Durchgestrichene Straßenschilder. Da Wahlsdorf nicht mehr Wahlsdorf heißen darf, sondern zu Dahme/Mark gehört. heißen im Dorf jetzt wenigstens die Straßen Wahlsdorf. (Quelle: zibb)
Video: zibb | 23.02.2016 | Beitrag von Judith Kirsten

Ein Dorf numeriert sich durch - Wahlsdorf stemmt sich mit Trick gegen sein Verschwinden

Wahlsdorf ist Vergangenheit. Zumindest der Ortsname ist seit der Eingemeindung in die Stadt Dahme/Mark im Jahr 2003 verschwunden. Doch die Einwohner wollten den 800 Jahre alten Namen erhalten. Ihr Trick: Die alten Straßennamen wurden abgeschafft, das Dorf kurzerhand durchnummeriert.  

Hauptstraße, Schulstraße, Lieper Straße – bald werden die alten Wahlsdorfer Straßenschilder endgültig abmontiert. Die Straßennamen verschwinden, und es bleiben nur noch Nummern: von eins bis 136. So viele Häuser gibt es in Wahlsdorf, das seit der Eingemeindung in die Stadt Dahme/Mark (Teltow-Fläming) im Jahr 2003 seinen eigenständigen Ortsnamen abgeben musste.

Ortsvorsteher Thomas März steht vor durchgestrichenen Straßenschild: Da Wahlsdorf nicht mehr Wahlsdorf heißen darf, sondern zu Dahme/Mark gehört. heißen im Dorf jetzt wenigstens die Straßen Wahlsdorf. (Quelle: zibb)
Ortsvorsteher Thomas März

Reform zwingt zu Namensänderung

Damit der Name nicht ganz verloren geht, hatte Ortsvorsteher Thomas März eine Idee: "Wir haben den Ort durchnummeriert. Das spricht sich zwar ein wenig komisch, aber nun weiß jeder, ob er sich gerade am Anfang oder am Ende des Dorfes befindet."

Eigentlich hatten die 330 Einwohner von Wahlsdorf gar keine Wahl. Die Namen der Straßen hätten sie sowieso ändern müssen, denn es darf in einem Gebiet wie Dahme/Mark laut Reform keinen Straßennamen doppelt geben.

Die ersten Jahre nach der Eingemeindung habe man, so März in der Berliner Morgenpost, noch die eigene Postleitzahl und die kompletten Adressen behalten können. Zum 1. Januar 2015 habe das Brandenburger Innenministerium dann aber die Angleichung gefordert.

Das alte Ortsschild von Wahlsdorf. (Quelle: zibb)
Das alte Ortsschild wurde noch nicht abmontiert.

Wahlsdorf rutscht in der Adresse eine Zeile höher

Deshalb lauten die Adressen nun ganz einfach: Wahlsdorf plus Hausnummer. So konnte man den fast 800 Jahre alten Ortsnamen erhalten, auch wenn der jetzt bei der Anschrift eine Zeile höher rutscht. Davon sind nicht alle Einwohner begeistert: "Da gab es eine Anordnung von oben, dann wurden die Schilder geändert und es kamen die Nummern ran. Das kostet alles Geld", beschwert sich ein älterer Mann im Dorfladen. "Es wäre schöner gewesen, wenn die alten Straßennamen geblieben wären, man hat sich daran gewöhnt. Das war immer die Schulstraße hier, da fehlt was", trauert Geschäftsinhaberin Kerstin Keil, deren Laden man nun unter Wahlsdorf 31 finden kann, den alten Zeiten hinterher. 

Doch es gibt auch Vorteile, sagt Thomas März. Der Niebendorfer Weg führte vor vielen Jahren tatsächlich nach mal Niebendorf, mittlerweile endet er in einem Acker. "Viele Ortsfremde sind dort hoch gefahren und standen nach 100 Metern vor einem Feld. Jetzt kann es keine Verwechselung mehr geben, es würde niemand mehr auf die Idee kommen, den Weg zu benutzen um in den Nachbarort zu kommen."

Das Ortsschild selbst ist noch das alte. Hat die Stadt Dahme/Mark das etwa vergessen zu ändern? "Vielleicht sollte man nicht so viel fragen, und wir lassen es", meint der Ortsvorsteher.

Mit Informationen von Judith Kirsten, zibb

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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