bedenklich sei die Haltung "Ist mir egal, Hauptsache ich komme an", warnte Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler mit Blick auf Radfahrer, die sich durch Autos schlängeln oder auf dem Gehweg fahren.

Auch für Motorradfahrer ist das Risiko, sich bei einem Unfall schwer zu verletzen oder gar ums Leben zu kommen, hoch. Ähnlich wie Fußgänger und Radfahrer sind auch sie vergleichsweise ungeschützt. Zuletzt ging die Zahl der Unfälle mit Motorradfahrern allerdings zurück. Unfall-Ursachen sind oft zu geringer Abstand und zu schnelles Fahren. Letzteres ist ein generelles Problem: Insgesamt missachtete 2015 jeder 20. Verkehrsteilnehmer bei Geschwindigkeitskontrollen in Berlin das zulässige Tempo.

Zu schnelles Fahren war auch bei jungen Leuten eine der häufigsten Unfallursachen - nach Fehlern beim Abbiegen und beim Sicherheitsabstand. Zuletzt ging die Zahl der verunglückten 18- bis 24-Jährigen allerdings zurück. Unfälle mit Kindern nahmen unterdessen zu. Ein Kind kam dabei 2015 ums Leben.

Senioren waren 2015 in 15.739 Unfälle verwickelt - die Zahl steigt seit Jahren. Jeder dritte Verkehrstote war im vergangenen Jahr über 64 Jahre alt.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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